Waldbrand in Kalifornien

Münchener Rück & Co. sind gefordert Waldbrände in Kalifornien werden teuer

Stand: 19.11.2018, 15:10 Uhr

Die Brände heißen "Camp Fire", "Woolsey Fire" oder "Hill Fire" - und alle wüten in verschiedenen Regionen Kaliforniens. Großschäden aus Naturkatastrophen gehören für die Versicherungswirtschaft zum täglichen Brot. Aber dieses Mal wird es richtig teuer.

Denn nach ersten Expertenschätzungen könnten die "Camp Fire" genannten verheerenden Waldbrände im Norden Kaliforniens Versicherer und Rückversicherer zwischen 9,0 und 13 Milliarden Dollar kosten. Eine in diesem Ausmaß noch nicht gesehene Feuerhölle, die nicht nur unendlich viel persönliches Leid, sondern auch hohe Sachschäden mit sich bringt.

Bisher sind 77 Menschen ums Leben gekommen, vor allem in der völlig zerstörten Kleinstadt Paradise nördlich von San Francisco, die einstmals 27.000 Einwohner hatte. Viele Bewohner gelten noch als vermisst, so dass sich die Opferzahl noch erhöhen könnte. Das Feuer ist zudem noch nicht gelöscht und auch in anderen Teilen des Westküstenstaates brennt es an verschiedenen Orten. So etwa um den Promi-Ort Malibu ("Woolsey Fire") oder um die Großstadt Los Angeles herum ("Hill Fire").

Mehr "Camp Fires" in der Zukunft zu erwarten

Für die Versicherer ein bedrohliches Szenario, auf das sie sich in ihren Risikomodellierungen werden einstellen müssen. Es wird künftig mehr solcher Brände geben, meint Mohsen Rahnama von der britischen Beratungsfirma RMS, die die ersten Schätzungen für die zu erwartenden Schäden abgegeben hat.

Zumal 2018 schon das zweite Jahr in Folge ist, das derartige Feuerkatastrophen hervorbringt. "Camp Fire" hat bisher 50.600 Hektar vernichtet. Die Ratinggesellschaft A.M. Best weist darauf hin, dass die anhaltenden Feuer in Süd- und Mittelkalifornien bereits doppelt so viel Wald- und Besiedlungsfläche verbrannt hätten wie 2017.

Experten sind sich sicher, dass die Feuer in Kalifornien sowohl mit dem Klimawandel, als auch mit den spezifischen Bedingungen in Kalifornien zu tun haben. Die anhaltende Trockenheit, die im Vergleich zu Staaten mit kargerer Vegetation üppige Fauna, aber auch die bekannten Santa-Ana-Winde, die die Feuer mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h immer wieder kräftig anheizen. Aus Versicherungssicht abgemildert wird das Drama dadurch, dass sich viele Betroffene Versicherungen nicht leisten konnten. Sie stehen jetzt buchstäblich vor dem Nichts.

Betroffen sind zunächst die bekannten Rückversicherer, denn Schadenrückversicherung gegen Naturkatastrophen ist ein internationales Geschäft. Swiss Re und Münchener Rück, aber auch die zur Buffett-Holding Berkshire Hathaway gehörende General Re sowie Erstversicherer wie die in den USA stark vertretene Zurich Insurance Group müssen sich auf hohe Rechnungen einstellen.

Dreht der Rückversicherungszyklus?

Viele Jahre war es wie ein Hase-und-Igel-Spiel. Hohe Schäden (wie sie etwa der verheerende Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 anrichtete, der in den USA die Großstadt New Orleans unter Wasser setzte) führten dann im Folgejahr meist zu höheren Versicherungsprämien auf allen Ebenen.

Gerade die Rückversicherer warten nun aber schon seit Jahren sehnsüchtig auf höhere Prämien. Zum einen gab es zwischen 2012 und 2016 relativ wenig größere Schäden, zum anderen strömt(e) viel Kapital in den Sektor. Das Versicherungsangebot war also zumindest auf der Ebene der Rückversicherer hoch - und ein hohes Angebot drückt bekanntlich die Preise.

Christian Mumenthaler

Christian Mumenthaler . | Bildquelle: Unternehmen

Laut Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler zeichnet sich nun aber eine Trendwende ab. Denn im Spätsommer 2017 richteten gleich mehrere Wirbelstürme große Schäden an. Eine Entwicklung, die den Gesellschaften Preiserhöhungen erleichtern wird. Ein Sektor, der übrigens dank der selektiven und konservativen Zeichnungspolitik der Gesellschaften die Niedrigzinsphase bisher recht gut überstanden- und dem Aktionär im Vergleich zu anderen Branchen hohe Dividenden beschert hat.

Die Münchner Rück zahlte etwa für 2017 mit 8,60 Euro die höchste absolute Dividende aller Dax-Mitglieder. Auf Basis des aktuellen Kursniveaus ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von fast 4,5 Prozent. Ein Grund, warum die Versicherungsaktien sich trotz der verheerenden Bilder aus Kalifornien gut behaupten. Sie sind ein fester Bestandteil jedes Value-Depots.

rm

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Die größten Rückversicherer der Welt Von Münchener Rück bis Scor

Das Logo der Munich Re in München.

Münchener Rück
Weltgrößter Rückversicherer ist der Dax-Konzern aus München. Die Bruttobeiträge der Gruppe lagen 2018 bei 49,1, die Nettoprämien bei 45,7 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen betrugen 216,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kam auf rund 2,27 Milliarden Euro. Im Zweiten Quartal des laufenden Jahres erreichte die Gesellschaft dank niedriger Schäden mit 993 Millionen Euro den höchsten Gewinn seit vier Jahren und bestätigte ihre Gewinnziele. 2019 sieht sich Firmenchef Joachim Wenning auf Kurs, 2,5 Milliarden Euro zu verdienen, 2020 sollen es 2,8 Milliarden Euro werden.