Aktien-Comeback Vestas hat noch Rückenwind

Stand: 11.08.2020, 14:41 Uhr

Die weltweite Nummer eins in Sachen Windkraft hat in den vergangenen Monaten die Auswirkungen der Corona-Krise gespürt. Doch im zweiten Quartal zog die Auftragslage bereits wieder an - genau wie die Aktie am Dienstag.

Der Titel legt auf Xetra derzeit unter hohen Umsätzen zu. Mit 122 Euro hat die Aktie des dänischen Windkraftanlagenbauers gerade wieder ein neues Allzeithoch erklommen.

Pralle Auftragsbücher

Sah es noch im Mai danach aus, als würde in den Auftragsbüchern eine längere Flaut entstehen, kann Vestas nun doch wieder eine Menge Orders einsammeln. Der Gesamtbestand an Aufträgen und Serviceverträgen für Windkraftanlagen belief sich Ende Juni auf 35,1 Milliarden Euro und damit betrug damit 3,6 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor, wie Vestas am Dienstag im dänischen Aarhus mitteilte.

Das Management sieht zwar weiterhin die Unsicherheiten angesichts der Krise, zeigt sich aber zuversichtlich. Unter schwierigen Umständen und ohne staatliche Hilfen habe Vestas eine starke Leistung erbracht, sagte Konzernchef Henrik Andersen mit Blick auf das zweite Quartal.

Nachdem der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr im April ausgesetzt hatte, rechnet das Management nun wie zuvor mit Erlösen von 14 bis 15 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal lag der Umsatz bei 3,54 Milliarden Euro, ein Plus von 67 Prozent und damit deutlich höher als erwartet. Zudem konnte das Unternehmen am Dienstag einen Auftrag aus China vermelden.

Ergebnis unter Erwartungen

Eher mager fielen zuletzt aber die Erträge aus. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) brach wegen außerordentlicher Rückstellungen für Garantiefälle bei schon installierten Anlagen um fast drei Viertel auf 34 Millionen Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von fünf Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 90 Millionen Euro Gewinn. Im ersten Quartal war der Verlust allerdings noch größer ausgefallen, nachdem logistische Probleme und Lieferengpässe infolge der Corona-Krise Vestas belastet hatten.

Im Gesamtjahr peilt man nun noch fünf bis sieben Prozent des Umsatzes als operatives Ergebnis an. Vor einigen Monaten hatte der Konzern noch sieben bis neun Prozent in Aussicht gestellt.

Analysten bleiben gewogen

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Vestas nach den Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 769 dänischen Kronen belassen. Der Windkraftanlagenbauer habe mit seinen Zahlen für das zweite Quartal die Erwartungen verfehlt, schrieb Analyst Ajay Patel in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Auch der Ausblick habe etwas enttäuscht. Auch die Experten der Credit Suisse bleiben positiv für die Aktie. Das Coronavirus habe nur einen keinen Einfluss auf den Gewinn und zeige nicht wie bei Siemens Gamesa die größeren Probleme in dem Geschäft auf.