Meng Wanzhou, Huawei
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Finanzmärkte sacken nach Festnahme von Managerin ab Verschärft der Huawei-Konflikt den Handelsstreit?

Stand: 07.12.2018, 14:47 Uhr

Die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada hat weltweit die Ängste vor einem Kollaps des Handelsstreits zwischen den USA und China angeheizt. Der Konflikt schickte die Börsen auf Talfahrt.

Laut Insidern erfolgte die Festnahme der Top-Managerin Meng Wanzhou im Zuge der US-Ermittlungen im US-Handelsembargo gegen den Iran. Es gebe den Verdacht, dass Huawei mit Hilfe der britischen Großbank HSBC Geschäfte getätigt habe, die gegen die Iran-Sanktionen verstoßen.

Gegen diese Darstellung wehrten sich chinesische Staatsmedien vehement - und holten zum Gegenschlag aus: Es sei "zweifelsohne wahr und bewiesen", dass die USA alles versuchten, um Huaweis Expansion in der Welt einzudämmen, schrieb die englischsprachige "China Daily".

Am Freitag ist beim British Columbia Supreme Court in Vancouver eine Kautionsanhörung für die Finanzchefin angesetzt. Die USA drängen auf Mengs Auslieferung, wie ein Sprecher des kanadischen Justizministeriums bestätigte. China fordert die sofortige Freilassung.

Belastung der Handelsgespräche?

USA-China

USA-China. | Bildquelle: colourbox.de

Meng ist auch die Tochter von Konzerngründer Ren Zhengfei und stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Ihre Festnahme in Vancouver erfolgte bereits am Samstag, wurde aber am Donnerstag erst bekannt. Vor allem der Zeitpunkt verleiht dem Vorgang zusätzliche Brisanz: Während der Festnahme beriet sich US-Präsident Donald Trump zeitgleich mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am Rande des G20-Staatengipfels in Buenos Aires über den Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Dabei beschlossen sie eine 90-tägige Waffenpause. Die USA versprachen, ihre zusätzlichen Zölle auf chinesische Einfuhren vorerst nicht wie geplant zu erhöhen oder auszuweiten. Im Gegenzug sicherte China zu, seine Importe aus den USA zu erhöhen, um das Handelsungleichgewicht zu verringern.

Festnahme schickt Börsen auf Talfahrt

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nachdem dies Hoffnungen an den Finanzmärkten auf einen Erfolg der weiteren Handelsgespräche geweckt hatte, drehte sich nach Bekanntwerden der Festnahme Mengs die Stimmung: Der Dax verlor am Donnerstag 3,5 Prozent und schloss nur knapp über 10.800 Punkten. Dies war der tiefste Stand seit Anfang Dezember 2016 und der schlimmste Kurssturz seit dem Brexit-Referendum.

Auch in New York rutschte der Leitindex Dow Jones zwischenzeitlich um drei Prozent ab, bis zum Handelsschluss verringerten sich die Verluste aber auf 0,31 Prozent. Kurseinbrüche hatte es zuvor auch an den asiatischen Börsen gegeben."Die neue Konfrontation hat das Potenzial, die anstehenden Handelsgespräche zu belasten", urteilen die Analysten der LBBW.

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Besorgt über umstrittene Praktiken

Nach Angaben von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton wusste das Weiße Haus vorab von der geplanten Festnahme Mengs. Seit Jahren seien die Vereinigten Staaten besorgt über den Diebstahl geistigen Eigentums, erzwungenen Technologietransfers und anderer umstrittener Praktiken chinesischer Firmen. "Huawei ist eine Firma, über die wir besorgt gewesen sind. Es gibt auch noch andere."

Bolton sagte dem Radiosender NPR, er wisse nicht, ob auch Präsident Trump über die bevorstehende Festnahme im Bilde gewesen sei. Kanadas Premierminister Justin Trudeau hob unterdessen hervor, dass der Zugriff ohne "politische Intervention" erfolgt sei, und verwies auf die Unabhängigkeit der kanadischen Strafverfolgungsbehörden.

Huawei weiß von nichts

Die chinesische Regierung protestierte scharf und verlangte die "sofortige" Freilassung Mengs. Die Botschaft in Ottawa sprach von einer einer schweren Verletzung der "Menschenrechte des Opfers". Meng habe weder gegen kanadisches, noch gegen US-Recht verstoßen. Huawei erklärte, von keinem Fehlverhalten der Finanzdirektorin zu wissen. Die genauen Vorwürfe gegen Meng seien dem Konzern nicht bekannt.

Ungeachtet der Verhaftung von Meng gibt sich das chinesische Handelsministerium in dem Handelskonflikt zuversichtlich. China gehe davon aus, dass es innerhalb der 90-tägigen Verhandlungsrunde einen Handelsvertrag mit den USA schließen könne, sagte Gao Feng, Sprecher des Handelsministeriums, am Donnerstag in Peking. Die Kommunikation zwischen den Verhandlungsteams sei gut, sie hätten bereits eine hohe Übereinstimmung erreicht.

Zusammenarbeit mit Geheimdiensten?

Huawei Zentrale Shenzhen 1408. | Quelle: Unternehmen

Huawei ist einer der führenden Tech-Konzerne der Volksrepublik und hatte kürzlich dem US-Konzern Apple den Rang als zweitgrößter Smartphone-Hersteller der Welt abgelaufen. Das chinesische Unternehmen ist dem südkoreanischen Marktführer Samsung auf den Fersen.

In vielen Ländern wird Huawei allerdings eine zu große Nähe zur chinesischen Führung und zu den dortigen Sicherheits- und Geheimdiensten vorgeworfen. Vor allem die USA verdächtigen den Konzern der Industriespionage, der Zusammenarbeit mit chinesischen Geheimdiensten und Verstößen gegen Sanktionen. Das Unternehmen weist solche Vorwürfe stets zurück.

Kampf gegen chinesische Technologiekonzerne

Meng Wanzhou, Huawei
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Huawei-Eskalation macht Börse Sorgen

In den USA ist Huawei längst von Behördenaufträgen ausgeschlossen. Auch EU-Technologiekommissar Andrus Ansip betonte in Brüssel mit Blick auf Huawei und andere chinesische Technologiekonzerne: "Wir müssen uns wegen dieser Unternehmen Sorgen machen."

Insidern zufolge plant nun auch Japan, der Regierung den Kauf von Huawei-Ausrüstung zu untersagen. Australien und Neuseeland haben Huawei bereits vom Aufbau des neuen 5G-Netzes ausgeschlossen. Auch in Deutschland gibt es Überlegungen, wie man sich am besten vor Cyberangriffen schützen kann.

Auch ZTE im US-Blickfeld

Neben Huawei ist der US-Regierung auch der chinesische Telekommunikationsausrüster ZTE ein Dorn im Auge. Im April verbot sie dem Chiphersteller Qualcomm, ZTE weiter zu beliefern, was sie mit Verstößen des chinesischen Unternehmens gegen Iran- und Nordkorea-Sanktionen begründete. Das Verbot wurde dann allerdings im Juli wieder aufgehoben.

tb