Varta-Schriftzug an der Unternehmenszentrale in Ellwangen
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Mehr Mikrobatterien für kabellose Kopfhörer Bei Varta gibt's was auf die Ohren

Stand: 03.09.2019, 10:50 Uhr

Die Aktien von Varta stehen unter Strom. Seit Jahresanfang haben sie sich mehr als verdreifacht. Denn vor allem das Geschäft mit kabellosen Kopfhörern boomt. Wegen der enormen Nachfrage baut Varta seine Batterieproduktion weiter aus.

Wer Varta hört, denkt meist an Haushalts- und Autobatterien. Doch die börsennotierte Varta hat damit kaum noch was zu tun. Nach der Aufspaltung des Konzerns hat sie sich auf so genannte Mikrobatterien konzentriert. Sie liefert Kleinstbatterien unter anderem für Hörgeräte.

Mini-Kopfhörer für Smartphones heiß begehrt

Das Geschäft läuft gut, da die die Menschen immer älter werden. Noch besser entwickelt sich aber eine andere Nische: das Geschäftsfeld der kabellosen Kopfhörer. Wer heutzutage ein Smartphone kauft, nutzt zunehmend Mini-Kopfhörer, mit denen sich freihändig telefonieren lässt.

Varta: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,35
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Zum Betrieb der Kopfhörer sind wiederaufladbare Mikrobatterien nötig. Und hier kommt es vor allem auf Qualität an. Laut Experten liegt dabei Varta ganz vorne, weil die Varta-Batterien lange halten, bevor sie aufgeladen werden müssen. Fondsmanager Björn Glück von Lupus Alpha spricht in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von einem "Markt mit großen Wachstumschancen".

Auch Apple setzt auf Varta

Angeblich soll sogar Apple Varta-Mikrobatterien für seine iPhones einsetzen. Offiziell bestätigen will der deutsche Batteriehersteller mit Sitz in Ellwangen im Osten Baden-Württembergs nicht. Varta-Chef Herbert Schein darf die Namen seiner Kunden nicht verraten.

Nur über die Geschäftsentwicklung äußert er sich. Und die läuft prächtig. "Wir stehen am Anfang eines großen Booms bei den Lithium-Ionen-Batterien für kabellose Premium-Kopfhörer, von dem wir am stärksten profitieren", sagt er.

Produktion wird bis 2022 kräftig ausgebaut

Um die wachsende Nachfrage zu bedienen, will Varta nun deutlich mehr Lithium-Ionen-Batterien herstellen als zuletzt angekündigt. Bis 2022 soll die Produktion auf über 150 Millionen Zellen jährlich erweitert werden, teilte das SDax-Unternehmen am Dienstag in Ellwangen mit.

Erst vor wenigen Monaten hatte Varta mitgeteilt, die jährliche Kapazität zum Jahresende 2020 auf mehr als 100 Millionen Zellen anheben zu wollen. Varta strebt 2020 eine weltweit führende Stellung bei Lithium-Ionen-Zellen an mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent.

Für die zusätzliche Kapazitätserweiterung benötige Varta ein Investitionsvolumen von rund 130 Millionen Euro, hieß es. Dieses soll aus dem Mittelzufluss aus der operativen Geschäftstätigkeit in Verbindung mit weiteren Kundenanzahlungen finanziert werden. Darüber hinaus stehe dem Konzern eine Kreditlinie von 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Aktie auf Rekordhoch

Angesichts der glänzenden Zukunftsperspektiven steigt die Aktie von Varta um gut fünf Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch. Seit dem Börsengang im Herbst 2017 hat sich der Aktienkurs nahezu vervierfacht. 2019 mauserte sich Varta zum SDax-Star mit einem Kursplus von 220 Prozent.

Commerzbank-Analyst Stephan Klepp traut der Aktie eine Fortsetzung ihres Lauf zu. Er hob das Kursziel nun von 80 auf 110 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung. "Vergessen sie den Ausblick, er ist ohnehin zu tief gestapelt", schrieb der Experte. Der Boom bei Lithium-Ionen-Batterien gehe bei Varta erst los.

nb