VW-Golf-Produktion in Wolfsburg

Sparmaßnahmen VW speckt den Golf ab

Stand: 14.04.2019, 14:18 Uhr

Der Wolfsburger Autobauer muss sparen, um seine milliardenschwere Elektro-Offensive finanzieren zu können. So werden Farbdrucker abgeschafft. Und auch bei den neuen Modellen wird mit Extras gespart - zum Beispiel beim Golf 8.

Der neue Golf soll in diesem Jahr mit abgespeckter Technik auf den Markt kommen. Zahlreiche elektronische Funktionen sollen erst später laufen. Gründe seien Probleme mit der Software und der Elektronik, erfuhr das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Deutlich weniger Golfs sollen vom Band rollen

Außerdem soll die nächste Generation des VW-Dauerbrenners in kleinerer Stückzahl produziert werden als geplant. Zum Marktstart im laufenden Jahr sollen lediglich über 10.000 Golf 8 von den Bändern rollen. Ursprünglich geplant waren 80.000 Stück, meldete "Der Spiegel" unter Berufung auf interne Papiere.

Bei VW sprach man von einer flacheren Anlaufkurve beim neuen Golf. Der bei der Kernmarke fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter hatte schon im März gesagt, bei der Einführung des Golf 8 laufe nicht alles rund. Für den geplanten Produktionsanlauf des Kassenschlagers vor Ende des Jahres sei noch viel zu tun, sagte er.

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Auch der neue vollelektrische ID, dessen Produktion Ende 2019 in Zwickau startet, wird laut VW zum Produktionsstart einen "Erstumfang an Online-Funktionalitäten" erhalten. Updates sollten die Funktionen stetig erweitern.

Verzicht auf Farbausdrucke

Nicht nur bei den neuen Autos, sondern auch betriebsintern wird der Rotstift angesetzt. Aus Kostengründen verzichtet der Konzern künftig auf Farbausdrucke. Ab April sollen keine neuen Farbdrucker mehr angeschafft werden. Bei den vorhandenen Geräten soll die Farboptionen abgeschaltet werden, meldete dpa unter Berufung auf eine interne Mail an die VW-Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr seien an den Standorten in Wolfsburg, Kassel, Salzgitter, Emden und Braunschweig sowie im Nutzfahrzeugwerk in Hannover fast 140 Millionen Seiten ausgedruckt worden, die Hälfte davon in Farbe.

"Hier liegt ein enormes Sparpotenzial", hieß es in der Mail an die VW-Mitarbeiter. "Let's go black", gab deshalb der Vorstand als neue Devise aus. Ausnahmen soll es nur Antrag geben. Der Anteil der Farbdrucke soll künftig unter fünf Prozent bleiben.

Für die geplanten Milliarden-Investitionen in die E-Mobilität und die Digitalisierung muss VW den Sparkurs verschärfen. In den nächsten fünf Jahren sollen zusätzlich 5.000 bis 7.000 Stellen wegfallen. Mithilfe automatisierter Routinearbeiten, Materialeinsparungen und geringerer Modellvielfalt sollen langfristig die Kosten sinken.

Elektro-Stromer für den chinesischen Markt

Besonders wichtig für VW ist der chinesische Markt. "Wir wollen als Marke die Nummer eins in der Elektromobilität in China und darüber hinaus sein", kündigte VW-Chef Herbert Diess am Sonntag im Vorfeld der Automesse in Shanghai an. Diess und VW-China-Chef Stephan Wöllenstein präsentierten am Wochenende in Shanghai einen großen Elektro-SUV mit sieben Sitzen. Der ID Roomzz soll 2021 in China zuerst auf den Markt kommen. Er soll Teslas Model X Konkurrenz machen. VW will in den nächsten zehn Jahren 22 Millionen Elektroautos produzieren.

nb