Wacker Chemie-Anlage zur Herstellung von Solarsilicium

Gewinnwarnung lässt Aktie sinken Wacker Chemie kassiert Prognose

Stand: 05.03.2019, 15:41 Uhr

Auf heftige Talfahrt begibt sich der Titel des Chemiekonzerns aus dem MDax. Wacker Chemie enttäuscht Anleger mit einer dicken Gewinnwarnung. Und ob die Geschäfte im zweiten Halbjahr wirklich wieder besser laufen, bezweifeln viele von ihnen auch.

Bei rund 70 Euro schien die Aktie des Zulieferers der Solarindustrie ihren Boden gefunden zu haben. Doch mit dem heutigen Rücksetzer sieht das Chartbild wieder ein wenig zerfleddert aus. Genauso geht es den Erwartungen vieler Investoren offenbar, die am Dienstag Reißaus nehmen, nachdem Wacker überraschend deutlich vor schwächeren Ergebnissen im laufenden Geschäftsjahr gewarnt hat.

Schwache Preise für den Solarindustrie-Grundstoff Polysilizium haben dabei die Gewinnprognose für das laufende Jahr verhagelt. Die Bayern gehen trotz eines erwarteten höheren Polysiliziumabsatzes von einem Rückgang des Konzernergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um zehn bis 20 Prozent aus.

Am Polysilizium-Preis hängt das Ergebnis

Nach 930 Millionen Euro im Jahr 2018 entspricht das einem Einbruch auf 744 bis 837 Millionen Euro und wäre deutlich weniger, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Zum Wochenstart hatten die Papiere noch von der Hoffnung auf eine Erholung der Polysiliziumpreise profitiert. Wird beim Jahresausblick ein stabiles Ebitda in den anderen Geschäftsbereichen unterstellt, würde das für die Polysilizium-Sparte 2019 einen operativen Verlust implizieren.

Bereits 2018 war das Ebitda in diesem Segment um drei Viertel auf 70 Millionen Euro eingebrochen. Neben einer schwachen Nachfrage im wichtigen chinesischen Markt wegen einer verringerten staatlichen Solarförderung hinterließ auch ein Produktionsausfall im US-Werk Charleston infolge einer Explosion im Jahr 2017 Spuren. Erst Anfang Dezember hatte die Produktion dort wieder die volle Kapazität erreicht.

Umsätze steigen weiter

Beim Umsatz rechnet der MDax-Konzern 2019 derweil mit einem Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Bei einer angenommenen Steigerung um fünf Prozent wären das etwa 5,2 Milliarden Euro nach 4,98 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Zumindest das wäre mehr als Experten derzeit im Durchschnitt erwarten. Neben höheren Verkaufszahlen im Polysilizium-Geschäft setzt Wacker dabei auf eine gute Entwicklung im Chemiegeschäft. So war 2018 etwa die Silikon-Sparte, die auch Dicht- und Schmiermittel für die Bau- und Autoindustrie herstellt, stark gewachsen. In der Polymer-Sparte für Bindemittel und Lackharze war der Umsatz im vergangenen Jahr zwar noch leicht gestiegen, allerdings hatten höhere Rohstoffkosten auf den Gewinn gedrückt.

AB