Passat GTE an einer Ladestation in Manchester
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Hauptversammlung im Zeichen der E-Offensive VW im Umbaustress

Stand: 14.05.2019, 13:47 Uhr

Elektromobilität, selbstfahrende Autos und die "Transformation" eines Riesen-Unternehmens mit schwerfälligen Strukturen: Auf der Hauptversammlung des Wolfsburger Autokonzerns in Berlin gibt es jede Menge Diskussionsbedarf.

Volkswagen-Chef Herbert Diess ging zu Beginn der Aktionärsversammlung gleich selbst in die Offensive. Das Unternehmen kämpfe an einigen Stellen noch mit schwerfälligen Strukturen, komplexen Prozessen und hohen Kosten, so Diess vor den Investoren. "Hier gibt es viel zu tun. Großen Ballast können wir uns auf Dauer nicht leisten." Deshalb mache er persönlich Tempo bei der Transformation des Unternehmens in einen Anbieter von Elektromobilität, selbstfahrenden Autos und neuen Mobilitätsdiensten. Dabei geht der Vorstand die nach Ansicht von Analysten lange hinausgezögerte Überprüfung von Randbereichen an. "Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind", sagte Diess.

"Schwer steuerbar"

Als weiteren Schritt kündigte das Management etwa an, Lösungen für Randbereiche wie die Großmotorentochter MAN Energy Solutions und den Getriebehersteller Renk zu suchen. Die Möglichkeiten reichen von Gemeinschaftsunternehmen über Partnerschaften bis hin zu einem Verkauf. In Medienberichten waren zuletzt bereits mögliche Interessenten für den MAN Energy Solutions gehandelt worden. Volkswagen gilt mit seinen zwölf Marken beim Wechsel in die von IT und Software dominierte Elektromobilität als schwer steuerbar. Zudem benötigt das Unternehmen Liquidität, weil bei der Aufarbeitung des Dieselskandals bereits viele Milliarden Euro abgeflossen sind.

Kosten runter für Investitionen

Bei dieser Transformation geht es dem Konzern auch um die Kosten. Volkswagen will diese bis 2023 um weitere knapp sechs Milliarden Euro drücken, um die Rendite zu steigern und die enormen Investitionen in die Elektromobilität zu stemmen. In der Verwaltung sollen bis zu 7.000 Stellen durch Altersteilzeit wegfallen. Gleichzeitig soll die Produktivität der Werke weiter gesteigert werden. Damit verbunden sei außerdem ein stärkerer Fokus auf das automobile Kerngeschäft. "Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind", sagte der Konzernchef in Berlin.

Batteriezellen in Eigenproduktion

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte bereits am Vorabend vor der Hauptversammlung die Weichen für zwei wichtige Bereiche gestellt. Das Gremium beschloss am Montag, knapp eine Milliarde Euro in eine eigene Batteriezellfertigung zu investieren und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Danach ist geplant, eine solche Batteriezellfertigung in Salzgitter anzusiedeln, wo VW bereits eine Pilotanlage für Batteriezellen unterhält.

Strategische Partnerschaften

Außerdem hat der Aufsichtsrat beschlossen, in Verhandlungen über ein neues Mehrmarken-Werk mit den verbliebenen potenziellen Standorten einzutreten. Insidern zufolge handelt es sich dabei um Bulgarien und die Türkei. Im Rahmen der Elektro-Offensive wolle der Konzern seine Batteriekapazitäten durch strategische Partnerschaften absichern, erklärte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Volkswagen will mit der eigenen Batteriezellfertigung unabhängiger von asiatischen Herstellern werden, die auf diesem Feld bislang dominieren. Für die E-Autos der neuen ID-Familie, deren Produktion mit dem ID.3 Ende 2019 in Zwickau anlaufen soll, bezieht VW Batteriezellen aus dem neuen Werk des koreanischen Herstellers LG Chem in Polen.

Traton vor IPO

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,46
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Die Lkw-Sparte Traton soll noch vor der Sommerpause in diesem Jahr an die Börse gehen. Der Vorstand habe mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, den Börsengang grundsätzlich durchzuführen und vorbehaltlich der weiteren Kapitalmarktentwicklung vor der Sommerpause 2019 anzustreben, so VW am Montagabend nach der Aufsichtsratssitzung.

Die Börsenpläne für Traton hatte Volkswagen erst vor rund zwei Monaten auf Eis gelegt, weil die Bedingungen an den Märkten nicht stimmten. Investoren hatten im März mit Enttäuschung auf den abgeblasenen Gang aufs Parkett reagiert. Traton besteht aus den VW-Töchtern MAN und Scania sowie der brasilianischen Nutzfahrzeugtochter. VW könnte früheren Medienberichten zufolge bis zu ein Viertel von Traton an die Börse bringen und damit rund sechs Milliarden Euro erlösen können.

Heißer HV-Verlauf

Neben den Zukunftsprojekten steckt der weltgrößte Autobauer aber auch weiter tief in der Aufarbeitung des Dieselskandals, der das Unternehmen bisher 30 Milliarden Euro gekostet hat. Aktionärsvertreter und große Fonds wollen Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung zur Rede stellen. Sie werfen der Konzernspitze mangelnde Transparenz bei der Aufklärung und Verstöße gegen Regeln guter Unternehmensführung vor.

AB