Iranische Flagge und im Vordergrund Schiffe, Container und Ladekräne am Terminal Eurogate in Hamburg

Europas Konzerne müssen umdenken Die Verlierer der Iran-Sanktionen

Stand: 08.08.2018, 12:14 Uhr

Nach Inkrafttreten der US-Sanktionen wächst nicht nur der Druck auf Teheran, sondern auch auf europäische Unternehmen. Wer hat seine Iran-Geschäfte bereits beendet und wer könnte diesem Beispiel noch folgen? Eine Übersicht.

Schon jetzt haben die Drohungen von US-Präsident Donald Trump Spuren in der deutschen Industrie hinterlassen. Kaum waren die Sanktionen gestern in Kraft getreten, verabschiedete sich Autobauer Daimler prompt vom persischen Markt. Angesichts der hohen Umsätze in den USA verständlich. Auch andere Firmen meiden den Iran, zu groß ist die Furcht vor Einbußen auf dem US-Markt. Neben Daimler hat nun auch die BASF-Tochter Wintershall ihren Rückzug bekanntgegeben. 

Sanktions-Opfer in Deutschland...

Wer steht noch vor der Entscheidung, seine Geschäfte im Iran einstellen zu müssen? Womöglich wird Volkswagen bald folgen. Der schwedische Lastwagen- und Bushersteller Scania ist die Tochterfirma des deutschen Autoriesen und muss mit großen Problemen rechnen. Nicht umsonst macht der Verkauf von 5.000 bis 6.000 Fahrzeugen rund fünf Prozent des weltweiten Umsatzes für Scania aus.

Außerdem könnte Siemens bald seinen Standort aufgeben. Der Technologiekonzern arbeitet seit 2016 mit dem iranischen Unternehmen Mapna zusammen und konnte im vergangenen Jahr mit der Produktion von Gasturbinen und Generatoren einen Umsatz von 130 Millionen Euro verzeichnen.

Henkel, das mit der Herstellung von Konsumgütern vergangenes Jahr einen dreistelligen Millionenumsatz gemacht haben soll, muss sicher ebenfalls sein Geschäft überdenken.

... und Europa

Die US-Sanktionen haben jedoch nicht nur für Deutschland Konsequenzen, sondern auch für europäische Konzerne. So könnte der französische Fahrzeughersteller PSA es den deutschen Autoriesen gleichtun und sich zurückziehen. Damit würden die Marken Peugeot und Citroën in nächster Zeit den iranischen Straßen fernbleiben. Der zweitgrößte europäische Autobauer hatte im vergangenen Jahr 445.000 Fahrzeuge in der Islamischen Republik verkauft und kontrollierte damit zuletzt fast ein Drittel des Marktes. Auch Renault will seine Aktivitäten gegebenenfalls zurückfahren.

Für europäische Luftfahrtgesellschaften wie die Lufthansa und British Airways stehen womöglich die Transatlantik-Verbindungen auf dem Spiel, wenn sie ihre Direktflüge nach Teheran aufrecht erhalten. Die Geschäfte von Airbus dürften ebenfalls vor dem Aus stehen. Der Flugzeughersteller wollte insgesamt 100 Maschinen an Iran Air liefern. Das Geschäft hat einen Wert von rund zehn Milliarden Dollar (8,6 Milliarden Euro). Bisher wurden aber nur drei Maschinen geliefert - sie brauchen US-Lizenzen, da einige Teile in den USA gefertigt werden.

Schließlich wird auch der französische Erdölriese Total seinen Platz räumen müssen. Gemeinsam mit der chinesischen Gruppe CNPC wollte Total fünf Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) einsetzen. Nun dürften die Chinesen das Ölfeld alleine ausbeuten.

Nach dem Inkrafttreten der US-Sanktionen hatte Trump andere Staaten vor einem Handel mit Teheran gewarnt. "Wer Geschäfte mit dem Iran macht, wird keine Geschäfte mit den Vereinigten Staaten machen", schrieb er auf Twitter. Ziel der Sanktionen sei es, "maximalen wirtschaftlichen Druck" auf das wirtschaftlich angeschlagene Land auszuüben.

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hatte den Rückzug deutscher Unternehmen aus dem Iran-Geschäft begrüßt. Indem sie sich an die neu eingesetzten US-Sanktionen hielten, trügen die deutschen Firmen dazu bei, "den Iran zurück an den Verhandlungstisch zu drängen", schrieb Grenell am Dienstag auf Twitter.

fh