Veolia Schadstoffmobil

Zweiter Anlauf Veolia will Rivalen Suez kaufen

Stand: 31.08.2020, 09:58 Uhr

Knapp acht Jahre nach der gescheiterten Fusion mit dem Konkurrenten Suez startet der französische Wasser- und Abfallkonzern Veolia nun eine milliardenschwere feindliche Übernahme.

Zunächst wolle Veolia dem Energie-Unternehmen Engie dessen Anteil von 29,9 Prozent an Suez für 2,9 Milliarden Euro abkaufen, sagte Veolia-Chef Antoine Frerot. Sollte Engie die Offerte akzeptieren, könne Veolia formell für den Rest von Suez bieten. Den Unternehmenswert von Suez schätze er inklusive Schulden auf etwa 20 Milliarden Euro.

Zunächst würden aber Engie 15,50 Euro in bar pro Suez-Aktie angeboten. Dies sei ein Aufschlag von 50 Prozent im Vergleich zum Preis des Papiers am 30. Juli. Damals hatte Engie erklärt, seine Optionen für die Holding zu prüfen. Am Freitag waren Suez mit 12,24 Euro aus dem Handel gegangen. Am Morgen startete die Aktie mit einem Aufschlag von 20 Prozent.

Entscheidung liegt bei der Regierung

Ob das Vorhaben zustande kommt, ist unklar. Über den Erfolg entscheiden werden letztlich ohnehin nicht die Unternehmen selbst, sondern die französische Regierung, so wie dies in Paris bei solch wichtigen Transaktionen immer ist. Zuletzt hielt der Staat noch 23,6 Prozent an dem Energiekonzern Engie.

Engie, vormals unter dem Namen GDF Suez bekannt, erklärte am Abend, sich das Angebot anschauen zu wollen und die für die Aktionäre bestmögliche Entscheidung zu treffen. Engie ist Frankreichs führender Energieversorger. Dazu kommen Geschäfte in der Wasserversorgung und Abfallwirtschaft. Engie erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von von 60,1 Milliarden Euro.

Zersplitterter Markt

Veolia-Chef Antoine Frerot

Veolia-Chef Antoine Frerot. | Bildquelle: imago images / IP3press

Veolia-Chef Frerot fühlt sich von der Reaktion der Engie-Führung in seinem Vorhaben bestätigt und sagte, Ziel sei es, durch eine Übernahme von Suez den weltweit führenden Umwelt- und Entsorgungskonzern zu schmieden.

Derzeit sei dieser Markt noch äußerst zersplittert. Selbst Veolia komme zusammen mit Suez auf einen weltweiten Anteil von lediglich fünf Prozent. In China seien jedoch ebenfalls riesige Konzerne dabei, in die Entsorgungswirtschaft zu investieren und eigene Firmen aufzubauen. Gemeinsam mit Suez habe Veolia hier die Gelegenheit, in diesem stark wachsenden Geschäft mitzumischen.

Die Suez-Führung zeigte sich überrascht von dem Vorstoß des Konkurrenten. Das Angebot von Veolia sei nicht erwünscht gewesen und müsse nun umfassend erörtert werden.

lg