Modell Golf 6 von Volkswagen VW.
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"Diesel-Thematik" VW muss betrogenem Golf-Käufer vollen Kaufpreis erstatten

Stand: 23.11.2018, 08:26 Uhr

Der Diesel-Betrugsskandal lässt Volkswagen nicht los. Der Konzern hat nun einen neuen Prozess spektakulär verloren.

Das Landgericht Augsburg hat VW dazu verurteilt, einen Golf TDI 1.6 aus dem Jahr 2012 zurückzunehmen. VW muss den vollen Kaufpreis des Autos zurückerstatten. Den Kaufpreis von 29.908 Euro soll der Kunde mit Zinsen vergütet bekommen. Für die bisherige Nutzung des Fahrzeugs soll der Käufer nichts bezahlen müssen. Erstmals wurde laut der Kanzlei KMP3G ein solch weitgehendes Urteil gefällt.

VW habe sich durch den Abgasbetrug eines "massenhaften sittenwidrigen Verhaltens" schuldig gemacht, hieß es in der Urteilsbegründung. Laut Rechtsanwälten ist dieses Urteil vor allem von großer Bedeutung für die zweite noch nicht verjährte Welle des VW-Abgasskandals, die die 3.0-Liter-Motoren des Konzerns betreffen (A4, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7).

Interessant an diesem Urteil ist außerdem das Alter des Fahrzeugs. Denn bei den meisten der bisherigen Urteile anderer Gerichte befanden sich die jeweiligen Fahrzeuge zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Skandals in der gesetzlichen Gewährleistungspflicht. Da das besagte Fahrzeug aus dem Jahr 2012 stammt, ist das in diesem Fall ausgeschlossen, da der Volkswagen-Konzern seine Verfehlungen erst im September 2015 eingestand. Das Urteil erfolgte somit ohne Bezugnahme auf das Gewährleistungsrecht.

Auf die Wolfsburger könnten nun im schlimmsten Fall erhebliche Kosten zukommen, sagte ein Händler. Schließlich gehe es um Millionen betroffene Autos.

Doch in Panik müssen Aktionäre der Volkswagen allerdings nicht kommen. Denn bisher haben sich die betroffenen Autobesitzer in Deutschland nicht sonderlich klagefreudig gezeigt. Noch immer liegt die Zahl der Verfahren im gerade einmal fünfstelligen Bereich - bei mehreren Millionen Betroffenen. Und Ende des Jahres läuft die Klagefrist aus.

Berufung zu erwarten

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Da es sich aber "nur" um eines Urteil Landgerichts handelt, ist außerdem davon auszugehen, dass Volkswagen in Berufung vor dem Oberlandesgericht gehen wird.

Auch die Volkswagen-Vorzugsaktie hat sich nach einer Schrecksekunde wieder gefangen. Nach einem Sturz auf nur noch 149,60 Euro kurz nach Handelsstart kletterten die Papiere später wieder auf über 152 Euro.

ME