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Eine Million Elektrofahrzeuge pro Jahr VW: Vom Autobauer zum Techkonzern

Stand: 22.08.2019, 15:20 Uhr

Mit neuem Logo und einem digitalen Marktauftritt will Volkswagen den Umschwung in die E-Mobilität erreichen. In weiten Teilen soll sich Volkswagen anfühlen wie ein Tech-Unternehmen.

Den Anfang macht der rein batteriegetriebene ID.3, den VW auf der Automesse IAA Anfang September in Frankfurt erstmals einem großen Publikum präsentieren will. Der Kompaktwagen, der an den früheren Bestseller Golf erinnert, macht den Auftakt für eine E-Offensive, der in den nächsten Jahren viele weitere E-Autos folgen sollen.

Begleitet wird der Wandel durch ein neues Markenzeichen, mit sich VW vom Chrom des bisherigen Logos verabschiedet und stattdessen auf eine digitale und damit auch puristischere Erscheinung setzt. An den übereinander angeordneten Buchstaben VW ändert sich aber nichts.

Für die Öffentlichkeit werden Logo und ID.3 erstmals zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) zu sehen sein. Die IAA beginnt am 12. September in Frankfurt. Parallel dazu wird auch das Logo auf dem Hochhaus der VW-Zentrale in Wolfsburg ausgetauscht.

Wandel zum Mobilitätsdienstleister

VW ID Buggy Concept

VW ID Buggy Concept. | Bildquelle: Unternehmen

Mit der Elektromobilität will Volkswagen den selbstverursachten Dieselskandal vergessen machen, der vor fast vier Jahren die Existenz des Unternehmens in Gefahr brachte. Zugleich steht der Konzern unter dem Druck der EU, die schärferen Klimaziele zu erfüllen, sonst drohen hohe Strafen.

Die Veränderung geht aber noch weiter: VW will sich von einem reinen Autohersteller zu einem Anbieter von Mobilitätsdiensten wandeln - ein Trend, dem auch BMW und Daimler folgen. Denn gerade für jüngere Menschen rückt angesichts der Debatte über den Klimawandel der Besitz eines Autos in den Hintergrund.

Dafür werden Dienstleistungen wie Carsharing oder Mitfahrdienste wichtiger, wie sie etwa die Marke Moia von VW anbietet. Ziel ist, dass in einigen Jahren auch selbstfahrende Fahrzeuge ihre Kunden abholen und ans Ziel bringen. "Bis 2025 wollen wir Weltmarktführer in der E-Mobilität werden", bekräftigte VW-Markenvorstand Ralf Brandstätter und fügte hinzu: "Das heißt, dass wir bis dahin eine Million Elektrofahrzeuge pro Jahr verkaufen wollen."

30 Milliarden Euro investiert

Insgesamt investiert Volkswagen bis 2023 mehr als 30 Milliarden Euro in die E-Mobilität. Die Ertragskraft soll dabei nicht unter die Räder kommen. Die Marke VW bekräftigte vielmehr das Ziel einer operative Marge von sechs Prozent bis 2022. Im ersten Halbjahr 2019 lag die Rendite bei 5,2 Prozent.

Brandstätter begründete die Zuversicht damit, dass VW die Kosten durch das selbstentwickelte Baukastensystem (MEB) senken könne und die Marke zudem Skalenvorteile durch ihre Größe habe. Dazu trage auch die kürzlich vereinbarte Zusammenarbeit mit Ford bei.

Sorge bereiten VW der Konjunkturabschwung und der bevorstehende Brexit. Von einer Krise wollte das Management aber nicht sprechen. Sollten die neuen E-Autos nicht den nötigen Ertrag abwerfen, dürfte die Luft auch für VW dünner werden. Im Moment gebe es aber keinen Anlass, den Geschäftsausblick zu ändern.

Diess liebäugelt mit Tesla-Einstieg

Besucher der Model-3-Präsentation fotografieren den neuen Tesla

Tesla Model 3. | Bildquelle: picture alliance / Justin Pritchard/AP/dpa

Derweil berichtet das "Manager-Magazin", dass Volkswagen-Chef Herbert Diess mit einer Beteiligung am kalifornischen Elektroautopionier Tesla liebäugele. "Er würde sofort einsteigen, wenn er könnte", sagte ein ranghoher Manager dem Magazin.

Diess sei der Ansicht, dass Volkswagen von Teslas Batterie- und vor allem Softwarekompetenz profitieren könne. Das Geld für einen Einstieg sei vorhanden, für den Anfang reiche eine Beteiligung. Schwieriger sei es mit der Zustimmung der Großaktionäre, der Familien Porsche und Piëch.

VW dementiert

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B5 Börse 15.18 Uhr: VW an Tesla interessiert?

Ein VW nahe stehender Banker sagte, Diess würde zwar gerne Zugriff auf die Softwarekompetenz Teslas bekommen, es sei aber wohl unmöglich zu rechtfertigen, 35 Milliarden Euro dafür hinzublättern. Soviel ist Tesla derzeit an der Börse wert.

VW dementierte den Bericht und sagte, Spekulationen zur Übernahme von Tesla seien gegenstandslos. Eine Stellungnahme von Tesla war zunächst nicht zu erhalten, die Tesla-Aktie zog aber nach Bekanntwerden des Magazin-Berichts um gut zwei Prozent an.

lg/rtr/dpa