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Höchster Milliardenüberschuss in der Geschichte VW trotzt allen Skandalen

Stand: 25.02.2018, 11:04 Uhr

Diesel-Affäre, Debatte um Fahrverbote in Innenstädten, Affentests – das alles kann Volkswagen nicht bremsen. Der Wolfsburger Autobauer hat 2017 einen Gewinn von über elf Milliarden Euro eingefahren - so viel wie nie. Doch Experten hatten noch mehr erwartet.

Der VW-Motor läuft und läuft und läuft… wieder. Im abgelaufenen Jahr haben die Wolfsburger dank kräftig gestiegener Auslieferungen und Sanierungserfolgen bei der Hauptmarke 11,4 Milliarden Euro Gewinn gescheffelt - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und auch mehr als im Rekordjahr vor der Diesel-Krise.

Ergebnis verdoppelt

Das operative Ergebnis kletterte gar auf 13,8 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 95 Prozent. Analysten hatten allerdings einen Tick mehr erhofft, nämlich im Schnitt 14,7 Milliarden Euro.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,78
Differenz relativ
-0,43%

Der Konzernumsatz erhöhte sich um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro. Weltweit lieferte Volkswagen 10,7 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus - 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit behaupteten die Wolfsburger ihre Position als weltgrößter Autohersteller.

Fast doppelt so viel Dividende winkt

Angesichts der üppigen Gewinne können sich die VW-Aktionäre über einen Geldregen freuen: Die Stammaktionäre, darunter als größte die Familien Porsche und Piech, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, sollen eine Dividende von 3,90 Euro je Aktie erhalten. An die Vorzugsaktionäre sollen 3,96 Euro je Anteilschein fließen. Für 2016 waren es jeweils 1,90 Euro weniger gewesen.

Für das laufende Jahr stellt der VW-Konzern moderat steigende Auslieferungen in Aussicht. Die operative Rendite soll in einer Spanne von 6,5 bis 7,5 Prozent liegen. Das kam schlecht an der Börse an. "Der Margenausblick enttäuscht", sagte ein Händler. Am Markt sei eine Spanne von 7,5 bis 8,0 Prozent erwartet worden, betonte der Börsianer. Die VW-Aktie rutschte zeitweise um über zwei Prozent ab. Inzwischen haben sie ihre Kursverluste aber wieder verringert.

US-Gerichtsprozess abgewendet

Auf den letzten Drücker konnte VW den ersten US-Gerichtsprozess im "Dieselgate"-Skandal verhindern. Der Rechtsstreit mit einem Jetta-Besitzer, der wegen manipulierter Abgastechnik auf 72. 000 Dollar geklagt hatte, wurde am Freitag mit Zustimmung des Richters beigelegt. Weder VW noch der Klägeranwalt Michael Melkersen wollten sich auf Nachfrage zu der Einigung oder Einzelheiten eines Vergleichs äußern. Der Prozess hätte eigentlich am Montag mit der Jury-Auswahl am Bezirksgericht in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia beginnen sollen.

Obwohl es dabei nur um einen einzigen Kläger und eine relativ geringe Streitsumme ging, sorgte der Fall für großes Aufsehen. Melkersen hatte eine Studie mit Abgasversuchen an Affen im Auftrag von VW aufgedeckt, die viel Empörung hervorrief. Zunächst sollten die Tests an Menschen durchgeführt werden, was den Anwalt zu einem kontroversen Nazi-Vergleich verleitete - in einer TV-Dokumentation stellte er einen Bezug zur Juden-Vergasung im Zweiten Weltkrieg her.

nb