Herbert Diess, VW

Corona und die Folgen VW-Chef Diess hofft auf blaues Auge

Stand: 31.03.2020, 09:26 Uhr

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess sieht Chancen für ein glimpfliches Abschneiden in der Corona-Krise. Gute Nachrichten für VW gibt es aus China.

Ob der Konzern seine Gewinnziele für dieses Jahr erreiche, sei erst dann wirklich abzuschätzen, wenn die Dauer des "Shutdowns" in der aktuellen Pandemie abzusehen sei, sagte Diess in einem am Dienstag veröffentlichen Podcast mit dem Journalisten Gabor Steingart. Volkswagen arbeite in Szenarien.

"Wenn man davon ausgeht, dass man die Krise ähnlich schnell behandelt wie China, dann kann man sicherlich auch mit einem blauen Auge davonkommen", sagte Diess. "Wenn man natürlich davon ausgeht, dass wir hier monatelang einen Shutdown haben, dann wird's schon schwierig."

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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148,98
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"China läuft stark für uns"

In China sieht sich VW nach der Lockerung von Einschränkungen für die Wirtschaft wieder auf dem aufsteigenden Ast. "China läuft wieder stark für uns", sagte der Manager. "Wir managen dort den Hochlauf." Auch im restlichen Werksverbund bereite sich VW technische auf den Wiederanlauf der Produktion vor. "In so einer Produktion treffen sich ja viele Menschen, die muss man separieren. Wir brauchen Schutzausrüstungen, wir müssen Prozesse umstellen, wir machen neue Schichtmodelle. All das muss vorbereitet werden."

Das Geld dürfte dem VW-Konzern nach Angaben von Diess zunächst nicht ausgehen. "Wir laufen nicht so schnell ins Trockene", sagte er. Im Vergleich stehe VW bei der Liquidität relativ robust da, weil der Konzern mehr China-Geschäft habe als viele Wettbewerber oder auch andere Industrien.

Verwaister Eingang zum VW-Werk in Wolfsburg

VW-Werk Wolfsburg. | Bildquelle: imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer

"Sicherlich kein Liquiditätsproblem"

Staatshilfen werden laut Diess in der derzeitigen Situation bei VW nicht diskutiert. "Wir glauben, dass wir's nicht benötigen", sagte der Manager. Am VW-Konzern ist auch das Land Niedersachsen mit 20 Prozent der Stimmrechte beteiligt. "Wir haben in China im Prinzip einen Monat verloren. Wenn man mal davon ausgeht, dass wir hier vielleicht etwas länger brauchen, die Krise zu behandeln, dann reden wir vielleicht von fünf, sechs Wochen, und dann haben wir sicherlich kein Liquiditätsproblem", sagte Diess.

Unterdessen soll am Montag der 20-millionste Pkw des Gemeinschaftsunternehmens zwischen Audi, VW und dem chinesischen Autohersteller FAW vom Band gegangen sein, ein Magotan GET.

Der zwanzigmillionenste VW läuft in China vom Band

Der zwanzigmillionenste VW läuft in China vom Band. | Bildquelle: imago images / Xinhua

In Europa und Nordamerika haben die Autobauer und die meisten Zulieferer die Produktion für die kommenden Wochen hingegen stillgelegt. Volkswagen unterhält im Konzern auch in Norditalien und Spanien mehrere Werke, die besonders von der Krise betroffen sind.

In der zumindest zunächst freundlichen Marktstimmung legt die VW-Aktie zu. In den vergangenen vier Wochen hatte das Papier etwa 30 Prozent eingebüßt.