Navistar-Truck fährt auf verschneiter Fahrbahn

Traton will US-Lkw-Bauer komplett übernehmen VW setzt auf Brummis

Stand: 31.01.2020, 07:58 Uhr

Der Volkswagen-Konzern will sich im Geschäft mit Lastwagen noch globaler aufstellen. Knapp drei Milliarden Dollar bietet man nun für den Kauf des US-Konkurrenten Navistar. Der Deal könnte aber sogar noch teurer werden.

Einen kleinen Aufschlag auf den Übernahmepreis von 35 Dollar je Navistar-Aktie scheinen zumindest Aktionäre des US-Unternehmens zu erwarten. Denn die Navistar-Aktie legte im nachbörslichen US-Handel sogar um 50 Prozent auf 36 Dollar zu, also mehr als die Offerte der Wolfsburger. Das Navistar-Management könnte ebenfalls auf einen höheren Übernahmepreis setzen. Es gebe keine Sicherheit, dass Verhandlungen über den Vorschlag tatsächlich stattfinden würden, hieß es. Man wolle das Angebot aber sorgfältig prüfen.

Navistar-Management pokert

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Navistar riet seinen Aktionären, zunächst nichts zu unternehmen. Es gebe keine Sicherheit, das Verhandlungen über den Vorschlag stattfänden, hieß es weiter. Auch im Falle von entsprechenden Gesprächen gebe es keine Gewissheit über eine Einigung. Weitere Aussagen wollte Navistar erst tätigen, wenn dies angemessen sei oder eine formale Vereinbarung erreicht wurde.

VW hält bereits 16,8 Prozent an dem Lkw-Hersteller. Der Vorschlag stehe insbesondere unter dem Vorbehalt, dass sich Traton und Navistar auf den Abschluss eines Zusammenschlussvertrages einigten, eine zufriedenstellende Buchprüfung durchgeführt werde und die Gremien beider Unternehmen sowie der Verwaltungsrat und die Aktionärsversammlung von Navistar der Vereinbarung zustimmten, so VW am Abend.

Brummis statt Maschinenbau

In Wolfsburg setzt man, das zeigt das Angebot, weiter auf Expansion in Sachen Lkw. Die Nutzfahrzeugtochter Traton soll sich mit seinen Marken VW, MAN und Scania weiter als globaler Anbieter von Brummis etablieren. Navistar wäre die erste große Übernahme für Traton seit dem Börsengang im Juni vergangenen Jahres. Auf dem nordamerikanischen Nutzfahrzeug-Markt ist der Münchner Lkw- und Bus-Hersteller - anders als die Rivalen Daimler und Volvo bisher schwach vertreten.

Dagegen werden "Randaktivitäten" wie der Maschinenbau gleichzeitig verkauft. Gleichzeitig zum Angebot für Navistar hat VW den Verkauf seiner Tochter Renk an den Finanzinvestor Triton bekannt gegeben. Der Kaufpreis für den 76-Prozent-Anteil der Wolfsburger liege bei anfänglich 97,80 Euro je Aktie, teilte der Erwerber am späten Donnerstagabend in Frankfurt mit.

Insgesamt kann VW so über 500 Millionen Euro einstreichen. Triton machte gleichzeitig den restlichen Renk-Aktionären ein Übernahmeangebot. Deren Interesse, ihre Papiere abzugeben, dürfte allerdings ohne einen deutlichen Aufschlag auf den an VW gezahlten Betrag überschaubar bleiben: Den Frankfurter Handel beendeten die Papiere am Donnerstag bei 109,00 Euro.

AB