Passat GTE an einer Ladestation in Manchester

Neue Regelung in Vorbereitung VW-Dienstwagen künftig nur noch elektrisch?

Stand: 02.09.2018, 14:55 Uhr

Die geplante Elektro-Offensive des Wolfsburger Autobauers hat auch intern Konsequenzen: Manager, die Anspruch auf einen Dienstwagen haben, sollen in Zukunft auf Batterie-Autos umsteigen. Derweil droht sich der VW-Abgasskandal auszuweiten.

Laut einem Zeitungsbericht sollen VW, Audi und Porsche auch bei einigen Benzinern Abgastests manipuliert haben. Dies fand die "Bild am  Sonntag" heraus, die seit Monaten eine Anti-VW-Kampagne fährt. Die Zeitung verweist auf Zeugenberichte aus Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft München. Demnach hätten Experten aus dem VW-Konzern bei einem Krisentreffen im November 2015 berichtet, dass Automatikgetriebe der Marken Schaltprogramme enthielten, die nur auf dem Prüfstand aktiv seien und Emissionswerte beeinflussen könnten. Zeugen hätten den Ermittlern gegenüber erklärt, dass die Getriebefunktionen in erster Linie zur Manipulation des CO2-Ausstoßes und damit des Spritverbrauchs genutzt worden seien, schreibt die "Bild am Sonntag".

Abgas-Manipulationen angeblich auch bei Benzinern

Aus einer internen Präsentation, die der Zeitung vorliege, gehe hervor, wie gewünschte Schaltprogramme auf dem Prüfstand aktiviert würden, um Emissionen zu verringern. Eine Anleitung betreffe zum Beispiel den T5 Bulli. Demnach solle der (Test-)Fahrer zum "Aktivieren des Rollenmodus" die Zündung einschalten, den Warnblinker betätigen und fünf Mal das Gaspedal 100 Prozent drücken.

Das Bundesverkehrsministerium reagierte gelassen auf den Medienbericht. Es handle sich um bereits bekannte Vorwürfe, teilte die Behörde mit. Diesen sei das Kraftfahrtbundesamt nachgegangen. Anhaltspunkte für einen Betrug bei VW-Benzinern hätten sich bisher freilich nicht ergeben.

Ministerium sieht keine Anhaltspunkte für Betrug

Ein VW-Sprecher wollte sich zu den Fragen, die im Kontext staatsanwaltlicher Ermittlungen stehen, wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern. Er verwies aber darauf, dass der Wolfsburger Autohersteller in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) über Getriebethemen gesprochen habe. "Es gibt in diesem Zusammenhang keine neuen Sachverhalte."

Im November 2015 hatte VW bereits zugegeben, bei der Typ-Zulassung zahlreicher Modelle zu niedrige CO2-Werte angegeben und damit falsche Versprechen über den Sprit-Verbrauch gemacht zu haben. Davon waren nach ersten Angaben des Konzerns rund 800.000 Fahrzeuge betroffen, darunter auch mehrere Benziner. Später reduzierte VW die Zahl der betroffenen Fahrzeuge auf etwa 36.000. Bis dahin war der Abgasskandal auf die Manipulation von Stickoxidwerten bei Dieselautos beschränkt.

Nun setzt der Wolfsburger Autobauer zunehmend auf Hybrid- und Elektro-Fahrzeuge. Anfang 2020 kommt das erste Fahrzeug der vollelektrischen ID-Modellfamilie auf den Markt. Dann "nimmt die Elektro-Offensive von Volkswagen richtig Fahrt auf", sagte Personalvorstand Gunnar Kilian.

VW-Manager sollen auf Stromer umsteigen

Die VW-Manager sollen dabei eine Vorbildfunktion einnehmen. Es dürfte nicht sein, Kunden den Kauf sparsamer, sauberer Autos ans Herz zu legen und selbst schwere, PS-starke Geländewagen zu fahren, monierte VW-Chef Herbert Diess auf einem Treffen mit Managern des Konzerns, schreibt die "Welt am Sonntag". Deshalb sollen sie künftig auf Batterie-Autos umsteigen.

Detaillierte Pläne für eine neue Dienstwagen-Regelung würden zurzeit ausgearbeitet und sollen in den nächsten Wochen und Monaten in den Gremien beraten werden. Zu den diskutierten Ideen zähle ein Bonus-Malus-System: Wer einen Stromer fährt, könnte demnach eine Prämie bekommen. Wer am starken Verbrenner festhält, solle bezahlen.

Anteil elektrifizierter Modelle bei Dienstwagen soll deutlich steigen

Ziel sei, die neuen Dienstwagenregelungen an der zweiten Jahreshälfte 2019 umzusetzen. Der Anteil von E- und Hybridautos in der konzerneigenen Dienstwagenflotte solle in den nächsten Jahren "signifikant ansteigen" und 2019 mehr als zehn Prozent betragen, teilte VW am Wochenende mit. Bisher liegt er nur im Promillebereich. Insgesamt geht es um rund 20.000 Dienstwagen der Marke in Deutschland.

Nicht nur der Abgasskandal, sondern auch die höheren EU-Grenzwerte für den Ausstoß für den Kohlendioxid (CO2) setzen deutsche Autobauer wie VW unter Druck. Ab 2020 dürfen die Modelle der Hersteller in der EU im Mittel nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die Marke VW kam im ersten Halbjahr laut "Welt am Sonntag" auf 118 Gramm CO2.

nb