Albert Finney und Julia Roberts in

Ist PG&E schuld an Kaliforniens Waldbränden? Camp Fire: Ein neuer Fall für Erin Brockovich

Stand: 27.11.2018, 14:56 Uhr

Pacific Gas & Electric gilt als ein möglicher Verursacher des verheerendsten Waldbrandes in der Geschichte Kaliforniens. Es wäre nicht die erste Umweltkatastrophe, in die der Konzern verwickelt wäre. Damals brockte eine Anwaltsgehilfin PG&E eine 333-Millionen-Dollar-Strafe ein. Ihr Name: Erin Brockovich.

US-Präsident Donald Trump verlängerte während der Brände in Kalifornien die Liste seiner skurrilen Tweets. Er teilte mit der Öffentlichkeit sein Wissen, wonach einzig und allein falsches Forstmanagement die Ursache sei. US-Innenminister Ryan Zinke stand seinem Präsidenten bei und schob die Verantwortung auf „radikale Umweltschützer“, die Schuld an der fehlenden Forstverwaltung seien. Sie würden Rechtsstreit um Rechtsstreit führen, um das Ausdünnen der Wälder zu verhindern.

Es gibt gewiss viele Gründe, warum sich die Brände so verheerend entwickelten, dazu mag die Struktur der Wälder gehören. Auch der Klimawandel, der nach Ansicht vieler Wissenschaftler durch immer extremere Wetterlagen Naturkatastrophen befördert, spielt wohl eine Rolle. Es lässt sich trefflich darüber streiten, wie die Gesellschaft auf diese Lagen reagieren sollte und solche Katastropen wenn schon nicht verhindert, so doch wenigstens eingedämmt werden können.    

Donald Trump nach den Waldbränden  in Paradise, Kalifornien

Der Präsident bertrachtet die Schäden der Brände in Paradise, Kalifornien. | Bildquelle: Imago

PG&E-Aktie im freien Fall   

Unterdessen machen Brandexperten ihre Arbeit und fahnden nach den Funken, die das Feuer ausgelöst haben könnten. Hauptverdächtiger ist bislang der kalifornische Energieversorger PG&E. Pacific Gas & Electric hatte den staatlichen Behörden zwei Zwischenfälle über Fehlfunktionen des Geräts berichtet, einer davon kurz bevor das Feuer ausgebrach, ein weiterer kurz danach.

Die Börse hat auf die Spekulationen und den Verdacht bereits heftig reagiert. In den vergangenen Tagen hatte der Konzern zeitweise mehr als die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt. Auch wenn die im S&P 500 gelistete Aktie seitdem wieder etwas zugelegt hat - wirklich erholt hat sie sich nicht.

Das ist auch nicht überraschend, denn noch ist völlig unklar, wie das Ergebnis der Untersuchungen ausfallen wird und wie das Feuer tatsächlich verursacht wurde. Aber eins ist zumindest sicher: Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass PG&E die Ursache für den Brand gesetzt hat, könnte sogar der Bestand des Unternehmens in Gefahr geraten. Denn die Bilanz des Feuers ist schrecklich. Mehr als 13.000 Häuser wurden zerstört, mindestens 87 Menschen starben.  

Löschflugzeug löscht einen Waldbrand in Kalifornien

Waldbrand in Kalifornien. | Bildquelle: picture alliance/Ringo H.W. Chiu/AP/dpa

Too big to fail?

Beziffern lässt sich der Gesamtschaden natürlich noch nicht, aber er dürfte die Summe, bis zu der PG&E versichert ist, um ein Vielfaches überschreiten. Ein von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichtes Dokument vom 9.November 2018 zeigt, das der Konzern bis zu einer Schadenshöhe von 1,4 Milliarden Dollar abgesichert ist. Die Größenordnung dürfte aber Expertenschätzungen zufolge eher zwischen fünf und 13 Milliarden Dollar liegen. Im vergangenen Jahr machte der Konzern einen Umsatz von 17,1 Milliarden Dollar, der Nettogewinn betrug rund 1,7 Milliarden.

Kalifornische Aufsichtsbehörden haben sich zum Fall PG&E geäußert, denn PG&E spielt für die Energieversorgung Kaliforniens eine zentrale Rolle. Michael Picker, Chef der California Public Utilities Commission, meinte, er könne sich nicht vorstellen, dass man den Konzern Pleite gehen lassen werde. Versorger müssten die wirtschaftliche Unterstützung erhalten und die Dollars bekommen, die sie gerade jetzt benötigten. Jeff Cassella, Analyst bei der Rating-Agentur Moody’s, sagte dem „San Francisco Chronicle“, er denke, die Aufsichtsbehörden würden die finanzielle Gesundheit von PG&E stützen.

Strommast und schwarze Rauchschwaden

Überirdische Strommasten sind billig, aber gefährlich. | Bildquelle: Imago

Wie CNN berichtet, sind bereits Klagen von Opfern des Brandes gegen PG&E anhängig. US-Anwaltskanzleien werfen PG&E vor, das der Konzern nicht in der Lage gewesen sei, seine Stromleitungen angemessen zu überwachen und zu warten. In den USA verlaufen viele Stromleitungen überirdisch. Wegen umstürzender Strommasten kommt es in den USA nicht nur regelmäßig zu Stromausfällen – durch Funkenflug können auch Brände ausgelöst werden. Leitungen unterirdisch zu verlegen ist wesentlich teurer, aber sicherer.     

Erin Brockovich, übernehmen sie!

Schadenersatzprozesse sind in der Geschichte des Konzerns nichts Neues. Im Jahr 1996 zahlte PG&E wegen mit Chrom vergiftetem Grundwasser 333 Millionen Dollar, seinerzeit die größte Schadenersatzsumme in der Geschichte der USA. Steven Soderbergh verfilmte die Geschichte im Jahr 2000 unter dem Titel „Erin Brockovich“ mit Julia Roberts in der Hauptrolle. Auch den Nachforschungen der echten Erin Brockovich, die für die Kanzlei Masry & Vititoe als Anwaltsgehilfin arbeitete, war es zu verdanken, dass dieser Erfolg für die Kläger erzielt wurde.

Erin Brockovich

Erin Brockovich. | Bildquelle: Imago

PG&E gilt auch als Mitverursacher der kalifornischen North Bay Waldbrände vom Oktober 2017 und steht deswegen bereits vor Gericht. Die Kläger werden prominent unterstützt – durch Erin Brockovich. Auch hier geht der Schaden in die Milliarden.