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22 Millionen E-Autos in zehn Jahren VW dreht voll auf Elektro

Stand: 12.03.2019, 14:20 Uhr

Über ein mangelndes Angebot an E-Autos von VW soll sich spätestens 2020 niemand mehr beschweren können. Allein in den nächsten zwei Jahren kommen zahlreiche neue Modelle auf den Markt. In zehn Jahren wollen die Wolfsburger Millionen Elektroautos bauen.

Geplant ist, binnen zehn Jahren 22 Millionen batteriegetriebene Fahrzeuge auf der neuen Elektroplattform MEB zu bauen, sieben Millionen mehr als zuvor in Aussicht gestellt worden war. Die Zahl der für diesen Zeitraum geplanten neuen E-Modelle steige auf fast 70 von bisher angekündigten 50 Modellen.

"Um die notwendigen Investitionen für die E-Offensive tätigen zu können, müssen wir unsere Effizienz und unsere Performance in allen Bereichen weiter steigern", sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. Volkswagen will allein in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in neue Technik wie E-Antriebe, autonomes Fahren und Digitalisierung stecken.

An die Spitze setzen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
157,56
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Im nächsten Jahrzehnt greifen in der EU härtere Vorschriften für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid - Autobauer müssen daher die Elektromobilität ausbauen, um mögliche Strafzahlungen zu vermeiden. Die EU hat festgelegt, dass Personenwagen im Flottendurchschnitt 2021 nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Zwischen 2021 und 2030 soll der Kohlendioxid-Ausstoß im Flottendurchschnitt der Hersteller um 37,5 Prozent sinken.

Die Wolfsburger wollen sich nach der selbst verursachten Dieselkrise an die Spitze der Anbieter elektrischer Fahrzeuge setzen und bis zum Jahr 2050 CO2-neutral werden. Das reicht den Angaben zufolge von der Fahrzeugflotte bis hinzu zur Verwaltung.

Neues Modell zum Kampfpreis

VW I.D.

VW I.D.. | Bildquelle: Unternehmen

VW will sein Mittelklassemodell ID ab 2020 für unter 30.000 Euro anbieten - was heute ein gut ausgestatteter VW Golf Diesel kostet. Experten halten das für einen sportlichen Preis, der die elektromobile Autowelt gehörig durcheinanderwirbeln und andere Hersteller bei der Preisgestaltung unter Druck setzen könnte. Zum Vergleich: der Tesla-Mittelklassewagen Model 3, der seit Februar auch in Deutschland lieferbar ist, kostet knapp 60.000 Euro.

2020 wollen weitere Hersteller in dieser Klasse punkten. BMW hat einen rein elektrischen Mini angekündigt, Mercedes arbeitet am EQA, Citroën will den C4 elektrifizieren.

Höhere Marge erwartet

Der radikale Schwenk in die E-Mobilität geht einher mit einem schärferen Spardruck. Da beim Bau von E-Autos weniger Arbeit anfällt, will VW weiter Personal abbauen. Zusätzlich zu den bereits mit dem Betriebsrat vereinbarten 14.000 Stellen bis 2020 sollen in Emden und Hannover beim Umbau zu Elektrostandorten 7.000 Jobs wegfallen. Weitere 5.000 bis 7.000 Arbeitsplätze könnten Insidern zufolge in der Verwaltung gestrichen werden.

Für das laufende Jahr geht Volkswagen davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen Konzerns im Jahr 2019 unter "weiterhin herausfordernden Marktbedingungen" den Vorjahreswert leicht übertreffen werden. Herausforderungen ergeben sich insbesondere durch die Abkühlung der Konjunktur, den steigenden Wettbewerb, volatile Wechselkurse sowie aus verschärften WLTP-Anforderungen.

Börse reagiert verhalten

Der Konzern erwartet, dass die Umsatzerlöse um bis zu fünf Prozent über dem Vorjahreswert liegen werden. Für das operative Ergebnis des Konzerns und des Bereichs Pkw wird im Jahr 2019 mit einer operativen Umsatzrendite zwischen 6,5 und 7,5 Prozent gerechnet.

An der Börse wurden die Ankündigungen von VW verhalten aufgenommen. Die Aktie ist im Tagesverlauf sogar leicht ins Minus gedreht. Dennoch hat die UBS die Einstufung für die Vorzugsaktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 210 Euro belassen.

lg