Innogy-RWE-Zentrale in Essen
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Kaufempfehlung und Fusionsfantasie Versorger: Warum Anleger wieder zugreifen

Stand: 07.09.2017, 11:08 Uhr

Seit Jahresbeginn haben sich die Aktien von RWE nahezu verdoppelt. Auch die Tochter Innogy hat sich von ihrem tiefen Fall im Dezember erholt. Und noch ist kein Ende der Rally zu erkennen.

Auch heute gehören die Papiere der beiden Versorger RWE und Eon zu den stärksten Werten im Dax. Grund ist eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Deren Experten sind überzeugt, dass für die deutschen Energiekonzerne weiter aufwärts geht, wie sie in einer jüngsten Studie schreiben. Unter anderem profitierten die Versorger von dem Gesetz zu Atom-Altlasten, durch das sie sich für 23,6 Milliarden Euro von Kosten und Risiken der Atommüll-Lagerung freikaufen können.

Zudem sei die Restrukturierung der Branche auf einem guten Weg und die Konzerne hätten höhere Dividenden in Aussicht gestellt. Die Analysten erhöhten ihr Kursziel für die RWE-Aktien auf 25 Euro von 22 Euro, die des Rivalen Eon auf 10,50 Euro von 10,00 Euro.

Wer kauft Innogy?

Aufwärts geht es auch für die im MDax notierten Papiere der RWE-Ökostromtochter Innogy. Sie profitierten Händlern zufolge von einem Medienbericht über potenzielles Kaufinteresse von Iberdrola. Die spanische Zeitung "Expansion" berichtete ohne Angaben von Quellen, der spanische Versorger wende sich nun verstärkt wieder Europa zu. Bei einer Konsolidierung wäre Innogy ein mögliches Ziel.

Es dauerte jedoch nicht lange und die Spanier schickten ein Dementi. Iberdrola prüfe kein Gebot für Innogy, sagte ein Iberdrola-Sprecher. Die Innogy-Aktie hatte im frühen Handel von den Spekulationen profitiert und um fast 3 Prozent zugelegt. Nach dem Iberdrola-Dementi gab das Papier etwas von den Gewinnen ab.

Nicht unter Verkaufsdruck

RWE hält derzeit noch knapp 77 Prozent an Innogy. Seit Monaten halten sich Spekulationen um einen Verkauf. Zuletzt war häufiger der französische Versorger Engie als möglicher Käufer ins Spiel gebracht worden. Verschiedene Analysten wie etwa die der schweizerischen Bank UBS, glauben jedoch nicht an ein Interesse von Engie.

RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz hatte zuletzt bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im August erklärt, bei Innogy nicht unter Verkaufsdruck zu stehen. Laut Aufsichtsratsbeschluss soll die Mehrheit von 51 Prozent ohnehin bei RWE verbleiben. Auch Innogy-Chef Peter Terium hatte sich zuletzt beim Thema Konsolidierung eher zurückhaltend gezeigt. Er sehe darin derzeit "wenig Substanz", entsprechende Spekulationen seien "mit Vorsicht zu genießen", hatte er bei Vorlage der Innogy-Halbjahreszahlen gesagt.

lg