Misslungene IPOs

Hälfte der Börsenneulinge unter dem Ausgabekurs Verheerende IPO-Bilanz

Stand: 19.10.2017, 16:41 Uhr

Wer auf Börsenneulinge setzt, muss aufpassen. Die Hälfte der seit der Lehman-Pleite erfolgten Börsengänge in Deutschland war ein Flop. Besonders China-Aktien erwiesen sich als totaler Reinfall.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig Börsengänge für den deutschen Mittelstand und für die Aktienkultur sind. Doch tatsächlich konnten Anleger mit IPOs in Deutschland häufig nichts verdienen. Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" ermittelt hat, notiert rund die Hälfte der seit Oktober 2008 im den streng regulierten Prime Standard eingeführten Aktien unterhalb ihres Ausgabepreises. Von den 108 Börsenneulingen waren 29 Prozent, also knapp ein Drittel, faktisch sogar Totalverluste.

Wertvernichter China-Aktien

Besonders ernüchternd ist die Bilanz der chinesischen Aktien, die an den Prime Standard gebracht wurden. Die 20 Börsenneulinge aus dem Reich der Mitte, die rund 330 Millionen bei Anlegern in Deutschland einsammelten, sackten im Schnitt um 98 Prozent ab. Die meisten von ihnen wurden insolvent.

Noch mehr floppten die Neuzugänge im kaum regulierten Freiverkehr (Open Market). Rund 92 Prozent der seit der Lehman-Pleite eingeführten Titel sind inzwischen vom Kurszettel verschwunden, hat "Capital" herausgefunden. Die Deutsche Börse hat reagiert und im vergangenen Jahr ein neues strenger reguliertes Segment namens "Scale" für Mittelständler geschaffen.

Nur eine Hand voll Überflieger

Immerhin: Wer ein gutes Händchen besaß, konnte mit Börsengängen glücklich werden. Unter den Börsen-Neulingen gab es eine Handvoll echter Überflieger. So schnellten die Titel des Online-Tierfutterhändlers Zooplus seit dem IPO um 928 Prozent nach oben. Die Aktien der Immobilienfirma Grand City Properties konnten sich mit einem Plus von 568 Prozent ebenfalls sehen lassen.

nb