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Neuer Milliardenzukauf Vonovia sucht sein Glück in Schweden

Stand: 23.09.2019, 11:27 Uhr

Der Immobilienkonzern will sein Geschäft in Schweden mit einem Milliardenzukauf ausbauen. Damit steigt Vonovia zum Marktführer in dem Land auf. In Deutschland weht der Branche ein immer heftigerer Wind entgegen.

Das Bochumer Unternehmen werde 69,30 Prozent der Stimmrechte der Hembla AB für umgerechnet 20,08 Euro je Aktie vom Finanzinvestor Blackstone erwerben, teilte der Dax-Konzern am Montag mit. Der Gesamtkaufpreis für den Stockholmer Wohnimmobilienkonzern mit seinen 21.411 Wohnungen liege damit bei 12,2 Milliarden Kronen (rund 1,14 Milliarden Euro).

Inklusive Schulden habe die Transaktion einen Wert von rund 3,5 Milliarden Euro und sei damit die drittgrößte Übernahme in der Firmengeschichte. Ein Teil des Kaufpreises werde finanziert über Geld, das durch eine Kapitalerhöhung im Frühjahr eingesammelt wurde. Der andere Teil werde über Darlehen beglichen.

Der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch

Vonovia-CEO Rolf Buch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Freigabe für die Transaktion durch die schwedischen Wettbewerbsbehörden erwartet Vonovia im Oktober oder November, danach soll ein öffentliches Übernahmeangebot für die restlichen Aktien unterbreitet werden. "Die Investition in Hembla ergänzt unser Portfolio perfekt", erklärte Vonovia-Chef Rolf Buch. Erst im vergangenen Jahr war der Konzern mit der Übernahme von Victoria Park mit rund 16.600 Wohnungen in den schwedischen Markt eingetreten.

"Marktführer in Schweden"

Während sich die Wohnungen von Hembla vor allem im Großraum Stockholm befänden, konzentriere sich das Portfolio von Victoria Park auf die Großstadtregionen Malmö, Stockholm und Göteborg. "Wir sind nun ganz klar Marktführer in Schweden und werden auch nicht mehr aus dem Land verschwinden", sagte Buch.

Analysten vom Bankhaus Lampe bestätigten ihre Kaufempfehlung für die Vonovia-Aktien. Der Zukauf in Schweden unterstütze das Wachstums des Konzerns. Ein Händler sagte dagegen, die Übernahme erscheine vergleichsweise teuer. Die Anleger reagierten verhalten auf die Fusionspläne. Vorbörslich sackte die Aktie um 1,5 Prozent ab. Am Vormittag konnte das Papier seine Verluste weitgehend wettmachen und notierte nur noch minimal im Minus.

Neben Deutschland und Schweden haben die Bochumer seit 2017 auch zwei Wohnungsunternehmen in Österreich. In Frankreich sehen sie ebenfalls Chancen. Insgesamt besitzt Vonovia rund 397.000 Wohnungen mit einem geschätzten Wert von etwa 47,4 Milliarden Euro.

Aufschrei der Immobilienkonzerne

In Deutschland stehen Immobilienkonzerne unter Druck. Viele Mieter fürchten, dass sie sich ihre Wohnungen wegen anziehender Mieten in den Städten bald nicht mehr leisten können. Der Berliner Senat will mit dem Mietendeckel Obergrenzen einführen. Rückwirkend zum 18. Juni darf es nach dem geplanten Gesetz keine Mieterhöhungen mehr geben. Ab 2021 dürfen die Mieten um bis zu 1,3 Prozent im Jahr steigen, sofern sie die geplanten Obergrenzen nicht überschreiten. Das sieht der Referentenentwurf für den Mietendeckel vor.

Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, würden sie die Mieteinnahmen im Jahr 2020 um 20 bis 25 Millionen Euro verringern, hatte Vonovia im August mitgeteilt. Das entspräche rund zehn Prozent der Mieteinnahmen in Berlin und rund einem Prozent der Mieteinnahmen im Konzern. "Weil sich weniger als zehn Prozent unseres Portfolios in Berlin befindet, sehen wir keine materiellen Risiken", hieß es in der Erklärung. Man habe aber ernsthafte Zweifel, dass das Einfrieren der Mieten verfassungskonform sei.

Anfang August hatte Vonovia Halbjahreszahlen vorgelegt: Im ersten Halbjahr stiegen die Mieteinnahmen um fast 14 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Die für die Branche wichtige Kenngröße - das operative Ergebnis (FFO) zog um knapp 13 Prozent auf 609 Millionen Euro an. Für 2019 bestätigte das Unternehmen übrigens seine Jahresziele.

tb/dpa