Herbert Diess, Volkswagen
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Umstellung auf neue Abgasnorm VW warnt vor schwierigem zweiten Halbjahr

Stand: 01.08.2018, 08:47 Uhr

Bei VW brummt das Geschäft. Im zweiten Quartal fuhren die Wolfsburger milliardenschwere Rekordgewinne ein. Der neue Abgastest-Standard, der ab September vorgeschrieben ist, stimmt den Konzern aber vorsichtig. Die Aktie legt den Rückwärtsgang ein.

WLTP - diese vier Buchstaben bringen die Autoindustrie ins Schlingern. Die neue Abgasnorm wird für Lieferverzögerungen und Produktionsausfälle sorgen. Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab Anfang September nur noch verkauft werden, wenn sie das neue Abgasmessverfahren durchlaufen haben. Der Konkurrent Daimler hat die Umstellung auf WLTP bereits als Grund genannt, warum der Absatz in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren wird.

Umsatzrendite-Ziel wackelt

Die neuen Regeln treffen auch VW. Der Autobauer warnte am Mittwochmorgen vor einem schwierigen zweiten Halbjahr. "In den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns", sagte Vorstandschef Herbert Diess. VW hat bereits angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden und die Arbeit im Stammwerk an ein bis zwei Tagen in der Woche ruht. Tausende bereits produzierte Neuwagen, die noch nicht zertifiziert sind, sollen auf Parkplätzen zwischengelagert werden, unter anderem auf dem unfertigen Berliner Flughafen BER.

Dies hat Auswirkungen auf die Jahresbilanz: Die ursprünglich angepeilte operative Rendite von 6,5 bis 7,5 Prozent vom Umsatz wird VW 2018 demnach nur noch unter Ausklammerung von Sonderbelastungen erreichen. Insgesamt aber bekräftigte der Vorstand den Ausblick.

Ein Fünftel mehr verdient

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Bisher läuft es noch rund. Im zweiten Quartal fuhren die Wolfsburger erneut Milliardengewinne ein. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten kletterte um fast 23 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Die Prognosen wurden klar übertroffen. Analysten hatten mit nur fünf Milliarden Euro gerechnet.

Weniger rasant wuchs der Konzernumsatz. Er stieg lediglich um 3,4 Prozent auf gut 61 Milliarden Euro. Analysten hatten mehr erwartet. Der Autobauer lieferte im zweiten Quartal mehr Fahrzeuge aus als jemals zuvor. "Die Umsatz- und Ergebniszuwächse sind sehr solide", sagte Vorstandschef Diess.

Diesel-Skandal wird noch teurer

Dank des Rekordgewinns und eines üppigen Liquiditätspolsters im Kerngeschäft von mehr als 26 Milliarden Euro kann der Konzern das von der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Dieselskandals verhängte Bußgeld von einer Milliarde Euro verkraften. Zudem legte Volkswagen weitere 600 Millionen Euro für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Abgasmanipulation zur Seite. Insgesamt türmen sich die Kosten der Dieselaffäre damit auf mehr als 27 Milliarden Euro.

Das Ende der Fahnenstange dürfte damit noch nicht erreicht sein. Denn Volkswagen ist mit Klagen von Investoren konfrontiert, die einen Ausgleich für ihre in der Dieselkrise erlittenen Kursverluste fordern. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig beginnt im September ein Musterverfahren, bei dem es um Ansprüche von fast vier Milliarden Euro gegen Volkswagen und den Haupteigner Porsche SE geht.

Aktie im Minus

Die durchwachsene Bilanz von VW kommt an der Börse nicht so gut an. Nach anfänglichen leichten Gewinnen dreht die VW-Aktie am Morgen ins Minus. Sie büßt über zwei Prozent ein.

nb

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