Blauer Getreidewaggon von VTG

Prämie bei Übernahme gefordert VTG wehrt sich

Stand: 05.09.2018, 09:47 Uhr

Der Waggonvermieter fordert einen kräftigen Nachschlag auf den Übernahmepreis, den die US-Großbank Morgan Stanley über einen Infrastrukturfonds geboten hat. Den Aktionären wird erst einmal empfohlen, die bestehende Offerte abzulehnen.

Bei 53 Euro je Aktie liegt das Angebot, das der Investor Warwick Holding unterbreitet hat. Dieser ist eine indirekte 100-prozentige Tochtergesellschaft von Fonds, die von Morgan Stanley Infrastructure Inc. beraten werden. Das freiwillige Übernahmeangebot an die Restaktionäre war auf den Kauf eines 20-Prozent-Pakets des Hamburger Investors Klaus-Michael Kühne gefolgt. Warwick war bereits im Oktober mit 29 Prozent bei VTG eingestiegen. Der Großaktionär will nach eigenen Angaben "die Wachstumsinitiativen der VTG AG aktiv unterstützen".

"Keine übliche Kontrollprämie"

Das Unternehmen ist allerdings von dem Angebot, das noch bis zum 2. November läuft, nicht wirklich angetan. Die Stellungnahme dazu, die VTG am Mittwoch veröffentlichte, führt dafür mehrere Argumente an. So reflektiere der Angebotspreis nicht den fundamentalen Wert von VTG, er enthalte "keine marktübliche Kontrollprämie", und er liege im Vergleich zu vergleichbaren Transaktionen deutlich zu niedrig.

Allerdings bietet das VTG-Management um Vorstandschef Heiko Fischer indirekt den Großaktionären eine Orientierung für einen "fairen" Übernahmepreis an. Nämlich, indem auf den Preis verwiesen wird, den Analysten als Kursziel für die VTG-Aktie durchschnittlich nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen errechnet hatten. Dieser liegt bei 58,44 Euro je Aktie.

Raum für Spekulation bleibt

Dazu kommt noch der Hinweis, dass der Übernahmepreis von 53 nur einen Aufschlag von 4,3 Prozent gegenüber dem gewichteten Durchschnittspreis der Aktie während der vergangenen drei Monate darstelle. Im Vergleich dazu habe die durchschnittliche Kontrollprämie, die im Verlauf der letzten zehn Jahre für deutsche Gesellschaften mit einem Eigenkapitalwert von über einer Milliarden Euro gezahlt wurde, bei 27 Prozent gelegen.

Ob sich der Großaktionär an diesen Vorgaben orientieren wird, bleibt in den kommenden Wochen abzuwarten. Für Anleger bleibt ein gewisser Spielraum nach oben bei der Aktie und damit auch Raum für Spekulationen auf einen Nachschlag. Die Aktie liegt wie schon seit Wochen mit 53,10 noch oberhalb der Offerte.

Die Verschiebungen im Aktionärskreis des Hamburger Unternehmens waren im Mai 2016 durch den Ausstieg des langjährigen Großaktionärs Wilbur Ross ausgelöst worden. Ross, der heute US-Finanzminister im Kabinett Donald Trumps ist, hatte damals seinen rund 20-prozentigen Anteil an Klaus-Michael Kühne weitergereicht.

AB