Google-Universum

Neues Smartphone, Kooperation, Kartellstreit und Datenskandal Viel los bei Google

Stand: 10.10.2018, 14:38 Uhr

Jede Menge Neuigkeiten bei Google: Neben einem neuen Smartphone, einem Display fürs vernetzte Zuhause und der Zusammenarbeit mit PayPal gibt es auch eine Menge Ärger. Die Alphabet-Tochter hat Einspruch gegen die verhängte Milliarden-Kartellstrafe der EU eingelegt, dazu kommt der jüngste Datenskandal.

Google-Smartphone-Präsentation

Google-Smartphone-Präsentation. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mit neuen Smartphones und einem vernetzten Lautsprecher mit Display will sich Google weiter als Gerätehersteller etablieren. Die Kamera des neuen "Pixel 3" mit verbesserter Zoom-Funktion soll, wenn es ein Lächeln erkennt, automatisch Selfie-Fotos schießen und bewegte Objekte im Fokus behalten.

Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass Inhalte im Bild erkannt werden können, zu denen Informationen wie eine Adresse oder Telefonnummer identifiziert werden. Erstmals enthält das Smartphone, das es in zwei Größen gibt, einen abgeschotteten Sicherheitschip, der biometrische Daten sowie verschlüsselte Informationen für das digitale Bezahlen enthält.

Kochrezepte oder Ratgeber-Videos auf dem Display

Auch den Google Home Hub stellte der Internetriese vor. Es ist der erste vernetzte Lautsprecher mit eigenem Display und soll mithilfe des Sprachprogramms Google Assistant als digitaler Bilderrahmen fungieren, auf dem nach Vorstellung von Google zum Beispiel Kochrezepte oder Ratgeber-Videos angezeigt werden können. Das neue Produkt konkurriert mit einem neuen Modell der Echo-Reihe von Amazon und soll im kommenden Jahr in Deutschland verfügbar sein. Google betonte, auf eine Kamera habe man bei dem Gerät verzichtet, um Sorgen um die Privatsphäre zu verhindern.

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Privatsphäre - War da nicht was?

Das Online-Netzwerk Google+ hatte hingegen jahrelang ein Datenleck, durch das externe App-Entwickler seit 2015 unerlaubt auf private Nutzerdaten wie Namen, E-Mail-Adressen oder Informationen über Beschäftigung, Geschlecht und Alter zugreifen konnten. 500.000 User waren Google zufolge von der Sicherheitslücke betroffen. Zwar entdeckte und schloss das Unternehmen die Lücke im März - verschwieg sie aber bisher. Nun wurde die Software-Panne bekannt. Schnittstellen für App-Entwickler hatten auch eine zentrale Rolle im Datenskandal bei Facebook gespielt.

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Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, aber auch nicht genug Informationen, um ihn auszuschließen, zitierte das "Wall Street Journal" aus internen Unterlagen. Google+ werde derzeit von Verbrauchern kaum genutzt und daher nach einer zehnmonatigen Übergangszeit im August 2019 geschlossen - eine klare Niederlage im Wettbewerb mit Facebook.

Bei der Frage, warum Google die Entdeckung über Monate verschwieg, verwies die Firma auf die Sorge vor erhöhter Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden. In der EU schreibt die Ende Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung strikt vor, Betroffene zu informieren.

Einspruch gegen Android-Wettbewerbsstrafe

Mit der EU liegt Google derweil auch wegen einer schweren Kartellstrafe im Clinch. Nun reichte das Unternehmen wie bereits angekündigt einen Tag vor Ablauf der Frist Widerspruch ein. Die EU-Kommission hatte Google Mitte Juli nicht nur eine Rekord-Wettbewerbsstrafe von 4,34 Milliarden Dollar auferlegt, sondern auch tiefgehende Änderungen am Android-Geschäftsmodell gefordert.

Google-Betriebssystem Android wird auf einem Smartphone installiert

Android-Installation auf Smartphone. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hintergrund ist der Vorwurf der Brüsseler Behörde, Google würde seine Marktdominanz ausnutzen. Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste wie den Play Store einbauen wollen, müssten demnach stets ein komplettes Paket aus elf Apps des Internet-Konzerns auf die Geräte bringen. Damit sichere sich Google die Vorherrschaft seiner Suchmaschine auf den Smartphones - ein Wettbewerbsnachteil für Konkurrenten. Außerdem dürften Anbieter von Geräten mit Google-Diensten keine Smartphones mit abgewandelten Android-Versionen verkaufen.

Kooperation mit PayPal

Kunden des Online-Bezahldienstes PayPal können künftig in deutschen Läden über ihre Android-Smartphones mit Google Pay bezahlen. Koppeln Nutzer ihr PayPal-Konto mit Google Pay, wird in der App eine digitale Mastercard-Karte eingerichtet, mit der die Einkäufe abgewickelt werden. Mitte Juli hatte Google die mobile Bezahlmethode mit vier Banken als Partner eingeführt: darunter die Commerzbank samt Online-Tochter Comdirect, die Smartphone-Bank N26 sowie Wirecard.

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Das Besondere an der Zusammenarbeit von Google und PayPal: Sie könnte Google viele neue Nutzer für das noch recht junge Mobil-Bezahlsystem bescheren. PayPal hat in Deutschland rund 20,5 Millionen Kunden.

Am Mittwoch konnte die Aktie des Mutter-Konzerns Alphabet nicht von den Neuigkeiten profitieren. Sie fällt zur Stunde um rund 1,5 Prozent und damit unter 1.000 Euro pro Titel. Mitte August hatte das Papier noch ein Rekordhoch von 1.101,13 Euro erreicht.

tb