Herbert Diess, Volkswagen
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Neben Bündnis mit Microsoft VW paktiert auch mit Amazon

Stand: 27.03.2019, 10:47 Uhr

Volkswagen steht unter massivem Druck, die Kosten zu senken, um die hohen Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren zu stemmen. Dabei soll auch der weltgrößte Online-Händler Amazon helfen.

Die beiden Weltkonzerne gaben am Mittwoch eine mehrjährige Entwicklungskooperation bekannt, um eine "Industrie-Cloud" aufzubauen. In dieser sollen künftig die Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme aus sämtlichen 122 Fabriken des Konzerns zusammengeführt werden. Langfristig gehe es auch um die Integration der globalen Lieferkette mit über 30.000 Standorten von mehr als 1.500 Lieferanten und Partnerunternehmen.

Amazon verfüge über eine der leistungsfähigsten Clouds der Welt, also gebündelte Server, die aus allen Teilen der Welt Daten beziehen und verarbeiten, hieß es zur Begründung.

Aufbau einer "Industrial Cloud"

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Die Cloud-Plattform soll auch für andere Automobilhersteller zugänglich sein. "Wir werden die Produktion als Wettbewerbsfaktor für den Volkswagen-Konzern weiter stärken", sagte Porsche-Chef Oliver Blume, der im Konzernvorstand für Produktion zuständig ist. Die Zusammenarbeit mit der Amazon-Tochter Web Services schaffe dafür wichtige Voraussetzungen. Mit dem Aufbau seiner "Industrial Cloud" schaffe der Konzern die Grundlage für eine durchgängige Digitalisierung seiner Produktion und Logistik.

Ziel von VW ist es, die Kosten zu senken, um die hohen Investitionen in Elektromobilität, neue Mobilitätsdienste und selbstfahrende Autos stemmen zu können.

"Deutlich mehr Geld verdienen"

Unlängst hatte Volkswagen angekündigt, bis 2025 die Produktivität im gesamten Produktionsnetzwerk - außer China - um 30 Prozent steigern zu wollen. Konzernchef Herbert Diess hatte in der vergangenen Woche auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg gesagt: "Wir müssen mit unseren Autos deutlich mehr Geld verdienen, um in die Zukunft investieren zu können. Wir müssen schlanker, beweglicher, schneller werden, um beim Tempo der neuen Wettbewerber mitzuhalten."

Bei Clouddiensten kooperiert VW bereits mit Microsoft. Dabei geht es vorrangig um die Vernetzung von selbstfahrenden Autos. Die Partnerschaften mit den großen Technologiekonzernen dürften aber nicht ausreichen, um die Ziele des Managements bei der Senkung der Kosten und der Steigerung der Effizienz zu erreichen.

Tausende Stellen fallen weg

Vorstandschef Diess hat deshalb bereits klar gemacht, dass die Digitalisierung auch Arbeitsplätze kosten werde. Allein bei der Kernmarke VW Pkw sollen in den nächsten fünf Jahren 5.000 bis 7.000 Stellen wegfallen. Damit und mit Hilfe von automatisierten Routineaufgaben will das Unternehmen ab 2023 eine Gewinnverbesserung von 5,9 Milliarden Euro jährlich erzielen. Stellen sollen beim altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern nicht neu besetzt werden.

lg