Herbert Diess, Volkswagen
Audio

Jobverluste drohen durch neue CO2-Vorgaben VW-Chef Diess: "Wir schaffen das"

Stand: 20.12.2018, 08:58 Uhr

Die neuen Brüsseler Klimaziele der EU sind zwar aller Ehren wert. Für die Autoindustrie und ihre Arbeitsplätze werden die ehrgeizigen Vorgaben aber erhebliche Konsequenzen haben. Ist der Plan zu kurz gedacht?

VW-Chef Diess beantwortet diese Frage mit einem klaren "ja, aber...". "Natürlich werden wir das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen nochmals um 37,5 Prozent zu reduzieren, erreichen können. Mit unserer E-Plattform und der starken Präsenz in China schaffen wir das", sagte Diess der "Bild"-Zeitung (Donnerstag).

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
156,32
Differenz relativ
-2,18%

Und das "aber"? Diess spricht zunächst von einem großen strukturellen Wandel, für Topmanager wie ihn meist die Umschreibung für erhebliche Arbeitsplatzverluste.

Um dann aber doch noch aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen: "Ist sich die Politik wirklich über die Auswirkungen ihrer Entscheidungen im Klaren? Hat man dieses Vorgehen genügend überlegt und abgewogen?"

Bis zu 40 Prozent E-Autos

Nun ist es ja nicht so, dass Europas dieselgeplagter größter Autobauer die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätte. Gerade Diess ist angetreten mit der Vision, VW gründlich umzubauen. 44 Milliarden Euro will der Konzern in den kommenden fünf Jahren in die Entwicklung und Einführung neuer Technologien wie E-Autos und Autonomes Fahren investieren. Um dies zu stemmen, wurde erst jüngst ein Kostensenkungsprogramm auf den Weg gebracht und ehrgeizige Renditeziele verabschiedet.

Die jüngsten Brüsseler Beschlüsse sorgen nun für noch mehr Druck im Kessel. VW müsste bis 2030 eine Anteil von E-Autos am Gesamtabsatz von 40 Prozent erreichen. Das, so Diess, könnte dann aber teuer werden. Denn nicht nur CO2-Strafzahlungen für Autos mit Verbrennungsmotor dürften anfallen, auch die Batterien sind bekanntlich teuer.

Für Diess ist klar, dass Autofahren dann insgesamt sehr viel teurer und für viele Kunden wohl unerschwinglich würde. "Und es würde Arbeitsplätze kosten, in einer Größenordnung, die wir in diesem Zeitraum nicht mehr über Vorruhestandsregelungen abbauen könnten." Womit der Kreis dann wieder geschlossen wäre.

Weil schlägt in die gleiche Kerbe

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist alarmiert. Der SPD-Politiker befürchtet nämlich ebenfalls Arbeitsplatzverluste. Der Konzern habe zwar in seinen letzten Investitionsentscheidungen wesentliche Weichen für die E-Mobilität gesetzt;

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil spricht auf der VW-Betriebsversammlung

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. | Bildquelle: Imago

"Aber vor dem neuen Hintergrund sind weitere Umstrukturierungen zu erwarten", sagte Weil am Mittwoch der "Deutschen Presse-Agentur". Er hoffe, dass sie sozialverträglich stattfinden könnten - auch wenn das eine große Herausforderung darstelle.

Weil lässt zudem keinen Zweifel daran, was er von der Brüsseler Entscheidung hält: "Ich sehe diese Entscheidung sehr kritisch; Brüssel und Berlin machen zum wiederholten Male den Fehler, Ziele festzulegen ohne einen Plan zu haben." Es sei eine sehr hohe Wette mit sehr hohem Einsatz, gerade für die deutsche Industriepolitik. Es gebe zudem keine Folgeabschätzung für die Arbeitsplätze.

Damit rennt Weil bei der IG Metall offene Türen ein. Die mächtige Gewerkschaft befürchtet, dass etwa 200.000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Das Thema sei ausgeklammert worden. Die Zahl jener Arbeitsplätze, die verloren gingen, werde um ein Vielfaches höher sein als die Zahl der Zukunftsarbeitsplätze, so die Arbeitnehmervertreter. Für Zündstoff dürfte also reichlich gesorgt sein.

VW-Aktie ohne klare Richtung

Auch an der Börse verhalten sich die Investoren vorsichtig. VW-Vorzüge, die wie der Gesamtmarkt zum Jahresanfang ihre beste Zeit hatten, bewegen sich schon seit dem Sommer auf niedrigerem Niveau. Unter Schwankungen pendelt die im Dax enthaltene Vorzugsaktie zwischen 140 und 150 Euro. Die Höchststände lagen im Januar bei 188 und im April und Mai zwischen 170 und 180 Euro.

1/16

Baustellen ohne Ende Probleme der Autobauer

Chinesisches E-Auto auf der China-ASEAN Expo in Nanning

Deutsche E-Autos ohne Strom
Die größte Herausforderung: das E-Auto. Schon öfter haben die deutschen Autokonzerne die E-Auto-Revolution ausgerufen. Aber sie sind alles andere als auf der Überholspur. Kein gutes Zeugnis für die deutsche Ingenieurskunst.

rm