Ein up! und ein roter Beetle schweben im Auslieferungsturm der VW-Autostadt in Wolfsburg.

Schwacher Jahresstart für deutsche Autobauer in den USA VW fährt Golf-Produktion zurück

Stand: 04.02.2019, 14:00 Uhr

Wegen schwacher Nachfrage will Volkswagen eine Produktionsschicht des Golfs streichen. Vor allem die Absatzzahlen deutscher Autohersteller in den USA verheißen nichts Gutes für die Branche.

Volkswagen ist weiterhin der größte Autohersteller der Welt. Allerdings mehren sich aktuell die schlechten Nachrichten für den Wolfsburger Konzern. Der eisige Winter und der Shutdown haben zum Jahresauftakt besonders Spuren am US-Automarkt hinterlassen. Das kalte Wetter dürfte Kunden vom Besuch im Autohaus abgehalten haben, zudem sorgte die vorübergehende Haushaltssperre für Verzögerungen bei den Zulassungen.

Eigentlich war VW auf einem guten Wege, nach dem Abgas-Skandal wieder Boden in den Vereinigten Staaten gutzumachen. Im vergangenen Jahr hatten die Wolfsburger dank gefragter SUVs ein Verkaufsplus von 4,2 Prozent geschafft.

Die widrigen Umstände brockten Volkswagen nun aber einen Fehlstart ins neue Jahr ein: Die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge in den USA sei im Januar um 6,7 Prozent auf 23.074 Stück gesunken, teilte das Unternehmen mit. Während die Zahl der verkauften Jetta um 52 Prozent nach oben sprang, halbierte sich der Absatz der Golf-Familie.

Schulungen für neue Modelle statt Golfproduktion

VW E-Golf. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Im Wolfsburger Stammwerk will VW unter anderem deshalb eine von drei Produktionsschichten des Golfs bis auf Weiteres streichen. Dazu zählen laut der "Wolfsburger Nachrichten" die Modelle der siebten Generation sowie des verwandten Golf Sportsvan. Betroffen sind demnach rund 240 Mitarbeiter, die stattdessen andere Montagearbeiten verrichten sollen. Volkswagen bestätigte den Stopp der zweiten Schicht an der Montagelinie 2.

Mit einer Zahl von 540 Autos am Tag sei "sicherlich nicht die maximale Kapazitätsgrenze" erreicht, sagte ein VW-Sprecher. Die Arbeiter könnten auch in zwei Schichten die gleiche Anzahl produzieren. Die freigewordenen Stunden sollten dazu genutzt werden, um die Mitarbeiter auf die Produktion der neuen Modelle ab Herbst zu schulen.

Offen war zunächst, wie lange die Schicht gestrichen bleiben soll. Derzeit arbeite das Unternehmen gemeinsam mit dem Betriebsrat an einem Plan, um die Golfproduktion ohne finanzielle Einbußen und betriebliche Nachteile fortführen zu können, hieß es.

Daumen runter für die gesamte Branche

Allerdings hatte zuletzt nicht nur VW Probleme, bei der US-Kundschaft zu punkten. "Für jede Automarke mit der Ausnahme von Porsche war es ein schwacher Start ins Jahr 2019", sagte ein Händler. Die Papiere von BMW, Daimler und VW verloren dementsprechend am Montag zwischen 1,4 und 1,9 Prozent.

Bei BMW ging der Absatz im Berichtsmonat gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent auf 18.102, bei Daimler-Tochter Mercedes um 11,1 Prozent auf 22.507 Fahrzeuge zurück. Beide Unternehmen zeigten sich für 2019 angesichts neuer Modelle aber zuversichtlich. Die VW-Tochter Audi brachte mit 14.253 Fahrzeugen 1,8 Prozent Pkw weniger an die Kunden.

Porsche startete dagegen in den USA mit einem Rekordabsatz ins neue Jahr. Der Sportwagenbauer lieferte im Januar 5.419 Autos an die Kunden aus. Das seien 12,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders die Cayenne-Modelle sind in den USA sehr beliebt. Die Anleger lässt das kalt. Der Titel rutscht zur Stunde um rund 1,6 Prozent ab.

Markt in den USA schrumpft um ein Prozent

Experten rechnen für Januar mit einem Rückgang des Autoabsatzes in den USA von insgesamt rund einem Prozent aufgrund des vorübergehenden Stillstands von Teilen der Regierung. Dieser hat viele Konsumenten getroffen.

Auch ausländische Autobauer hatten in den USA deshalb zuletzt kaum Erfolg. Toyota etwa wurde im Januar nur gut 156.000 Neuwagen los, das entspricht einem Minus von 6,6 Prozent im Jahresvergleich. Die japanischen Rivalen Nissan und Mazda mussten sogar Rückgänge um 19 Prozent beziehungsweise 20 Prozent verkraften.

Zu den Gewinnern zählte dagegen Fiat Chrysler, hier legte der Absatz um 2,5 Prozent und schon das elfte Quartal in Folge zu. Honda konnte immerhin einen kleinen Anstieg um 1,5 Prozent verbuchen.

Die US-Konkurrenten Ford und General Motors veröffentlichen keine Monatsstatistik mehr. Sie legen ihre Zahlen nur noch pro Quartal vor. Die beiden Pkw-Hersteller kamen 2018 in den USA auf einen Marktanteil von zusammen 32 Prozent, deshalb ist das Minus auf dem US-Absatzmarkt mit Vorsicht zu genießen.

tb