Versandapotheken kündigen Widerstand an GroKo lässt Apotheken-Aktien abstürzen

Stand: 09.02.2018, 13:10 Uhr

Die Aktien der Versandapotheke Zur Rose mit ihrer Marke DocMorris und Shop Apotheke sind in dieser Woche dramatisch eingebrochen. Nun kündigen die Unternehmen Widerstand gegen das im Koalitionsvertrag enthaltene Versandverbot verschreibungspflichtiger Medikamente an.

DocMorris-Mutter Zur Rose ist überzeugt, dass das Vorhaben der Großen Koalition, den Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln - sogenannten Rx-Medikamenten - zu verbieten, "verfassungswidrig und europarechtlich inkompatibel ist“. Gutachten und Aussagen vorheriger Bundesregierungen hätten ein anderes Bild gezeichnet: Man sei daher "sehr erstaunt, dass diese Beurteilungen offenbar nicht ausreichend gewürdigt wurden und diese Intention in den Entwurf des Koalitionsvertrags aufgenommen wurde“.

Ein ähnliches Statement kam am Abend von Shop Apotheke: Verfassungs- und europarechtliche Bedenken gegen dieses Vorhaben seien in den vergangenen zwölf Monaten von vielen Seiten geäußert worden. "Wir sind deshalb erstaunt, dass diese Bedenken offenbar nicht ausreichend gewürdigt wurden und diese Intention in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde, zumal diese bis zuletzt strittig gewesen ist.“

Apothekerlobby setzt sich durch

Auch Shop-Apotheke will "im Interesse ihrer Patientinnen und Patienten in Deutschland alle notwendigen Schritte unternehmen, um den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln aufrechtzuerhalten und diesen weiter anzubieten“.

"Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein", heißt es im Koalitionsvertrag. Damit seien die Politiker dem Druck der heimischen Apothekerlobby erlegen, monieren Kritiker.

Es sei bedauerlich, dass die Apotheker versuchten, die Entwicklung in Richtung Internethandel zu negieren, sagte Rose-Vorstandschef Walter Oberhänsli. In der Beziehung zu den Kunden vor Ort und bei bestimmten Leistungen müssten Apotheken keine Angst vor Versendern oder Amazon haben.

Keine Gefahr für die Versorgung

Den US-Internetkonzern sieht Oberhänsli allerdings ohnehin nicht als ernsthaften Konkurrenten. Aus seiner Sicht müsste der "Fortschritt endlich im Gesundheitswesen ankommen“. Es könne doch nicht sein, dass nach wie vor 700 Millionen Rezepte hin und her transportiert würden.

Ein Lichtstreif am Horizont war für ihn das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Hier sei klar herausgearbeitet worden, dass der Versandhandel die flächendeckende Versorgung nicht gefährde.

lg