TUI-Maschine über Palma de Mallorca

Rückschlag für die Touristik-Branche Vorerst kein "Malle"-Urlaub mehr mit der Tui

Stand: 17.08.2020, 14:45 Uhr

Nach der Reisewarnung für das spanische Festland und die Balearen hat die Tui vorerst alle Reisen in die betroffenen Gebiete abgesagt. Die Aktie des Reiseveranstalters rutscht am Montag ab.

Angesichts der deutschen Reisewarnung für ganz Spanien außer den Kanaren dürften Anleger bei den Papieren der Lufthansa und Tui am Montag einmal mehr Vorsicht walten lassen. Auf Tradegate verloren die Lufthansa-Papiere vorbörslich 2,5 Prozent. Die Tui-Aktie brach zeitweise um fast sechs Prozent ein.

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Der weltweit größte Tourismuskonzern hatte am Samstag nach der Reisewarnung alle Pauschalreisen in die betroffenen Regionen gestoppt. Da das Auswärtige Amt wegen steigender Infektionszahlen vor nicht notwendigen touristischen Reisen warne, müsse das Unternehmen "schweren Herzens" alle Pauschalreisen ab sofort bis einschließlich 24. August absagen und stornieren, gab das Unternehmen bekannt. Kunden, die bereits vor Ort seien, würden gebeten, binnen der nächsten sieben Tage zurückzureisen. Vor allem Mallorca-Urlauber sind betroffen.

Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher der dpa sagte. Die Inselgruppe weit draußen im Atlantik vor der Westküste Afrikas ist die einzige spanische Region, die nicht zum Risikogebiet erklärt wurde. Die Lufthansa und ihre Tochter Eurowings halten derweil an ihren Flugplänen und Kapazitäten für Spanien fest.

Weiterer schwerer Schlag für Tui

Zum Ende der Sommersaison sei das ein weiterer schwerer Schlag für den Reiseveranstalter, sagte ein Händler. Spanien sei eines der wichtigsten Reiseziele für Tui. Zudem sei nicht abzusehen, wann die Warnung wieder aufgehoben werden könnte.

Tui-Chef Friedrich Joussen

Friedrich Joussen. | Bildquelle: picture alliance / Peter Steffen / dpa

Die Corona-Krise hatte den Touristikkonzern sowieso schon äußerst hart getroffen. Der Umsatz brach im Zeitraum zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahr um beispiellose 98,5 Prozent auf knapp 72 Millionen Euro ein. Der Konzernverlust lag bei 1,45 Milliarden Euro. Trotz eingeleiteter Kostensenkungen summierte sich der Verlust unter dem Strich in den ersten neun Monaten des Ende September endenden Geschäftsjahres 2019/20 auf rund 2,3 Milliarden Euro.

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat der Bund wegen des immer noch weitgehend brachliegenden Tourismusgeschäfts die Staatshilfen für Tui von 1,8 Milliarden Euro um weitere 1,2 Milliarden Euro erhöht. "Mit der zweiten staatlichen Kreditlinie sind wir vorbereitet, falls die Pandemie im Tourismus erneut signifikante Auswirkungen hat", erklärte Tui-Chef Fritz Joussen. Damit dürfte auch die neuerliche Reisebeschränkung gemeint sein.

Um eine Bedingung für die zusätzliche Staatshilfe zu erfüllen, fordert der Reisekonzern Zugeständnisse von seinen Anleihegläubigern. Die Investoren der im Oktober 2021 fälligen Anleihe über 300 Millionen Euro sollen zwischen dem 4. und 8. September ihre Zustimmung geben, auf eine Klausel zur Begrenzung der Tui-Verschuldung zu verzichten.

tb