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18,4 Milliarden Euro geboten Vodafone will Unitymedia

Stand: 09.05.2018, 14:40 Uhr

Die beiden größten deutschen Kabelnetzbetreiber kommen unter ein Dach: Der britische Telekom-Konzern Vodafone will Unitymedia übernehmen, die hiesige Tochter des US-Kabelnetzbetreibers Liberty Global. Die Deutsche Telekom ist verärgert.

Vodafone will dafür fast 18,4 Milliarden Euro auf den Tisch blättern. Damit wandert die deutsche Liberty-Tochter Unitymedia in die Hände der Briten, die hierzulande seit dem Milliarden-Kauf von Kabel Deutschland bereits das größte Kabelnetz der Bundesrepublik betreiben. Der Deal muss allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Zusätzlich übernimmt Vodafone von Liberty Global die Geschäfte in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Der Kauf soll bis Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen. Die Synergien veranschlagen die Briten mit jährlich 535 Millionen Euro - allerdings ohne Aufwendungen für die Integration der Liberty-Aktivitäten. Die Vodafone-Aktie legte zum Handelsstart in London am Morgen leicht zu.

Kunden dürften profitieren

Vodafone ist bislang nicht in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv, wo Unitymedia ausschließlich tätig ist. Dort hat der Konzern nach eigenen Angaben 7,2 Millionen Kunden. Mit der Übernahme würde Vodafone dann über ein Fernsehkabelnetz verfügen, mit dem knapp zwei Drittel aller bundesdeutschen Haushalte erreicht werden. Damit könnte Vodafone im ganzen Land Mobilfunk, Fernsehen und Breitband im Paket anbieten ohne Gebühren an die Telekom zahlen zu müssen. Dies werde die Telekom zwingen ihrerseits attraktive Angebote zu machen, wovon letztlich die Kunden profitierten, erklärt das Portal Verivox.

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Mit der Aufrüstung der Fernsehkabel mit dem sogenannten Docsis-3.1-Standard lassen sich zudem Internet-Übertragungsraten von derzeit bis zu einem Gigabit ermöglichen. Das wäre deutlich mehr, als die Telekom derzeit mit ihren zumeist alten Telefonkabeln aus Kupfer auf der sogenannten letzten Meile erreicht.

Telekom unter Druck

Dagegen warnt Telekom-Chef Tim Höttges vor weniger Wettbewerb im Breitbandmarkt. Er sprach von einer "Remonopolisierung des Kabelmarkts" in Deutschland. "Hier entsteht ein Wettbewerber zur Telekom, so ein Gigant, der mit konvergenter Netztechnologie prahlt", sagte Höttges mit Blick auf das Bündelangebot aus Breitband-Internet, Telefon und Fernsehen, das Vodafone mit dem Zukauf dann flächendeckend in ganz Deutschland anbieten will. Die Telekom musste sich vom Fernsehkabel bei der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes um die Jahrtausendwende herum trennen, weil eine zu große Marktmacht befürchtet wurde. Dabei wurde das Kabel zunächst auch in drei Teile zerlegt.

Vodafone-Konzernchef Vittorio Colao wetterte: "Es scheint, dass Tim Höttges und die Deutsche Telekom auf einer Mission sind, die eigene Dominanz zu schützen und auszuweiten", sagte er in einer Telefonkonferenz. Die Telekom sei in 70 Prozent aller deutschen Haushalte vertreten und wolle Konkurrenten nicht den gleichen Zugang gewähren. "Das ist nicht im Sinne von Verbrauchern, sondern im Sinne der Deutschen Telekom."

Schon länger Gerüchte über Gespräche

Die Deutsche Telekom hat bisher einen Marktanteil bei den Breitbandkunden von rund 40 Prozent. Vodafone kündigte an, bis 2022 rund 25 Millionen Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen versorgen zu wollen. Die Telekom stemmt derzeit selbst ihre größte Transaktion in der Unternehmensgeschichte: Die US-Tochter T-Mobile US will sich den US-Mobilfunker Sprint ins Haus holen.

Gerüchte über die Übernahme gab es bereits seit einiger Zeit. Im Februar hatte Vodafone bekanntgegeben, Gespräche mit Liberty über einen Kauf von Kabelbeteiligungen in den Ländern zu führen, wo beide Firmen tätig sind. Beide Konzerne haben sich schon öfter am Verhandlungstisch gegenübergesessen.

Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone

Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. | Bildquelle: Unternehmen

Unitymedia-Umsatz gestiegen

Im ersten Quartal legte der Umsatz von Unitymedia, die hierzulande rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigen, um neun Prozent auf mehr als 636 Millionen Euro zu. Grünes Licht für die Übernahme muss aufgrund der Umsatzhöhe der beteiligten Unternehmen letztlich wohl die EU-Kommission geben. Auch für den rund zehn Milliarden Euro schweren Kauf von Kabel Deutschland zeichneten die Wettbewerbshüter in Brüssel verantwortlich. Sie genehmigten ihn damals ohne Auflagen und erklärten, dass sich die Geschäftsbereiche lediglich ergänzen würden.

lg/dpa/rtr/afp