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Prognose wird "unmöglich" VW wird unsicher

Stand: 17.03.2020, 16:52 Uhr

Die Coronakrise hat den Autokonzern ebenfalls erwischt. Wie stark, das können die Wolfsburger am Dienstag bei der Vorlage endgültiger Jahreszahlen noch gar nicht abschätzen. Dabei liefen die Geschäfte in vielen Bereichen gerade noch prächtig.

Volkswagen hatte sich nach dem Rekordgewinn im vergangenen Jahr erst vor gut zwei Wochen für 2020 eine Umsatzrendite erneut in einer Spanne von 6,5 bis 7,5 Prozent vorgenommen. 2019 lag die Marge auf Grundlage des bereinigten Betriebsergebnisses mit 7,6 (Vorjahr 7,3) Prozent leicht darüber.

Versuch der Stabilisierung

Diese Prognose ist nun wohl wegen der Ausbreitung des Coronavirus' Makulatur. Es sei ungewiss, mit "welcher Wucht" die Viruskrise Volkswagen treffen werde, teilte der Autokonzern am Dienstag bei der Präsentation der endgültigen Geschäftszahlen 2019 mit. "Eine verlässliche Prognose ist derzeit nahezu unmöglich", so Finanzvorstand Frank Witter hinzu und erklärte: "Wir schöpfen im Task-Force-Modus alle Maßnahmen aus, um unsere Mitarbeiter und deren Familien zu unterstützen und unser Geschäft zu stabilisieren."

Laut VW-Chef Herbert Diess stellt die Corona-Pandemie den Konzern vor "ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen". Zudem seien nachhaltige Konjunktureinflüsse zu befürchten.

Sportwagen und Brummis rollen

Zuletzt hatte der Volkswagen-Konzern im Tagesgeschäft wohl vieles richtig gemacht. Das zeigen zumindest die detaillierten Zahlen vieler wichtiger Sparten im Konzernverbund. Bei der Stuttgarter Sportwagentochter Porsche kletterte der Umsatz im Automobilgeschäft vergangenes Jahr um 10,1 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis vor den Kosten für die Dieselaffäre stieg um 2,4 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro.

Auch die Lkw-Tochter Scania verdiente 2019 deutlich mehr, das operative Ergebnis stieg um rund ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro. Scania gehört zur Lkw- und Bustochter Traton, die bereits vor einem schwierigeren neuen Jahr gewarnt hatte. Die Lkw-Märkte sind derzeit in Europa und Nordamerika - auch ohne die Coronavirus-Pandemie - auf dem absteigenden Ast. Der Lastwagenbauer MAN, der ebenfalls zu Traton gehört, konnte sein Ergebnis von 332 Millionen Euro im Vorjahr auf 402 Millionen Euro steigern.

Bei der Tochter Audi fiel das operative Ergebnis vor allem wegen eines Sparprogramms von bereinigt 4,7 auf 4,5 Milliarden Euro. Der Umsatz von Audi sank von 59,2 Milliarden Euro auf 55,7 Milliarden, weil einige Vertriebsgesellschaften nun nicht mehr zu Audi gerechnet werden.

Produktion erst mal gestoppt

Der Volkswagen-Konzern stoppt wegen der Coronavirus-Krise seine Produktion in den meisten Werken in Deutschland und Europa. Am Donnerstag werden die deutschen Werke nach der Spätschicht für zunächst voraussichtlich zwei Wochen geschlossen. Ziel des Produktionsstopps ist es, die Mitarbeiter vor möglichen Ansteckungen mit dem Virus zu schützen.

Die Corona-Krise zwingt immer mehr Autobauer in Europa, Werke dicht zu machen - entweder weil wegen lückenhafter Lieferketten wichtige Teile in der Produktion fehlen oder weil Mitarbeiter Angst vor Ansteckung haben. Auch beim Autobauer Daimler stehen wegen des Coronavirus vorerst in vielen Werken die Bänder still. Ein Großteil der Produktion in Europa werde von dieser Woche an für zunächst zwei Wochen geschlossen, teilte der Dax-Konzern am Nachmittag mit.

Ford wird ab Donnerstag an den deutschen Standorten in Köln und Saarlouis sowie anderen Standorten in Europa die Bänder anhalten. Fiat Chrysler und PSA haben die Produktion in Europa bereits bis 27. März weitgehend eingestellt.

Experten rechnen damit, dass die Autonachfrage europaweit in diesem Jahr massiv sinken wird, weil in Zeiten von Corona kaum jemand an den Kauf eines neuen Fahrzeugs denkt. In China, wo die Epidemie ihren Ursprung nahm, läuft es hingegen besser. Dort gehen inzwischen aber immer mehr Werke wieder ans Netz. Im Februar war der Absatz von Volkswagen auf dem weltgrößten Automarkt noch um 74 Prozent eingebrochen.

Rennen mit Tesla

Die Coronakrise trifft die Wolfsburger mitten im Wechsel zu einem führenden Anbieter von Elektroautos, der viele Milliarden Euro an Investitionen verschlingt. Deshalb ist es aus Sicht des Konzerns wichtig, dass beim Start des neuen ID.3 nichts schiefgeht und VW die Probleme mit der Software in den Griff bekommt. Immerhin will Volkswagen mit dem neuentwickelten Wagen das Rennen mit Tesla um die Vorherrschaft in der E-Mobilität aufnehmen. Wenn das nicht gelingen sollte, ist das Rennen nach Meinung von Experten schon entschieden, bevor es überhaupt begonnen hat.

Diess verdient (etwas) weniger

Deshalb ist 2020 auch für Konzernchef Diess selbst ein entscheidendes Jahr. Der Manager hat trotz glänzender Geschäftszahlen im abgelaufenen Jahr weniger verdient. VW bezifferte die Gesamtvergütung des Vorstandschefs am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht mit 8,39 Millionen Euro, rund 100.000 Euro weniger als im Jahr davor. Grund für die Differenz bei Diess zum Vorjahr ist vor allem die Umstellung der variablen Vergütung vor drei Jahren. Dadurch entfiel 2019 eine Abschlagszahlung, die in der Übergangszeit in den beiden ersten Jahren geflossen war.

AB