Herbert Diess, VW
Audio

Trotz Dieselskandal VW geht's besser als befürchtet

Stand: 30.10.2018, 16:45 Uhr

Die Automobilindustrie steckt mitten im Umbruch und wird zunehmend angefeindet. Dennoch hat der VW-Konzern in den ersten neun Monaten seinen Gewinn kräftig gesteigert. In der Quartal hapert's allerdings, besonders bei der Marke VW.

So ist die operative Rendite der Hauptmarke Volkswagen im dritten Quartal auf bescheidene 1,0 Prozent gefallen, nach 3,8 Prozent im gleichen Vorjahreszeitraum. Entsprechend ist das operative Ergebnis auf 200 Millionen Euro eingebrochen, nach 728 Millionen im dritten Quartal des Vorjahres.

Deutlich besser stehen die Töchter Audi und Porsche da. So beträgt die operative Rendite bei den Ingolstädtern sieben Prozent. Porsche schafft es auf satte 17 Prozent. In China musste der Konzern einen leichten Rückgang hinnehmen. Das operative Ergebnis ging auf 1,01 Milliarden Euro zurück, von 1,17 Milliarden.

Ergebnis im dritten Quartal belastet

Die Umstellung auf die strengeren Abgasregeln hat die Bilanz des Konzerns deutlich belastet. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel in den Sommermonaten um 18,6 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Analysten hatten allerdings mit noch schlechteren Zahlen gerechnet. Der Umsatz erhöhte sich leicht auf 55,2 Milliarden Euro und lag damit ebenfalls über den Erwartungen der Experten.

Jahresprognose bestätigt

VW Touareg

VW Touareg. | Bildquelle: Unternehmen

Gleichwohl bekräftigte der Konzern den Ausblick für das laufende Jahr. Demnach peilt der weltgrößte Autobauer eine bereinigte operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent an. Dabei erwartet der Konzern eine Belastung durch die neuen Abgasregeln von gut einer Milliarde Euro in diesem Jahr. Der Umsatz soll um bis zu fünf Prozent steigen, die Auslieferungen den Vorjahreswert von 10,7 Millionen Fahrzeugen moderat übertreffen. Die Rivalen Daimler und BMW hatten ihre Gewinnziele wegen verschiedener Widrigkeiten dagegen zurückgeschraubt.

In den ersten neun Monaten lag das Ergebnis - vor Sondereinflüssen - mit 13,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau (13,2 Milliarden Euro). Besondere Effekte eingerechnet gab es ein kleines Plus von 10,6 Milliarden auf rund 10,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich konnte konnte VW seinen Gewinn in den ersten neun Monaten sogar um 24 Prozent auf knapp 9,4 Milliarden Euro steigern - trotz der 800-Millionen-Euro-Geldbuße der Tochter Audi wegen der Manipulation von Dieselabgastests. Den Umsatz konnten die Wolfsburger insgesamt um 0,9 Prozent auf 55,2 Milliarden Euro steigern.

Vor weiteren Herausforderungen

An den Märkten kommen die Zahlen gut. Im morgendlichen Handel legen die VW-Vorzüge um 4,3 Prozent zu, nachdem sie bereits im Xetra-Handel gestern um gut vier Prozent gestiegen waren.

"Vor uns liegen weiterhin große Herausforderungen, die wir und auch die gesamte Automobilbranche bewältigen müssen. Wir befinden uns in einer wegweisenden Transformation und müssen weiter aufs Tempo drücken", sagte Vorstandschef Herbert Diess.

Es sei ein herausforderndes Quartal gewesen, schrieb JPMorgan-Analyst Jose Asumendi in einer ersten Einschätzung. Beim operativen Ergebnis und beim freien Geldzufluss habe VW besser abgeschnitten als gedacht. Nun sei die Hauptfrage, wie VW im vierten Quartal die Nachwehen der WLTP-Umstellung bewältige. Am Nachmittag liegt der Dax-Titel fast vier Prozent über dem Vortagesschluss. Schon am Montag hatte die Aktie zugelegt, weil die chinesische Regierung laut Kreisen über eine Steuererleichterung beim Autokauf nachdenkt.

lg