Sonde zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0

Neue Abgasregeln VW: Längere Durststrecke

Stand: 09.07.2018, 15:00 Uhr

Wegen der neuen Regeln für Abgastests ist die Fertigung bei einigen Autoherstellern ins Stocken geraten. Davon ist nun auch Volkswagen betroffen.

"Dieses Thema wird uns einige Monate beschäftigen, bis wir in den Werken wieder zu einer normalen Fahrweise kommen", kündigte Vorstandschef Herbert Diess in einem Brief an die Mitarbeiter an. Am VW-Stammsitz in Wolfsburg hält der weltgrößte Autokonzern deshalb seit heute tageweise die Bänder an. Grund: Er kommt mit der Zertifizierung verschiedener Varianten nicht hinterher. Zum Glück haben heute die Werksferien begonnen, so dass sich die Produktionsausfälle in Grenzen halten.

Herbert Diess, VW

Herbert Diess, VW. | Bildquelle: picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Im September greift der für Neuwagen verbindliche Abgastest-Standard WLTP. "Die Kolleginnen und Kollegen in der Technischen Entwicklung und der Produktion arbeiten mit Hochdruck daran, die Auswirkungen im Rahmen zu halten", hieß es in dem Schreiben von Diess weiter.

Zeit der Ungewissheit

Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh wandte sich an die Belegschaft: "Nach dem Sommer gehen wir in eine Zeit der Ungewissheit." Bei den geplanten Schließtagen in der Produktion habe man die Lasten der Mitarbeiter gegen den Widerstand der Firmenleitung fair verteilen können. "Aber absehbar ist leider auch, dass uns die WLTP-Probleme über das dritte Quartal hinaus begleiten werden", schrieb Osterloh.

Eine Ursache für die benötigte lange Zeitspanne sei auch, dass der Abgas-Skandal nach wie vor viele Kräfte binde. Der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" sagte Osterloh: "Durch die Dieselaffäre haben wir die Kapazitäten der Kolleginnen und Kollegen zunächst natürlich sehr stark auf die Bewältigung der Software-Updates ausgerichtet."

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Folgen auch für BMW

Auch etwa bei BMW hat die Einführung von WLTP Folgen. Der Rivale aus München hatte bereits im März angekündigt, die Fertigung mehrerer Benziner-Modelle für den europäischen Markt zu stoppen, um sie für die neuen Verbrauchsmessungen fit zu machen. Der 7er werde als Benziner in Europa sogar ein Jahr lang eingestellt. Ab September 2019 werden dann zudem realitätsnahe Straßen-Abgastests (RDE) Pflicht.

Sorgen bereitet der Branche auch die Drohung der USA, Strafzölle in Höhe von 20 Prozent auf Autoimporte zu erheben. "Allein die diskutierten amerikanischen Schutzzölle könnten für die deutschen Hersteller Milliardeneinbußen zur Folge haben", warnte Diess. Er hatte mit Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und Conti-Chef Elmar Degenhart beim US-Botschafter vorgefühlt, ob eine Streichung europäischer Zölle auf US-Autos Trump gewogener stimmt.

Die Verzögerungen bei VW kommen an der Börse nicht gut an. Entgegen den Trend rutschen die VW-Vorzüge ins Minus und sind am Nachmittag die schwächsten Werte im Dax. Analyst Jose Asumendi von JPMorgan hat die Einstufung für die Vorzugsaktien von Volkswagen dennoch auf "Overweight" belassen. Er senkte allerdings seine Prognosen für den Gewinn je Aktie in diesem und dem kommenden Jahr.

lg/dpa