Russland, Twitter, Facebook und die Paradise Papers

Zog der Kreml heimlich die Fäden? Viel Geschmäckle bei Facebook & Co.

Stand: 06.11.2017, 14:12 Uhr

Das kommt zur absoluten Unzeit, nicht nur für die beiden Tech-Größen Facebook und Twitter. Das neue Steuer-Datenleck "Paradise Papers" zeigt, dass hinter den Kulissen in Amerika so manche Seilschaft am Werk ist.

Eigentlich ist es ja "nur" ein ganz heißes politisches Eisen, das da derzeit in Washington geschmiedet wird. Sonderermittler Mueller ermittelt, inwieweit Russland den Wahlkampf von Donald Trump beeinflusst hat. Die jetzt veröffentlichten Daten einer Offshore-Kanzlei aus der Karibik ("Paradise Papers") zeigen aber, dass auch so mancher börsennotierter US-Tech-Riese in diesem Russland-Spiel vorkommt.

Im Sillicon-Valley präsent

Denn neueste Enthüllungen zeigen, dass der vom Kreml kontrollierte Risikokapitalgeber DST im Sillicon Valley in den Anfängsjahren der Onlinekonzerne kräftig mitgemischt hat. Von der russischen VTB Bank soll DST Geld erhalten haben, mit dem es sich 2011 für 190 Millionen Dollar beim Kurznachrichtendienst Twitter einkaufte. Auch bei Facebook hatten die Russen die Finger im Spiel. Über eine vom Staatskonzern Gazprom mitfinanzierte Offshore-Firma soll DST im Jahr 2009 einen 78 Millionen Dollar schweren Anteil an Facebook gesteuert haben.

Das ist nach heutigen Maßstäben für Facebook zwar nur ein Sandkorn (die Marktkapitalisierung des sozialen Netzwerkes liegt aktuell bei 421 Milliarden Dollar); zur damaligen Zeit, kurz nach der Finanzkrise, war der atemberaubende Aufstieg der Firma aus dem kalifornischen Menlo Park aber noch keine ausgemachte Sache. Zwischenzeitlich lag die Beteiligungshöhe bei Facebook bei acht und bei Twitter bei fünf Prozent.

Zur Unzeit

Für Facebook und Twitter platzen die Paradise-Rechercheergebnisse mitten hinein in die Politik-Diskussion darüber, inwieweit der Kreml die US-Wahlen aus dem Vorjahr über die sozialen Netzwerke zu Gunsten von Donald Trump beeinflusst hat. Immerhin seien wesentlich mehr Bürger von der russichen Propaganda erreicht worden als gedacht, räumte jüngst Facebook-Anwalt Colin Stretch ein.

Twitter App auf einem Smartphone

Twitter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Facebook zeigte sich angesichts der offensichtlich mangelhaften Kontrolle jüngst in einer Anhörung in Washington kleinlaut und gelobte Besserung - jetzt platzt die Bombe um die Paradise Papers und gibt dem Ganzen ein besonderes Geschmäckle. Inzwischen hat der Investor DST seine Anteile an Twitter und Facebook verkauft und betont, man sei nur passiver Investor gewesen. Der Reputation der Branche tut es aber nicht gut.

Apple auf der Steuerflucht

Apropos Reputation. Auch auf Apple werfen die "Paradise Papers" ein schales Licht. Der Konzern ist demnach auf der dringenden Suche nach einem Ort für seinen Geschäftssitz, in dem keine Steuern anfallen. Aktuell fordert die EU-Kommission 13 Milliarden Euro Steuernachzahlung von Apple nach einem Steuerdeal in Irland. Der Konzern wehrt sich bisher gegen den Bescheid aus Brüssel.

Unter den großen börsennotierten Paradise-Spielern tauchen auch der Rohstoffkonzern Glencore oder der Sportartikelkonzern Nike auf. Steuervermeidung bleibt also weiter ein ganz großes Thema in so mancher Chefetage.

Aktien ungebremst im Aufwind

Die Investoren an der Börse scheinen weniger empfindlich als die Politiker. Ob Apple (mit einer Marktkapitalisierung bei knapp 765 Milliarden Dollar die derzeit teuerste Aktie weltweit), Facebook, Alphabet (mit der Konzerntochter Google) oder andere Techgrößen - die Konzerne sind und bleiben gewaltige Geldmaschinen, die die Fantasie der Anleger weiter beflügeln.

Sogar Twitter, dessen Börsengeschichte bisher nicht gut läuft, hat sich zuletzt erholt. Nicht zuletzt Donald Trump verschafft dem Kurznachrichtendienst fast täglich eine Bekanntheit, von der andere nur träumen können. Da kann selbst der Kreml nicht mithalten.

rm