Bremslichter von Auto die im Stau stehen

Nach der Milliarden-Buße für VW Geht es jetzt aufwärts mit der VW-Aktie?

Stand: 14.06.2018, 15:18 Uhr

VW muss die höchsten Geldbuße zahlen, die jemals in Deutschland verhängt wurde. Ist das Schlimmste jetzt überstanden? Ist die VW-Aktie damit also von dem schlimmsten Ballast befreit? Oder drohen andere Risiken?

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Eine Milliarde Bußgeld kann Volkswagen leicht verkraften. Auch wenn Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe das dramatischer beschreibt: "Tausend Millionen Euro für eine Ordnungswidrigkeit ist schon eine Ansage und ich gehe davon aus, dass das natürlich schmerzhaft ist." An der Börse gleicht die Reaktion dagegen eher einem Achselzucken. Die VW-Aktie steigt heute sogar. Schließlich kann VW solch eine Summe mit Leichtigkeit bezahlen. So viel Gewinn macht der Autokonzern in nur einem Monat. Oberstaatsanwalt Ziehe rechtfertigt die vergleichsweise milde Buße: "Wir können ja den Konzern nicht verarmen lassen und diese Ansprüche dann ins Leere laufen lassen."

Nach Ansicht des Automobil-Experten und NordLB-Analysten Frank Schwope dürfte das Bußgeld für Volkswagen verschmerzbar sein. "Wenn man bedenkt, dass VW in der Vergangenheit schon 25 Milliarden für den Skandal bezahlt hat, ist das kein allzu hoher Betrag", sagte Schwope NDR 1 Niedersachsen.

Das Bußgeld wurde Mittwoch verhängt, weil die Ankläger "Aufsichtspflichtverletzungen" im Konzern belegt sehen. Der Betrag setze sich aus dem gesetzlichen Höchstbetrag von fünf Millionen Euro sowie einer Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile in Höhe von 995 Millionen Euro zusammen.

Klagen der Autobesitzer und Aktionäre

Nun kann man sich fragen, ob VW mit der Zahlung des Bußgeldes das Schlimmste überstanden hat. Da warnt aber Autoanalyst Schwope: "Man darf nicht vergessen, dass es noch zahlreiche Klagen von Autobesitzern und Aktionären gibt", sagt der Analyst der NordLB. "Rein theoretisch kann da noch ein zweistelliger Milliarden-Betrag zusammenkommen."

Das hat auch auf die Höhe des Bußgeldes Einfluss gehabt. Es sei berücksichtigt worden, dass VW auch weiterhin in der Lage sein müsse, zivilrechtliche Schadenersatzforderungen von geschädigten Autofahrern und Investoren begleichen zu können, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Von dem Bußgeld unberührt bleiben laut Staatsanwaltschaft die bei den Gerichten anhängigen zivilrechtlichen Verfahren, etwa die Klagen der Autokäufer, als auch die in Braunschweig weitergeführten strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen derzeit insgesamt 49 Personen. Möglicherweise drohen aber keine weiteren Strafen in anderen europäischen Staaten. Das Schengener Abkommen verbietet mehrfache Verurteilungen für ein Vergehen in der EU. Das könnte ein Grund sein, warum VW das Bußgeld akzeptiert hat, wird gemunkelt.

Sammelklagen voraus

Geschädigte Verbraucher sind zudem künftig deutlich besser gestellt, vor Gericht ihre Rechte gegenüber Unternehmen durchzusetzen, von denen sie geschädigt wurden. Denn der Bundestag verabschiedete die Einführung der so genannten „Einer-für-alle“-Klage ab November: die Musterfeststellungsklage.

Der Rechtsdienstleister MyRight, der stellvertretend für 15.000 VW-Dieselbesitzer gegen VW auf Schadensersatz klagt, bezeichnete die Entscheidung der Staatsanwaltschaft als letztes Hindernis zum Erfolg der Sammelklage.

Wie geht es weiter mit der VW-Aktie?

Dazu kommen noch viele weitere Risiken und Unwägbarkeiten, seien es nun die Diesel-Fahrverbote in Städten, oder die nötigen Investitionen ins E-Auto. Entsprechend uneins sind Analysten auch, ob die Aktie nun aus dem Gröbsten raus ist. Ihre Kursziele klaffen weit auseinander: sie reichen von 140 Euro bis 270 Euro. Aktuell wird die Vorzugsaktie an der Börse mit rund 160 Euro gehandelt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Vom Bankhaus Metzler stammt das höchste Kursziel von 270 Euro, mit dem Autoanalyst Jürgen Pieper gestern für Aufsehen sorgte. Pieper erwartet demnach ein Kurspotenzial von rund 70 Prozent. Als Kurstreiber macht er vor allem die Nutzfahrzeugsparte aus. Truck & Bus sei ein Unternehmen, das binnen weniger Jahre zu den Champions im globalen Nutzfahrzeugmarkt gehören könne. Zwei der Ursprungsunternehmen - MAN und Scania - gehörten schon seit Jahrzehnten zu den profitabelsten Herstellern schwerer Lkw. Im Verbund mit den lateinamerikanischen Aktivitäten VW Caminhoes e Onibus sowie der Beteiligungsgesellschaft Navistar dürften sie mittelfristig stärker wachsen und ihre Profitabilität steigern.

Auch ein möglicher Börsengang der Sparte mit schweren Nutzfahrzeugen steht auf dem Zettel - und der brächte ordentlich was in die Kasse. Im April hatte der "Spiegel" berichtet, dass VW dabei bis zu sieben Milliarden Euro erlösen wolle.

Am pessimistischsten ist die DZ Bank für die VW-Aktie mit ihrem Kursziel von 140 Euro. Analyst Michael Punzet verweist auf ein schwächer als erwartetes erstes Quartal. Nicht viel besser die US-Investmentbank Morgan Stanley. Sie gesteht der VW-Aktie gerade mal den aktuellen Kurs von 160 Euro zu. Negative Währungseffekte, steigende Rohstoffpreise, ein langsameres Absatzwachstum sowie höhere Entwicklungskosten dürften die Gewinnentwicklung der europäischen Autohersteller im laufenden Jahr beeinträchtigen, schrieb Analyst Harald Hendrikse dazu Anfang Juni in einer Branchenstudie.

bs