Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG

Trotz Gewinnsprung Wacker Chemie: Warum die Zahlen enttäuschen

Stand: 08.02.2018, 09:44 Uhr

Wacker Chemie hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn um das viereinhalbfache gesteigert. Dennoch kommt bei den Anlegern keine Freude auf. Warum ist das so?

Dass der Überschuss des in München ansässigen MDax-Unternehmens im vergangenen Jahr von 189 auf 885 Millionen Euro in die Höhe geschossen ist, erklärt sich vor allem durch den Ausstieg bei dem Wafer-Hersteller Siltronic.

Im Frühjahr hatte Wacker die Kursrally bei Siltronic genutzt, um die Mehrheitsanteile von 51,8 Prozent an dem Unternehmen zu verkaufen. Gut 21 Prozent der Anteile konnten zu 55,85 Euro je Aktie platziert werden. Der Verkauf spülte dem Spezialchemie-Konzern mehr als 350 Millionen Euro in die Kassen. Entsprechend schnellte der Gewinn in die Höhe.

Starker Euro belastet

Aber auch ohne diesen Beitrag steigerte der MDax-Konzern das operative Ergebnis (Ebit) auf 420 MIllionen Euro, nach 338 Millionen im Vorjahr. Das ist ein Plus von rund 25 Prozent. Zu dumm nur, dass Analysten noch mehr erwartet hatten. Bei der Umsatzentwicklung traf Wacker die Erwartungen: Die Erlöse stiegen um rund sechs Prozent auf 4,92 Milliarden Euro. Die Münchner sind ein wichtiger Lieferant von Dicht- und Klebemassen sowie von Lackharzen und Dispersionspulvern etwa für die Baubranche.

Im zweiten Halbjahr bekam der Konzern indes den Anstieg der Rohstoffpreise und den stärkeren Euro zu spüren. Zudem stand das Geschäft mit der Solarindustrie im vierten Quartal erneut im Zeichen eines unfallbedingten Produktionsstillstandes am US-Standort Charleston. Dank der sehr guten Kundennachfrage in der Chemie ebenso wie im Geschäft mit Polysilizium konnten die Belastungen zwar mehr als ausgeglichen werden, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl.

 Anlage zur Herstellung von Solarsilizium

Wacker-Chemie Anlage zur Herstellung von Solarsilizium. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Ausblick erst im März

Doch Rohstoffpreise sowie der starke Euro dürften im laufenden Jahr für anhaltenden Gegenwind sorgen, vor allem nachdem gerade die Gemeinschaftswährung zum Jahresstart im Vergleich zum Dollar weiter zugelegt hat. So hat bereits der Halbleiter-Wafer-Hersteller Siltronic, an dem Wacker noch rund 31 Prozent hält, für 2018 Gegenwind durch die Euro-Aufwertung signalisiert. Einen Ausblick auf das neue Jahr wollen die Bayern deshalb erst Mitte März bei der Vorlage des vollständigen Geschäftsberichts für 2017 geben.

Die Aktie gehört deshalb trotz der auf den ersten Blick guten Zahlen zu den Verlierern im MDax. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass im Gewinn noch keine nennenswerten Versicherungsleistungen für den Schadensfall im US-Werk enthalten sind, erklärte Commerzbank-Analyst Michael Schäfer. Inklusive der geschätzten Ersatzleistung sähen die Geschäftszahlen besser aus.

Die Wacker-Aktien hatten erst im Januar bei 176,80 Euro den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Das war allerdings vor dem Ausblick von Siltronic sowie den jüngsten Börsenturbulenzen. Seit dem Hoch haben die Papiere nun rund knapp 17 Prozent eingebüßt.

lg