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Deutsche Bank warnt Verlust wegen US-Steuerreform

Stand: 05.01.2018, 16:28 Uhr

Die US-Steuerreform verhagelt der Deutschen Bank die Jahresbilanz. Sie wird im vierten Quartal das Geldhaus mit 1,5 Milliarden Euro belasten. Deswegen schließt die Deutsche Bank 2017 erneut mit roten Zahlen ab.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat die angepeilten schwarzen Zahlen nicht geschafft: Auf IFRS- Basis erwartet die Deutsche Bank für 2017 wegen der steuerlichen Abgaben einen geringen Verlust nach Steuern. Es ist das dritte Verlustjahr in Folge. Noch im Sommer hatte Cryan gesagt: "Ich erwarte nicht, dass wir in diesem Jahr einen Verlust machen." Immerhin: Vor Steuern erwartet Deutschlands führendes Geldhaus für das Jahr 2017 ein positives Ergebnis.

Rückläufiger Wertpapierhandel

Allerdings dürften im vierten Quartal auch vorsteuerlich rote Zahlen anfallen. Denn die Steuerreform ist nicht der einzige Bremsklotz. Auch das Tagesgeschäft lief nicht rund. Der Wertpapierhandel im vierten Quartal war rückläufig. Die Erträge aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Aktien sowie dem Finanzierungsgeschäft in diesem Zeitraum fielen um etwa 22 Prozent geringer aus als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

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Neben dem schwachen Ertragsumfeld litt der deutsche Branchenprimus unter höheren Kosten. So belaufen sich die Ausgaben für Restrukturierungen, Abfindungen und Rechtsfälle auf etwa 0,5 Milliarden Euro. Außerdem wurde das Privat- und Firmenkundengeschäft in Polen mit Verlust verkauft.

Als Grund für die Steuerbelastungen nannte die Bank Bewertungsanpassungen bei latenten Steueransprüchen (Deferred Tax Assets, DTA). Diese Anpassungen spiegeln die geschätzten bilanziellen Folgen einer niedrigeren Körperschaftsteuer wider. Der für das US-Geschäft der Deutschen Bank relevante Körperschaftsteuersatz sinkt von 35 Prozent auf 21 Prozent.

Aktie sackt ab

An der Börse kamen die Eckdaten schlecht an. Die Aktien der Deutschen Bank rutschten zum Wochenausklang um mehr als fünf Prozent ab und waren mit Abstand Schlusslicht im Dax. "Die Begründung, dass die Steuerreform schuld schein soll, kommt mir fadenscheinig vor", sagte ein Händler. "Das hätte man schon länger absehen können." Die vorläufigen Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2017 will die Deutsche Bank am 2. Februar veröffentlichen.

Durch einen erneuten Verlust steigt der Druck auf das Management der Deutschen Bank. Der Großinvestor der Deutschen Bank, die Fondsgesellschaft Union Investment, kritisierte das Geldhaus. "Die Führungsriege hat vielleicht noch zwei Quartale Zeit, um zu zeigen, dass sich die Dinge verbessern," sagte Fondsmanager Ingo Speich dem "Handelsblatt". "Bis jetzt haben wir noch keine Anzeichen dafür, dass die Strategie der Deutschen Bank funktioniert und langfristig profitabel ist. Es wäre wichtig, dass wir in naher Zukunft zumindest eine Stabilisierung des Geschäftsmodells erkennen können." Wenn die Bank im Vergleich zu ihren Wettbewerbern zu deutlich abfallen sollte, dann müsste man erneut eine Debatte über die Strategie anstoßen.

lg/ nb

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