Frau mit rotem Pinsel

Zalando auf Expansionskurs Vom Flip-Flop-Verkäufer zum Kosmetik-Anbieter

von Notker Blechner

Stand: 01.03.2018, 14:38 Uhr

Vor knapp zehn Jahren gründeten zwei Austauschstudenten Zalando und verkauften Flip-Flops übers Internet. Aus dem kleinen Schuh-Shop ist inzwischen Europas größter Online-Modehändler mit über vier Milliarden Euro Umsatz geworden. Jetzt will Zalando auch noch im Kosmetik-Geschäft mitmischen.

Bei Douglas und anderen Parfüm-Läden in deutschen Innenstädten geht die Angst um: die Angst vor Zalando. Der Online-Modehändler wird ab dem Frühjahr in den umkämpften Beauty-Markt einsteigen und neben Schuhen, Blusen und Jacken auch Parfüms, Crèmes, Make-up und andere Kosmetik-Produkte via Internet anbieten. Der Zalando-Angriff könnte den deutschen Parfümerie-Markt umkrempeln und die Vorherrschaft von Douglas brechen.

Zalando-Co-Chef Rubin Ritter sieht hier viel Potenzial. Denn bislang gebe es in diesem Bereich keinen dominanten Internet-Händler. "Das Angebot von Beauty-Produkten im Online-Markt ist bisher noch überschaubar", sagt er. Zalando will in absehbarer Zeit mehrere hundert Millionen Euro mit Kosmetik-, Haut- und Haarpflegeprodukten umsetzen. "Wir streben einen ähnlichen Marktanteil an wie im Modebereich", sagt Zalando-Manager Ritter.

Großes Wachstumspotenzial

Der Markt mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro in Europa ist attraktiv. Laut einer Prognose der Unternehmensberatung A. T. Kearney werden bis 2019 die Online-Erlöse mit Beauty-Produkten europaweit jährlich um mehr als acht Prozent steigen. Kai Rechen, Chef des Online-Duftwässerchen-Händlers Parfumdreams.de, glaubt, dass bald fast ein Drittel der Umsätze mit teuren Parfüms und hochpreisiger Kosmetik übers Internet erwirtschaftet wird.

Nicht nur Zalando drängt in den Beauty-Markt. Auch der Handelsriese Otto.de hat kürzlich angekündigt, ins digitale Geschäft mit der Schönheitspflege einzusteigen. Die Hamburger verkaufen im Internet mehr als 1.000 Produkte von L'Oréal. Zudem bauen auch die großen Drogerien ihr Online-Geschäft aus. Rossmann vereinbarte im Sommer eine Kooperation mit Amazon und verkauft inzwischen Shampoo, Haargel und Hautcrèmes über den Online-Händler.

Angriff auf Marktführer Douglas

Zalando-Zentrale in Berlin-Friedrichshain

Zalando-Zentrale in Berlin-Friedrichshain. | Bildquelle: Imago

Bisher ist Douglas die Nummer eins im (deutschen) Online-Beauty-Markt. Der Handelskonzern macht gut zehn Prozent seines Umsatzes im Internet. Das wären in Deutschland 120 Millionen Euro. Größter Konkurrent ist Parfumdreams.de, die Online-Parfümerie machte 2016 einen Umsatz von 72 Millionen Euro. Das Berliner Start-up Flaconi ist Parfumdreams.de mit Erlösen von 60 Millionen Euro dicht auf den Fersen. Die Berliner bezeichnen sich gerne als "Zalando für Beauty-Produkte".

Kampflos wird Douglas seine Marktführerschaft nicht abgeben. Die Parfümeriekette hat Opel-Managerin Tina Müller als neue Vorstandschefin geholt. Die Marketing-Managerin, die einst bei Henkel die Marke Schwarzkopf entstaubt hat, soll Douglas ein modernes Image verpassen und die Digitalisierung vorantreiben. Mit ihrer Idee, in den Zügen der Deutschen Bahn ein Beauty-Abteil zu schaffen, sorgte die 49-Jährige bereits für Schlagzeilen.

Aktie auf Rekordniveau

Die meisten Analysten sehen die Expansion von Zalando ins Beauty-Geschäft positiv. Ein guter Start in dem neuen Geschäftsfeld sollten der Aktie Auftrieb geben, glaubt das Bankhaus Lampe. Der Zalando-Kurs hat zuletzt mit 49,90 Euro ein Rekordhoch erreicht. Auf Ein-Jahres-Sicht betrug das Plus rund 24 Prozent. Seit dem Börsengang hat sich der Kurs von Zalando fast verdoppelt.

Die Anleger honorieren, dass der Online-Schuh- und Modehändler inzwischen operativ schwarze Zahlen schreibt. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) wird 2017 bei 209 bis 222 Millionen Euro liegen. Die Marge beträgt 4,9 Prozent. Allerdings lag sie 2016 noch bei 5,9 Prozent.

Investitionen schmälern Gewinn

Hohe Investitionen drücken das Ergebnis und die Marge. So muss Zalando viel Geld in den Bau zwei neuer Logistikzentren stecken, um den Service für schnelle Lieferungen zu verbessern. Zudem investiert der Online-Riese 140 Millionen Euro in seine neue Firmenzentrale in Berlin.

Beim Umsatz wächst Zalando weiter zweistellig. Im vergangenen Jahr zogen die Erlöse voraussichtlich um bis zu 24 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro an. 2018 peilt der Online-Händler erneut ein Plus von mehr als 20 Prozent an. Die Marke von fünf Milliarden Euro soll erstmals geknackt werden.

Erfolgsgeschichte zweier Studenten

Ein schreiender Paketbote aus der Zalando-Werbung

Zalando-Werbung. | Bildquelle: Unternehmen

Das hätten sich die Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider wohl nicht träumen lassen. Als sie 2008 in Spanien die Firma starteten, verkauften sie gerade mal ein paar Dutzend Flip-Flops pro Tag. Ihr Geschäftsmodell war aus der Not geboren. Weil sie nach ihrem Austauschstudium in Mexiko kein Geld mehr den Rückflug hatten, meldeten sie sich beim Internetinvestor Oliver Samwer, den sie von früheren Zeiten an der Uni kannten. Dieser war von ihrer Idee eines Online-Schuhshops nach dem Vorbild des US-Startups Zappos angetan und gab ihnen 50.000 Euro Kapital.

Rasch expandierte Zalando und wurde bald zur führenden Internet-Adresse für Damen-Schuhe. Mit dazu beigetragen haben dürften auch coole Marketing-Kampagnen wie der Werbeclip "Warnung an alle Männer" und später "Schrei vor Glück". Zumindest die Aktionäre, die die Aktien von Zalando beim IPO im Herbst 2015 gezeichnet und gehalten haben, können jetzt schreien vor Glück…