VW Tiguan
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Milliardengewinne im Schatten der Kartellvorwürfe VW gibt beim Ausblick nicht genug Gas

Stand: 27.07.2017, 10:18 Uhr

Die Geschäfte des Wolfsburger Autokonzerns laufen fast wieder so gut wie vor dem Abgasskandal. Der Gewinn kletterte im abgelaufenen Quartal auf über drei Milliarden Euro. Dennoch hält sich VW bei der Jahresprognose zurück.

Der Autobauer rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Umsatzanstieg von mehr als vier Prozent. Bisher war ein Plus von bis zu vier Prozent angepeilt worden. Die Ergebnisprognose blieb unverändert. Die operative Rendite soll weiterhin bei 6,0 bis 7,0 Prozent liegen.

Ergebnis-Prognose wird nicht angehoben

Anleger zeigten sich enttäuscht. Die meisten Experten hatten eine großzügigere Anhebung der Jahresprognose erwartet. Die VW-Aktien fallen deshalb am Morgen um 1,2 Prozent. Der optimistischere Umsatzausblick des Autobauers für 2017 reiche den Investoren nicht, erklärte ein Händler.

Im zweiten Quartal gab VW wieder kräftig Vollgas. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte auf mehr als das Doppelte auf 4,55 Milliarden Euro - vor allem dank Sanierungserfolgen bei der Hauptmarke VW. Unterm Strich verdienten die Wolfsburger 3,2 Milliarden Euro - fast drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Damals hatte die Bewältigung des Abgasskandals für Milliardenbelastungen gesorgt.

Abgasskandal überwunden?

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Inzwischen scheint VW die Folgen von "Dieselgate" operativ überwunden zu haben. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um fast fünf Prozent auf rund 59,7 Milliarden Euro zu. Allein im Juni lieferte VW 4,2 Prozent mehr Autos zu.

Größter Wachstumstreiber ist Porsche. Die Sportwagentochter steigerte im zweiten Quartal das operative Ergebnis um ein Fünftel auf 1,12 Milliarden Euro. Auch die kleinen Nutzfahrzeuge und die Finanzdienstleistungen verzeichneten kräftige Ergebniszuwächse. Bei der Premiumtochter Audi betrug das Plus fünf Prozent. Die Ingolstädter haben insbesondere auf dem Auto-Wachstumsmarkt China Probleme mit dem Absatz, weil sie sich mit den dortigen Händlern einen Streit geliefert hatten.

VW wehrt sich gegen Vorwürfe

Überschattet wird die Halbjahresbilanz von den Kartellvorwürfen gegen die Branche. Am Mittwoch hatte sich der Aufsichtsrat getroffen, um über das Thema zu diskutieren. Das VW-Management verteidigte die Zusammenarbeit von Autobauern. Es sei in vielen Fällen erforderlich und nicht zu beanstanden, wenn Unternehmen die Machbarkeit und Standardisierung neuer Technologien erörterten. "Es ist weltweit üblich, dass Autohersteller sich zu technischen Fragen austauschen, um so die Innovationsgeschwindigkeit und -qualität zu steigern." Davon profitierten auch die Kunden.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies hat Volkswagen angesichts von Diesel-Skandal und Kartellvorwürfen zu einer offeneren Informationspolitik aufgefordert. "Ich wünsche mir, dass der Volkswagen-Vorstand eine möglichst offene Kommunikation mit der Öffentlichkeit in dieser Angelegenheit führt", sagte Lies, der dem VW-Aufsichtsrat angehört, im Deutschlandfunk am Donnerstag. Zugleich warnte er vor vorschnellen Urteilen.

nb