Europcar Umzugswagen der gerade beladen wird

Mögliche Rückkehr in den Mutterkonzern VW vor Europcar-Übernahme?

Stand: 24.06.2020, 08:40 Uhr

Volkswagen wirft Insidern zufolge ein Auge auf den kriselnden Autovermieter aus Frankreich. Europcar kämpft derzeit gegen die Corona-Auswirkungen - ein Rückkauf wäre verhältnismäßig günstig. Eine Einigung ist aber wohl noch nicht in Sicht.

Die Wolfsburger erwägten eine Offerte für die Franzosen, wenngleich die Überlegungen noch in einem sehr frühen Stadium seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am späten Dienstagabend unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. VW habe sich an Europcar gewandt, um sein Interesse an einer Übernahme zum Ausdruck zu bringen, und prüfe bereits die Bücher, um den Unternehmenswert zu ermitteln.

Der Deal würde es dem deutschen Autobauer ermöglichen, seine Flotte besser zu nutzen, erklärten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das stärke das Geschäft mit Mobilitätsdiensten.

Einigung alles andere als sicher

Nach Angaben der Insider haben auch Private-Equity-Firmen, darunter Apollo Global Management, Interesse an dem Autovermieter bekundet. Ein Verkauf sei angesichts der finanziellen Belastung durch die Corona-Krise jedoch alles andere als sicher, fügten die Quellen hinzu. Europcar weist eine Nettoverschuldung von mehr als einer Milliarde Euro auf.

So hatten die Franzosen schon länger unter dem anstehende Brexit und der sich abkühlende Weltkonjunktur gelitten, bevor weltweite Reisebeschränkungen und Lockdowns in vielen Ländern der gesamtem Branche das Leben 2020 noch schwerer machten. Die Nachfrage nach Mietwagen war eingebrochen, Buchungen und Einnahmen ausgeblieben.

Aktie hebt ab

An der Börse ist Europcar aktuell nur noch rund 390 Millionen Euro wert. 2017 waren es noch bis zu rund 2,2 Milliarden Euro gewesen. Seitdem hat die Aktie an der Euronext Paris mehr als 80 Prozent an Wert verloren. Zum Vergleich: Der deutsche Konkurrent Sixt bringt es derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund drei Milliarden Euro.

Die Spekulationen treiben die Europcar-Aktie am Mittwoch in die Höhe. Schon vor Handelsbeginn kletterten die Papiere auf Tradegate um 25 Prozent. Auch die VW-Titel stiegen leicht an.

Rückkauf mit Abschlag?

Sollte Volkswagen Europcar tatsächlich kaufen, würde die einstige Tochter zurück in den Mutterkonzern kommen. So hatte VW das Unternehmen 2006 an den Finanzinvestor Eurazeo veräußert - für 3,32 Milliarden Euro.

Damit könnte der Autobauer die Mietwagenfirma nun mit einem deutlichen Abschlag erwerben. Volkswagen, Apollo und Eurazeo, die derzeit fast 30 Prozent an Europcar hält, äußerten sich zunächst nicht.

tb/dpa/rtr