Weißes Kaninchen mit einem stehenden und einem abstehenden Ohr

Jetzt ist Fasten angesagt Vorösterliche Ruhe an den Börsen?

Stand: 14.04.2019, 12:09 Uhr

Nach dem starken ersten Quartal wird die Luft an den Börsen dünner. In der anstehenden Karwoche ist mit keinen großen Kurssprüngen zu rechnen. Es sei denn, die US-Berichtssaison bringt weitere faustdicke Überraschungen.

Astronomische Sensation: In der vergangenen Woche haben erstmals Forscher ein Bild vom schwarzen Loch gemacht. Das lässt auch die Anleger nicht kalt. Einige dürften nun hoffen, dass der Brexit in einem solchen schwarzen Loch versinkt, meinen die Experten der Helaba ironisch in ihrem aktuellen Wochenausblick. Denn der Ausstieg der Briten aus der EU wird zur Never-Ending-Story. Die Verschiebung des Brexit bis zum 31. Oktober wird in den nächsten Monaten für anhaltende Unsicherheit an den Märkten sorgen. Kurzfristig freilich rückt der "Halloween-Brexit" erst einmal in den Hintergrund.

Kommen sich China und USA endlich näher?

Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt vorerst der chinesisch-amerikanische Handelsstreit. Noch immer ist keine Einigung unter Dach und Fach. Zwar betonte am Rande der IWF-Frühjahrstagung US-Finanzminister Steven Mnuchin, dass Washington in den Handelsgesprächen mit China bald auf die Zielgerade einbiege. Doch solche Absichtserklärungen gibt es schon seit Wochen. Nun müssen beide Seiten endlich liefern. Zudem besteht die Gefahr, dass sich US-Präsident Donald Trump in seinem Kampf um die Neuordnung der globalen Handelsbeziehungen bald wieder auf Europa konzentriert.

Angesichts der andauernden Handelskonflikte haben sich die Konjunkturaussichten eingetrübt. Der Internationale Währungsfonds schraubte seine Wachstumsprognose nach unten. Auch die Bundesregierung blickt pessimistischer auf die Konjunktur 2019. Sie dürfte am Mittwoch ihre erst Anfang des Jahres halbierte Wachstumsprognose auf 0,5 Prozent erneut kräftig senken.

Kühlt Chinas Konjunktur weiter ab?

Besonders gespannt schauen Volkswirte nach China. Ob die Konjunktur dort weiter an Fahrt verloren hat, wird sich am Mittwoch zeigen. Dann veröffentlicht das Reich der Mitte das BIP für das erste Quartal. Experten gehen von einem Wachstum von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Sollte das BIP schlechter ausfallen als erwartet, dürften die Sorgen um die globale Konjunktur wieder neu angeheizt werden.

Frischen Schub erhoffen sich die Börsianer von der US-Berichtssaison, die in der Karwoche anläuft. Nachdem die zwei US-Großbanken JP Morgan und Wells Fargo mit starken Bilanzen den Zahlenreigen eingeläutet haben, könnte es weitere positive Überraschungen geben. Am Montag legen Goldman Sachs und die Citigroup, am Mittwoch Morgan Stanley Zahlen vor. Zudem eröffnen IBM und Netflix die Berichtssaison der Tech-Firmen am Dienstag. Sollten die anderen US-Banken und weitere amerikanische Firmen die gesunkenen Markterwartungen ebenfalls übertreffen, würde das helfen, die jüngste Börsenrally zu untermauern, meint Chefstratege Robert Greil von Merck Finck. Die Berichtssaison wird zur "wichtigen Nagelprobe für die Finanzmärkte", glaubt er. Erstmals seit vier Jahren rechnen Analysten mit einem Gewinnrückgang der US-Konzern von vier Prozent.

"Für den Dax wird's nicht einfach!"

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für die kommende Börsenwoche ist Greil skeptisch. "Es wird nicht einfach werden für den Dax", prophezeit er. "Wenn sich der Markt stabil hält, wäre das schon gut", meint Greil. In der vergangenen Woche war der Dax kaum noch vorangekommen und pendelte sich bei um die 12.000 Punkte ein. Tatsächlich hat er schon einiges an positiven Entwicklungen vorweggenommen. Seit Jahresanfang hat der Dax gut zehn Prozent zugelegt.

"Angesichts der bevorstehenden Konsolidierung sollten die erhöhten Kursniveaus zu Gewinnmitnahmen genutzt werden", rät die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Analyst Christian Kahler von der DZ Bank hält es ebenfalls für sinnvoller, sich die jüngsten Kursgewinne am Aktienmarkt zu sichern.

"Schaukelbörse" droht

Vorsichtig zeigt sich auch Andreas Hürkamp, Leiter Aktienstrategie von der Commerzbank. Er rechnet mit einer "Schaukelbörse" in den nächsten Wochen. Die inverse US-Zinsstrukturkurve sieht er als Warnsignal. Dass 24 der 30 Dax-Konzerne mit sinkenden Gewinnen für dieses Jahr rechnen, deute ebenfalls eher auf eine Rezession hin. Zumal der Dax stark von der Autobranche abhängig sei. Nach Hürkamps Berechnungen machen die Autohersteller und -zulieferer rund 40 Prozent der Gewinne der Dax-Konzerne aus. "Der Dax ist im Grunde genommen ein Autoindex."

Einen kleinen Hoffnungsschimmer für eine gute Börsenwoche gibt es aber doch: Historisch gesehen legte der Dax in der Karwoche im Durchschnitt um 0,8 Prozent zu. Also sehen wir vor Ostern doch noch neue Jahreshochs statt ein weiteres schwarzes Loch?

nb