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Mehrere Branchen betroffen Das sind die Verlierer neuer Iran-Sanktionen

von Notker Blechner

Stand: 09.05.2018, 08:44 Uhr

Die Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump dürfte weitreichende Folgen für die Wirtschaft haben. Besonders die Flugzeugbauer, Airlines und einige Autobauer sind negativ betroffen. Zudem könnte der Ölpreis weiter steigen und die Konjunktur belasten.

Autofahrer spüren das am Dienstagabend verkündete Ende des Atom-Deals zwischen den USA und dem Iran jetzt schon: Seit Tagen klettern die Preise an der Zapfsäule nach oben. Im Durchschnitt kostete der Liter Super E10 zuletzt rund 1,40 Euro. Vor zwei Monaten lag der Preis noch zehn Cent tiefer. Ähnlich sieht es beim Diesel aus. Im Durchschnitt hat sich der Liter Diesel in den letzten zwei Monaten von 1,03 auf 1,24 Euro verteuert.

Schuld daran ist vor allem der steigende Ölpreis. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet inzwischen über 76 Dollar je Barrel - so viel wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Alleine in den vergangenen zwei Monaten hat das "schwarze Gold" gut zwölf Dollar zugelegt. Rohstoff-Analysten nennen als Hauptgrund die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran. Weil Trump den Deal beenden und wieder Sanktionen gegen das Mullah-Regime einführen will, hat die Welt bald auf einen Schlag weniger Öl.

Eine Million Barrel pro Tag weniger

Experten-Schätzungen zufolge wird dann wohl die tägliche Fördermenge des Iran von momentan 3,8 Millionen Barrel um eine Million Barrel sinken – auf das Niveau von vor dem Atom-Abkommen. Aktuell ist der Iran drittgrößter Ölproduzent unter den Opec-Ländern.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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"Neue Sanktionen gegen den Iran würden den Ölpreis um zehn Dollar nach oben treiben", glaubt Michael Wittner, Analyst der Société Générale. Fünf Dollar hätten inzwischen die Märkte aber schon vorweggenommen. Hedgefonds und andere spekulative Investoren wetten seit Wochen auf einen anziehenden Ölpreis. "Die Anleger glauben, dass das Öl Richtung 80 Dollar je Barrel steigt", sagte unlängst Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg. Vor kurzem musste die Bank ihre Prognose revidieren und rechnet nun für das zweite Quartal mit einem Ölpreis von 72 Dollar - zehn Dollar mehr als bisher angenommen. Goldman Sachs prophezeit gar, dass der Ölpreis im Juli bis auf 82,50 Dollar je Barrel steigen wird.

Darunter würden nicht nur die Autofahrer leiden, sondern auch viele Konzerne. Vor allem die Airlines hätten noch höhere Treibstoffkosten zu verkraften. Ein noch höherer Ölpreis könnte auch die Weltkonjunktur bremsen.

Airbus und Boeing müssen bangen

Neue Sanktionen gegen den Iran würden zudem die Unternehmen treffen, die nach dem Atom-Deal Geschäfte mit Teheran gemacht oder angekündigt haben. Darunter befinden sich vor allem die Flugzeughersteller. Im Dezember 2016 schloss Airbus mit der nationalen Fluggesellschaft IranAir einen Vertrag zur Lieferung von über 100 Flugzeugen zum Listenpreis von rund 16 Milliarden Euro.

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Was bedeutet Trumps Entscheidung?

Ähnlich groß ist der Deal von Boeing mit IranAir. Der US-Flugzeughersteller gab die Lieferung von 80 Flugzeugen zum Listenpreis von rund 14 Milliarden Euro bekannt. Diese Verträge könnten im Falle von Sanktionen nun in Gefahr geraten. Bei Airbus stammen mindestens zehn Prozent der Flugzeugkomponenten aus den USA. Das deutsch-französische Unternehmen braucht deshalb die Erlaubnis des US-Finanzministeriums für seine Verkäufe an den Iran.

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Für einige Autobauer dürfte das Ende des Atomabkommens mit dem Iran ebenfalls fatal sein. PSA Peugeot Citroen plant ein Werk im Iran, das pro Jahr 200.000 Autos produzieren soll. Konkurrent Renault hat ein Abkommen unterzeichnet zur Produktion von 150.000 Fahrzeugen für den iranischen Markt. Und auch VW hat mit dem Export von Autos in den Iran begonnen.

Auch der deutsche Maschinenbau wird von den neuen Sanktionen empfindlich getroffen. Allein im vergangenen Jahr exportierte die Branche laut des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Maschinen im Wert von 901 Millionen Euro in den Iran.

Was passiert mit dem Erdgasprojekt von Total?

Selbst für Ölkonzerne wie die französische Total könnten die neuen Sanktionen negative Folgen haben. Total hat sich im vergangenen Juli die Erschließung des riesigen South-Pars-Erdgasfelds gesichert. Ein Abkommen mit einer Laufzeit von 20 Jahren wurde geschlossen. Sollten sich die Spielregeln ändern, müsste der Konzern das Abkommen neu bewerten, gab Total-Chef Patrick Pouyanne kürzlich zu. Andererseits dürften natürlich auch Total sowie andere Ölkonzerne vom steigenden Ölpreis profitieren.