Eine Hand voller 50-Euroscheine

Global Wealth Report Vermögen der Deutschen immer ungleicher verteilt

Stand: 22.10.2019, 08:49 Uhr

Der Immobilienboom hat viele Menschen in Deutschland reicher gemacht. Sowohl das Gesamtvermögen als auch das durchschnittliche Pro-Kopf-Vermögen stiegen 2019 leicht an, wie die Credit Suisse errechnet hat. Doch die Vermögensunterschiede werden immer größer.

Ausweislich des zum zehnten Mal veröffentlichten "Global Wealth Reports" der Schweizer Großbank liegen die Deutschen mit einem Gesamtvermögen von 14,7 (2018: 14,0) Billionen Dollar weltweit auf Platz vier - hinter den USA (106 Billionen Dollar), China (63,6 Billionen Dollar) und Japan (25,0 Billionen Dollar). Global legte das Vermögen der Menschen demnach im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 360 Billionen Dollar zu.

Beim durchschnittlichen Vermögen pro Erwachsenen rangiert Deutschland als Europas größte Volkswirtschaft mit 216.654 (2018: 214.893) Dollar (gut 194.000 Euro) lediglich auf Rang 19. Hier ist die Schweiz mit 564.653 Dollar führend. Die Zahl der Dollar-Millionäre in Deutschland blieb mit 2 .187.000 zum Vorjahr fast unverändert (2018: 2.183.000).

Fast 7.000 Superreiche

Bei der Zahl der "Superreichen“ ("Ultra-high net worth individuals“, UHNW) mit mehr als 50 Millionen Dollar Vermögen, belegt Deutschland der Studie zufolge den dritten Platz. Hierzulande sollen es 6.800 sein. Vor Deutschland liegen die USA mit 80.510 Superreichen, gefolgt von China mit 18.130.

Im Unterschied zu anderen Vermögensstudien wie der Bundesbank oder des Versicherers Allianz, die Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen addieren, berücksichtigt die Credit Suisse in ihren Berechnungen auch Immobilien. Sie machen hierzulande einen großen Teil des Vermögens aus - 58 Prozent - im Vergleich etwa zu Wertpapieren.

Äußerst ungleiche Verteilung

Weil die Eigentumsquote in Deutschland aber sehr viel geringer ist als in vielen anderen Ländern, führt diese Situation zu einer äußerst ungleichen Verteilung des Wohlstands: Die obersten ein Prozent der Deutschen besitzen rund 30 Prozent des Gesamtvermögens, während dieser Wert in Italien und Frankreich 22 Prozent betrage, in Großbritannien 24 Prozent, so die Credit Suisse.

Diese Ungleichverteilung spiegelt sich auch im sogenannten "Gini-Koeffizient“ wider, der die unterschiedliche Vermögensverteilung beziffert. Auf einer Skala zwischen 0 und 1 (je höher, desto ungleicher), liegt Deutschland demnach bei 0,82, verglichen mit 0,67 in Italien und 0,70 in Frankreich.

Viele Deutsche sind arm

Und noch eine erschreckende Erkenntnis liefert die Studie: rund 41 Prozent der Deutschen besitzen dagegen weniger als 10.000 Dollar. Eingerechnet sind dabei sowohl Finanzwerte als auch materielle Vermögenswerte wie Immobilien.

Weltweit betrachtet hat die Vermögensungleichheit laut Studienautor Anthony Shorrocks zuletzt dagegen abgenommen. Dem Ökonomen zufolge besitzen die unteren 90 Prozent der Bevölkerung heute 18 Prozent des Vermögens, gegenüber elf Prozent im Jahr 2000.

lg

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