Viagra-Stapel, daneben sich umarmendes Paar

Generika setzen Pfizer unter Druck Viagra: Die Wunder-Pille wird 20

Stand: 27.03.2018, 06:50 Uhr

Heute vor 20 Jahren brachte der Pharmariese Pfizer Viagra auf den Markt. Die Potenz-Pille half Millionen Männern mit Erektionsstörungen und entwickelte sich zum Kassenschlager. Inzwischen aber ist das Patent ausgelaufen. Nun strömt "Billig-Viagra" auf den Markt und zwingt Pfizer zum Umdenken.

Dass das vielleicht bekannteste Medikament der Welt nur durch Zufall entstanden ist, dürfte kaum einer der 65 Millionen Männer wissen, die die kleine blaue Pille bisher geschluckt haben. Ursprünglich nämlich arbeiteten die Pharmaforscher von Pfizer im britischen Sandwich an einem Mittel gegen Bluthochdruck mit dem schwierigen Namen Sildenafilcitrat. Doch der von ihnen entwickelte Wirkstoff Sildenafil zeigte bei den Herzpatienten nicht den erhofften Effekt.

Vom Flop-Mittel zum "blauen Wunder"

Stattdessen berichteten die Testpersonen von überraschenden Nebenwirkungen. Die Männer erzählten, das Mittel verschaffe ihnen häufiger und längere Erektionen. Die Forscher spürten den Beobachtungen nach - und fanden heraus, dass das Mittel nicht dem Herzen, sondern der Potenz hilft. Der Wirkstoff Sildenafil beeinflusst nämlich das Enzym Phoshodiesterase Typ 5, das im Penisgewebe besonders häufig vorkommt und den Blutfluss erhöht.

Am 27. März 1998 gab die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht für die Zulassung der weltweit ersten oralen Potenzpille unter dem Namen Viagra. Ein halbes Jahr später war das Mittel auch in Europa erhältlich.

Die kleine blaue rautenförmige Tablette hat seither das Sexleben von zahlreichen Männern – und natürlich auch Frauen – verändert. Ärzte sprechen von einer "sexuellen Revolution". Der Wirkstoff Sildenafil verhilft etwa 70 Prozent der Männer mit akuten Problemen zu einer Erektion – freilich nicht automatisch, sondern nur, wenn sie erregt sind.

Größter Verkaufsschlager von Pfizer

Für Pfizer war Viagra ein echter Volltreffer. Bis heute wurden über drei Milliarden der blauen "Wunder-Pillen" verkauft. Mit dem Potenzmittel erwirtschaftete der Pharma-Gigant alleine in den USA mehr als 17 Milliarden Dollar Umsatz und scheffelte Milliardengewinne. 

Weltweiter Umsatz von Pfizer mit Viagra

Weltweiter Umsatz von Pfizer mit Viagra. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Inzwischen aber schwächelt das Geschäft mit dem Blockbuster. Im dritten Quartal 2017 sank der Viagra-Absatz um ein Fünftel auf 308 Millionen Dollar. Denn seit Jahresende ist der Patentschutz in den USA weggefallen. Die Konkurrenz darf ab sofort günstigere Nachahmer-Produkte anbieten.

Viagra-Generika machen Pfizer zu schaffen

So hat die Ratiopharm-Mutter Teva vor kurzem "Billig-Viagra" auf den US-Markt gebracht. Es kostet nur etwa halb so viel wie das Original-Produkt, das zu rund 65 Dollar erhältlich ist - pro Pille. In Deutschland ist Pfizers Patent bereits 2013 abgelaufen. In Apotheken sind verschreibungspflichtige Generika schon für vier bis fünf Euro zu haben. Das Original kostet dagegen rund 20 Euro.

Der US-Pharmariese hat reagiert – und will in den USA nun selbst eine Generika-Variante herausbringen. Sie soll etwa die Hälfte der blauen Originalpille kosten.

Erstes rezeptfreies Viagra in Großbritannien

Viagra von Pfizer (l.) und die generische Variante des Tochterunternehmens Greenstone

Viagra von Pfizer (l.) und die generische Variante von Greenstone "sildenafil citrate". | Bildquelle: picture alliance / Richard Drew/AP/dpa

In Großbritannien kann Pfizer das Potenzmittel gar rezeptfrei unter der Version Viagra Connect in Apotheken vertreiben. Die britische Arzneimittelbehörde erteilte Ende November 2017 die Zulassung. Dadurch sollen mehr Männer mit Erektionsstörungen Zugang zu dem Mittel erhalten.

Das Ende des Patentschutzes dürfte den umkämpften Markt für Potenzmittel weiter anschwellen lassen. Experten beziffern das Marktvolumen auf über vier Milliarden Dollar. Ob Pfizer hier weiter der Größte bleibt, ist ungewiss.

Pfizer-Aktie unter Druck

An der Börse jedenfalls ist Pfizer unter Druck geraten. Auf Ein-Jahres-Sicht hat die Aktie über zwölf Prozent eingebüßt. Der Umsatz des größten US-Pharmakonzerns stagnierte im abgelaufenen Jahr.