Lufthansa Maschinen im Hangar

"In Situation wie im Lockdown" Vorstand versetzt Lufthansa in den Winterschlaf

Stand: 26.10.2020, 08:50 Uhr

Die Kranich-Airline fährt wegen der verschärften Corona-Krise den Flugbetrieb im Winter erneut massiv herunter. 125 Flugzeuge sollen stillgelegt werden. Die Lufthansa-Aktien sacken ab.

Die harte Corona-Realität und die verschärften Reiserestriktionen zwingen die Lufthansa zu neuen harten Einschnitten. "Nach einem Sommer, der uns allen Anlass zur Hoffnung gegeben hat, befinden wir uns jetzt wieder in einer Situation, die in ihren Auswirkungen einem Lockdown gleichkommt", heißt es in einem Brief des Lufthansa-Vorstands an die Mitarbeiter. "Daher ist es unumgänglich, den Geschäftsbetrieb im Winter 2020/21 noch weiter herunterzufahren und möglichst viele Bereiche ab Mitte Dezember in einen 'Wintermodus' zu versetzen."

Im Winterflugbetrieb 2020/21 könnten die Airlines der Gruppe maximal ein Viertel ihrer Vorjahreskapazität anbieten, die Zahl der Fluggäste werde voraussichtlich bei weniger als einem Fünftel des Vorjahreswertes liegen und damit noch einmal deutlich unter der angebotenen Kapazität. "Wir müssen daher unsere bisherigen Anstrengungen, die Kosten weiter herunterzubringen, noch einmal verstärken", kündigte der Vorstand an.

Lufthansa verliert halbe Million Euro pro Stunde

Inzwischen verliere die Airline-Gruppe mit einer halben Million Euro zwar nur noch halb so viel Geld in der Stunde wie zu Beginn der Krise. "An der Dramatik der Situation hat sich gleichwohl nichts geändert", schrieben Vorstandschef Carsten Spohr und seine Kollegen an die Beschäftigten.

"Unseren ursprünglichen Plan, zum Jahresende wieder auf 50 Prozent der angebotenen Kapazität zu kommen, können wir nicht mehr einhalten", heißt es. In der vergangenen Woche hatte die Lufthansa bereits bekanntgegeben, maximal 25 Prozent der Vorjahreskapazität anzubieten. Denn mit steigenden Infektionszahlen in Europa und Amerika, die zu Reisebeschränkungen und Quarantänepflicht führen, bricht die Nachfrage wieder ein. Das Management schätzt demnach, dass die Passagierzahl mehr als 80 Prozent unter dem Vorjahreswert bleiben wird.

125 Maschinen werden stillgelegt

Die Lufthansa und ihre Schwestergesellschaften Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines werden deshalb 125 Flugzeuge, die im Winter abheben sollten, erneut stilllegen. Ein Großteil der Verwaltungsmitarbeiter werde bis Ende Februar auf maximale Kurzarbeit gesetzt - ähnlich wie im Frühjahr. Das Lufthansa-Hauptquartier am Frankfurter Flughafen wird bis auf wenige Arbeitsplätze geschlossen. Sämtliche Büroflächen sollen auf 30 Prozent reduziert werden.

30.000 Jobs in Gefahr

Die Pandemie werde das Geschäft noch über Jahre belasten, erklärte der Vorstand weiter. "Gleichwohl sind wir fest entschlossen, mindestens 100.000 der heute 130.000 Arbeitsplätze der Lufthansa Group zu erhalten." Lufthansa-Chef Spohr hatte schon vor einigen Wochen erklärt, rund 27.000 Stellen müssten abgebaut werden. Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Wege, durch Einkommensverzicht und Arbeitszeitreduzierung Jobs zu sichern, führten bisher kaum zu Ergebnisse.

Die Anleger reagieren frustriert auf die neuen Hiobsbotschaften der Lufthansa. Die Aktien sacken auf Tradegate um fast sieben Prozent ab und fallen unter acht Euro.