Vonovia-Logo vor der Unternehmenszentrale
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Aktien unter massivem Druck Mietendeckel: Aufschrei der Immobilienkonzerne

Stand: 26.08.2019, 14:15 Uhr

Das Thema Mietendeckel in Berlin lässt die Immobilienkonzerne nicht los. Der Dax-Konzern Vonovia hat ausgerechnet, wie hoch die Belastungen wären. Von einem "Frontalangriff auf den Rechtsstaat" spricht der Konkurrent Deutsche Wohnen, der am stärksten betroffen wäre. Die Branche wehrt sich mit scharfen Worten.

Der im Dax notierte Wohnungsbaukonzern Vonovia befürchtet durch die Pläne für eine Mietobergrenze in Berlin Auswirkungen auf seine Geschäfte. Die Linken-Politikerin Katrin Lompscher will die Kaltmieten in Berlin auf höchstens 7,97 pro Quadratmeter begrenzen, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Ab 2014 entstandene Wohnungen sollen von diesem Mietendeckel ausgeschlossen bleiben.

Bislang handele es sich nur um einen Entwurf für ein Gesetz, das ab dem kommenden Jahr gelten soll. Der Berliner Senat hatte im Juni einen Mietdeckel im Grundsatz beschlossen, aber noch keine Obergrenze festgelegt. Derzeit kosten Wohnungen in Berlin laut dem dortigen Verband der Wohnungsunternehmen im Schnitt 6,72 Euro pro Quadratmeter.

Jahresziele ungefährdet

Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, würden sie die Mieteinnahmen im Jahr 2020 mit 20 bis 25 Millionen Euro belasten, teilte Vonovia mit. Das entspräche rund zehn Prozent der Mieteinnahmen in Berlin und rund einem Prozent der Mieteinnahmen im Konzern. Weil sich weniger als zehn Prozent unseres Portfolios in Berlin befindet, sehen wir keine materiellen Risiken", hießt es in der Erklärung. Man habe außerdem ernsthafte Zweifel, dass das Einfrieren der Mieten verfassungskonform sei.

Erst Anfang August hatte Vonovia Halbjahreszahlen vorgelegt: Im ersten Halbjahr stiegen die Mieteinnahmen um fast 14 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Die für die Branche wichtige Kenngröße – das operative Ergebnis (FFO) zog um knapp 13 Prozent auf 609 Millionen Euro an. Für 2019 bestätigte das Unternehmen übrigens seine Jahresziele.

Bereits bei der Zahlenvorlage hatte Vonovia-Chef Rolf Buch bezüglich eines Mietendeckel in der Bundeshauptstadt gesagt: Sollte das Papier zum Einfrieren der Mieten in Berlin kommen, wo von er ausgehe, könnten die Mittel für Investitionen aber mit Sicherheit irgendwo anders auch eingesetzt werden.

Der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch

Vonovia-CEO Rolf Buch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mieterhöhungsschreiben gerade erst abgeschickt

Eine Sprecherin der Deutsche Wohnen erklärte, der Entwurf sei ein "Frontalangriff auf den Rechtsstaat". Mieten würden willkürlich festgelegt ohne Rücksicht auf Lage, Ausstattung oder Einkommen der Mieter. Die Deutsche Wohnen wäre am stärksten von einer Mietobergrenze betroffen, da sie mit einem Portfolio von gut 110.000 Wohnungen der größte private Vermieter in Berlin ist. Der Konzern hatte erst vor ein paar Tagen Medienberichten zufolge an 20.000 bis 30.000 Haushalte Schreiben mit Mieterhöhungen verschickt.

Einen Aufschrei gab es bei den Immobilienverbänden. IVD-Präsident Michael Schick forderte den Gang vor das Bundesverfassungsgericht: "Ein solches Vorhaben, dessen Verfassungswidrigkeit ihm quasi auf der Stirn geschrieben steht, darf die Politik nicht hinnehmen." Der Präsident des Wohnungswirtschaftsverbands GdW, Axel Gedaschko, erklärte, eine solche Ausprägung eines Mietendeckels würde über das Ziel hinaus schießen und diejenigen treffen, die in den Wohnungsmarkt investierten.

"Die Pläne sind ein Angriff auf die Branche und alle Eigentümer. Hier soll Enteignung durch die Hintertür in großem Stil eingeführt werden", sagte der Präsident des Zentrale Immobilien Ausschusses (ZIA), Andreas Mattner.

Aktien gedeckelt

Für die Unternehmen seien die Pläne in dem Lompscher-Entwurf klar negativ, sagte Analyst Thomas Rothaeusler von der US-Bank Jefferies. Jedoch sei nicht damit zu rechnen, dass der Entwurf in die Tat umgesetzt werde. "Wir halten ihn für übertrieben und verfassungswidrig und es ist mit starkem Gegenwind zu rechnen."

Die Anleger reagieren: Die Aktien von Vonovia verlieren mehr als ein Prozent, die Papiere von Deutsche Wohnen mehr als drei Prozent. Auch die Titel von Ado Properties geben nach. Letztlich ist nicht klar, ob die Pläne der Partei "Die Linke" überhaupt Wirklichkeit werden. Und sollten die Ideen tatsächlich zustande kommen, bleibt abzuwarten, ob sie rechtlich Bestand haben werden.

ts