Zerknüllte Euroscheine

Rekordsumme VW: 1,77 Milliarden Euro für Berater und Anwälte

Stand: 17.06.2019, 13:20 Uhr

Guter Rat ist wohl tatsächlich teuer: Die Aufarbeitung des VW-Dieselsskandals sorgt bei Anwalts- und Beraterfirmen für Hochkonjunktur. So wie es aussieht dürfte Volkswagen die Zwei-Milliarden-Grenze überschreiten.

Volkswagen hat für Berater und Anwälte, die der Konzern im Zusammenhang mit dem Dieselskandal beauftragt hat, bisher 1,77 Milliarden Euro ausgegeben. Das bestätigte ein VW-Sprecher am Sonntag. Zuvor hatte das "Handelsblatt" über die Summe berichtet.

Die Zahl beinhalte Zahlungen für alle Marken inklusive Audi und Porsche sowie alle Märkte, hatte es geheißen. Laut "Handelsblatt" solle es sich bereits jetzt um die höchste Summe handeln, die ein deutsches Unternehmen je für die Aufarbeitung einer Wirtschaftsstraftat bezahlt hat.    

Es wird davon ausgegangen, dass die Summe noch steigen wird, da die juristischen Verfahren im Zusammenhang mit dem Abgasskandal noch nicht abgeschlossen sind. Zu den großen Auftragnehmern zählt die US-Anwaltskanzlei Jones Day, die VW im September 2015 mit der Vertretung gegenüber den Strafverfolgungsbehörden in den USA beauftragt hatte.

Die Kosten drücken die Bilanz

Der Volkswagen-Konzern hatte im September 2015 nach Ermittlungen von US-Behörden eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. In Deutschland waren fast drei Millionen Autos betroffen. Die Software drückte den Schadstoffausstoß bei Emissionstests, damit dieser niedriger erschien. Insgesamt musste der Konzern deswegen weltweit schon mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen und für Vergleiche mit Kunden bezahlen - vor allem in den USA.

In Deutschland zahlte VW im vergangenen Jahr eine Milliarde Euro Bußgeld, die Tochter Audi 800 Millionen Euro. Anfang Mai teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit, dass die VW-Tochter Porsche 535 Millionen Euro Bußgeld akzeptierte.

Volkswagen hatte zu Jahresbeginn spürbar an Gewinn eingebüßt. Unter dem Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 3,05 Milliarden Euro, nach rund 3,3 Milliarden Euro vor einem Jahr. Dazu trugen auch die Kosten für Rechtsstreitigkeiten rund um die manipulierten Dieselmotoren bei. In der Rechnung seien Kosten für Rechtsanwälte, Vergleiche und ausstehende Verfahren enthalten, hatte VW-Finanzvorstand Frank Witter Anfang Mai gesagt.

ts