Dunkle Wolken über VW-Schild

Corona-Delle in der Halbjahresbilanz Milliardenverlust bei VW

Stand: 30.07.2020, 09:06 Uhr

Der wochenlange Produktionsstillstand kommt VW teuer zu stehen: Der Wolfsburger Autobauer ist im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Deshalb soll nun die Dividende deutlich gekürzt werden.

Die VW-Aktionäre sollen 1,70 Euro weniger bekommen. Statt 6,50 Euro sollen nur noch 4,80 Euro je Stammaktie ausgeschüttet werden. Für die Vorzugsaktionäre winken nur noch 4,86 Euro je Anteilsschein statt wie ursprünglich geplant 6,56 Euro. Über die Anpassung soll die Hauptversammlung am 30. September entscheiden.

In den ersten sechs Monaten des Jahres fuhr VW einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro ein. Auch operativ vor Sondereinflüssen gab es ein Minus von 0,8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Gewinn von fast zehn Milliarden Euro erzielt.

Absatz um knapp ein Drittel abgesackt

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Von Januar bis Juni lieferte Europas größter Autobauer 3,9 Millionen Fahrzeuge aus - gut 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Alleine im zweiten Quartal sackte der Absatz um knapp ein Drittel ab – und das obwohl es im wichtigsten Markt China schon wieder ein leichtes Plus gab. Besonders dramatisch war die Lage in Westeuropa: Dort brachen die Verkäufe um über die Hälfte ein.

Der Umsatz schrumpfte folgerichtig um fast ein Viertel auf 96,1 Milliarden Euro. Seit Mai verringere sich der prozentuale Rückstand bei den Auslieferungen kontinuierlich, betonten aber die Wolfsburger.

Kein Verlust im Gesamtjahr

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ARD-Börse: VW auf abschüssiger Fahrt - Börsenreaktionen

Für das Gesamtjahr bekräftigte VW die Prognose, wonach Auslieferungen und Umsatz deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Beim operativen Ergebnis geht das Management weiter von einem "gravierenden Rückgang" aus, rechnet aber nicht mit einem Verlust. "Das erste Halbjahr 2020 war durch die Covid-19-Pandemie eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte", sagte Finanzchef Frank Witter. Angesichts des positiven Trends in den letzten Wochen und der Einführung zahlreicher neuer Modelle blicke der Konzern nun vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr.

Von Mitte März bis April standen die Bänder von VW mehrere Wochen still. Auf dem Höhepunkt der Krise sprach VW-Chef Herbert Diess von zwei Milliarden Euro Mittelabfluss pro Woche. Mitte Juli bezifferte er die Einbußen beim Liquiditätspolster auf zehn Milliarden Euro. Nun gibt es aber Entwarnung: Die Nettoliquidität im Automobilbereich stieg gegenüber dem Auftaktquartal um fast eine Milliarde auf 18,7 Milliarden Euro, teilte VW mit.

Vom Machtkampf zur "Abhöraffäre"

Zur am Wochenende enthüllten "Abhöraffäre" im Streit mit dem Zulieferer Prevent äußerte sich VW nicht. Gestern hatte der Konzern in der Affäre um mitgeschnittene VW-interne Gesprächsrunden Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Auch auf den jüngsten Machtkampf ging der Konzern nicht ein. Zwischen VW-Chef Diess und dem Betriebsratschef Bernd Osterloh soll es Zoff wegen Produktionsproblemen beim neuen Golf 8 und dem Elektromodell ID3 gegeben haben. Diess musste sich nach einem Eklat im Aufsichtsrat entschuldigen, dessen innerstem Zirkel er Straftaten unterstellt hatte.

Künftig hat Ralf Brandstätter, bisher nur fürs Tagesgeschäft zuständig, bei der Marke VW das alleinige Sagen. Es folgte eine große Personalrochade im VW-Imperium: Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler, Digitalchef Christian Senger und Skoda-Chef Bernhard Maier mussten gehen.

Außer Tesla wohl alle Autobauer in den roten Zahlen

Die Autobranche hat in der Corona-Krise schwer zu kämpfen. Vergangene Woche erst hatte Daimler einen Milliardenverlust bekannt gegeben. Auch bei der übrigen Konkurrenz sieht es nicht besser aus: Renault meldete am Donnerstag einen Rekordverlust von 7,3 Milliarden Euro für das erste Halbjahr. Die Opel-Mutter Peugeot konnte sich im ersten Halbjahr zwar in der Gewinnzone halten. Für den Zeitraum April bis Juni gehen Analysten aber auch bei den Franzosen von tiefroten Zahlen aus. "Es kann eigentlich kein Hersteller außer Tesla in den schwarzen Zahlen sein", sagte Frank Schwope von der NordLB.

Die VW-Aktie fällt am Donnerstagmorgen um 1,7 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Dax-Titel fast 22 Prozent eingebüßt.

nb