Mehrere VTG-Druckgaskesselwagen für den Transport von Gasen
Audio

Herz will Anteil behalten VTG geht von der Börse

Stand: 25.02.2019, 11:35 Uhr

Europas größter Vermieter von Eisenbahnwaggons soll komplett von der Börse genommen werden. Ein Fonds der US-Bank Morgan Stanley veröffentlichte ein neues Gebot für das Hamburger Unternehmen. Ein Großaktionär will aber nicht verkaufen.

Das Beteiligungsvehikel des Fonds, Warwick Holding GmbH, bietet den verbliebenen rund 14 Prozent freien Aktionären 53 Euro je Aktie, was um etwas mehr als drei Euro über dem Schlusskurs vom Freitag in Höhe von 49,55 Euro liegt. Das Gebot entspricht dem ersten Übernahmeangebot von Ende 2018.

Anschließend solle die VTG von der Börse genommen werden. Die VTG erklärte, das Unternehmen habe am Sonntag mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine entsprechende Delisting-Vereinbarung mit Warwick geschlossen.

Amerikaner haben bereits Mehrheit

VTG gehört bereits zu rund 71 Prozent zu Warwick, einem Infrastruktur-Fonds der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die noch im SDax notierte Unternehmen ist an der Börse aktuell rund 1,4 Milliarden Euro wert.

Herz will Beteiligung behalten

Der zweite Großaktionär, die Joachim-Herz-Stiftung der auch an Beiersdorf beteiligten Unternehmerfamilie, will seinen 15-Prozent-Anteil aber auch nach dem Delisting behalten.

Seit 2014 haben Aktionäre nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aber kein Recht mehr darauf, dass sie ihre Anteilsscheine an der Börse handeln können.

Damit muss Morgan Stanley maximal 210 Millionen Euro für die übrigen VTG-Aktien im Streubesitz hinlegen. Bei der Finanzierung der Übernahme soll Morgan Stanley die kanadische Pensionskasse OMERS helfen, die sich ebenfalls auf Infrastruktur-Investments spezialisiert hat und in Deutschland bereits an der Autobahn-Raststätten-Kette Tank & Rast beteiligt ist. Sie will Insidern zufolge auch bei der VTG einsteigen.

Nur noch geringes Handelsvolumen

Vorstand und Aufsichtsrat von VTG sind zu der Auffassung gelangt, dass der Abschluss der Delisting-Vereinbarung im Interesse des Unternehmens liegt, da der Streubesitz sich auf weniger als 14 Prozent reduziert hat und das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen der Aktie im Vergleich zu den letzten sechs Monaten erheblich abgenommen hat.

Auch der Chefinvestor von Morgan Stanley Infrastructure Partners, Markus Hottenrott, warb für den Rückzug von der Börse. Die VTG könne ohne den Druck der Anleger langfristigere strategische Entscheidungen treffen. "Sie hat damit auch Zugang zu verschiedenen Kapitalquellen zu attraktiven Konditionen." Als erstes will Morgan Stanley hochverzinste Hybridpapiere der VTG über 250 Millionen Euro mit frischem Kapital ablösen.

VTG erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro, das operative Ergebnis lag bei 343 Millionen Euro. Der Jahresabschluss 2018 liegt noch nicht vor. VTG beschäftigt 1.500 Mitarbeiter und vermietet derzeit 94.000 Waggons. Zum Vergleich: Europas größte Eisenbahngesellschaft, die Deutsche Bahn, hat rund 60.000 Güterwaggons.

lg