Herbert Diess, VW
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Chancen stehen 50:50 VW-Chef Diess fürchtet Absturz der deutschen Autobauer

Stand: 16.10.2018, 10:25 Uhr

Die Autoindustrie gilt als die Schlüsselindustrie für den Produktionsstandort Deutschland. Ausgerechnet VW-Chef Herbert Diess malt jetzt ein düsteres Bild zu den Zukunftsaussichten der Branche. Es könnte knüppeldick kommen.

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Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, aber in dieser Deutlichkeit hat sich ein hochrangiger Autoboss wie VW-Chef Herbert Diess selten geäußert. Er befürchtet nämlich, dass die deutsche Autoindustrie in den kommenden Jahren ihre Spitzenposition verlieren könnte.

"Aus heutiger Sicht stehen die Chancen vielleicht bei 50:50, dass die deutsche Automobilindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört", sagte Diess am Dienstag auf einer VW-Veranstaltung in Wolfsburg laut Redetext.

Ein Feldzug gegen das Auto

Was bringt Diess zu so einer schwerwiegenden Aussage? Ihn treiben gleich mehrere Herausforderungen um. So der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit oder die Beziehungen zur Türkei und Russland. Durch die zunehmende weltpolitische Unsicherheit werde die Planungssicherheit immer schwieriger.

Auch das neue Abgas-Testverfahren WLTP bringe die Industrie "an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit". Überhaupt, die die geplanten Umweltanforderungen, die auf die Branche zukommen, wiegen für ihn besonders schwer.

»Der jetzige Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto nimmt jedoch existenzbedrohende Ausmaße an.«

Herbert Diess, Volkswagen-Vorstandsvorsitzender

Akku leer - Deutsche Automobilindustrie im Wandel

Akku leer - Deutsche Automobilindustrie im Wandel . | Bildquelle: dpa-Zentralbild

In der vergangenen Woche hatten sich die EU-Staaten auf eine deutliche Verschärfung der Kohlendioxid-Grenzwerte für neue Autos geeinigt. Beschlossen wurde eine Senkung der CO2-Grenzwerte um 35 Prozent für Neuwagen im Jahr 2030. Das EU-Parlament will sogar eine Senkung von 40 Prozent.

Sollte sich das EU-Parlament durchsetzen, müssten 2030 bereits die Hälfte der Fahrzeuge rein elektrisch fahren. "Die Transformation in der Geschwindigkeit und mit den Auswirkungen ist kaum zu managen", warnte Diess.

Die Industrie wird sich wandeln

Chinesische E-Autos auf der China-ASEAN Expo in Nanning

Chinesische E-Autos. | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Diess, so sagt er selbst, fürchte sich nicht vor dem Strukturwandel, er will aber will aufrütteln. Gerade beim Blick auf die Zulieferindustrie werde das deutlich. So würden 2025 oder 2026 nicht mehr Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF die umsatzstärksten VW-Zulieferer sein, sondern Batteriezellenhersteller wie LG oder Samsung. „Wer hätte das gedacht“, so Diess.

VW-Aktie gefragt

Autoaktien standen 2018 an der Börse schon des Öfteren im Kreuzfeuer, meist im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. Die Marktteilnehmer sind also sensibilisiert. Diess' klare Worte kommen heute morgen aber gut an. Die im Dax enthaltene VW-Vorzugsaktie führt den (autolastigen) deutschen Leitindex an.

rm