Unternehmenszentrale der Prevent-Gruppe

200 Millionen teurer Abschied VW trennt sich von Prevent

Stand: 05.04.2018, 08:21 Uhr

Die alten Streithähne trennen sich. Angeblich hat VW dem Zulieferer Prevent fristlos gekündigt. Das kostet die Wolfsburger Millionen - und Prevent Arbeitsplätze.

Die Prevent-Gruppe hat Kündigungen und Kurzarbeit an den Standorten Schönheide, Plauen und Stendal angekündigt. Sie begründet das damit, dass Volkswagen am 21. März Lieferverträge mit Prevent-Töchtern fristlos gekündigt habe.

"Schon kurzfristig" wären rund 700 Beschäftigte betroffen. Sofern möglich, solle es Versetzungen geben. 90 Mitarbeiter hätten bereits die Kündigung erhalten. Laut der Magdeburger Tageszeitung "Volksstimme" wird der Betrieb der Tochter Prevent Foamtec eingestellt.

VW ließ seinerseits in einer Stellungnahme wissen: "Volkswagen ist auf eine jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten angewiesen." Daher würden bestehende Geschäftsbeziehungen regelmäßig überprüft, teilte Volkswagen mit. Ziel sei, "negative Auswirkungen möglicher Störungen von Lieferbeziehungen auf die eigene Produktion im Interesse unserer Kunden, Mitarbeiter, Händler und anderer Lieferanten so gering wie möglich zu halten. Im konkreten Fall haben wir deshalb entsprechende Schritte eingeleitet."

200 Millionen für die Umstellung

Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, der Ausstieg bei Prevent koste VW rund 200 Millionen Euro. Davon würden 159 Millionen Euro benötigt, um andere Zulieferer in die Lage zu versetzen, die Aufträge zu übernehmen, schrieb das Blatt und beruft sich dabei auf eine interne VW-Präsentation.

Hinzu kämen Schadenersatzforderungen in noch unbekannter Höhe. VW wollte den sich nicht dazu äußern. "Interne Unterlagen kommentieren wir nicht." Laut Prevent entbehre die Kündigung der Lieferverträge "jeder rechtlichen und ökonomischen Vernunft". Der Zulieferer warf Volkswagen "schwerwiegenden Rechtsbruch" vor. "Juristische Schutzmaßnehmen" würden in die Wege geleitet.

Der alte Kampf

Hinter dem Zulieferer Prevent steht die bosnische Investorenfamilie Hastor, die mit der gescheiterten Machtübernahme beim bayerischen Autozulieferer Grammer für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Firmenzentrale von "ASA Prevent" steht in Saralevo. 2016 hatte ein Lieferstopp die Bänder in mehreren VW-Werken, vor allem in Wolfsburg und Emden, zum Stillstand gezwungen, trotz einstweiliger Verfügungen des Landgerichts Braunschweig zur Wiederaufnahme der Belieferung.

Hintergrund war ein Streit wegen eines von VW gekündigten Auftrags. Auch in Brasilien gab es Ärger mit einer Prevent-Tochter - die Folge waren 160 Tage Produktionsstopp, 140 000 Fahrzeuge weniger wurden gebaut, rund 18 000 Beschäftigte waren im Zwangsurlaub. Es entstand Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.

Im Januar war bekanntgeworden, dass Prevent einen weiteren Autozulieferer übernommen hatte. Die saarländische Halberg Guss, die Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen für Autos und Lastwagen herstellt. Zu den Kunden gehören alle großen Autohersteller, darunter auch VW.

bs

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